Politik

Türkei: Demonstrationen gegen die USA und NATO

Lesezeit: 2 min
27.11.2017 01:06
Die US-Regierung will die Bewaffnung der kurdischen YPG beenden – und reagiert damit auf erste Demos gegen die NATO und die USA in der Türkei.
Türkei: Demonstrationen gegen die USA und NATO

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat das Versprechen Washingtons begrüßt, die Waffenlieferungen an die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien zu beenden. «Wir erwarten, dass diese Partnerschaft so schnell wie möglich beendet wird», sagte Yildirim vor seiner Reise nach London am Sonntag. Die Türkei wünsche zudem, dass die USA «zu ihren wirklichen Partnern und Alliierten» zurückkehrten.

US-Präsident Donald Trump hatte der Türkei nach Angaben der Regierung in Ankara am Freitag ein Ende der amerikanischen Waffenlieferungen an die YPG zugesagt. Die Türkei kritisiert die Waffenlieferungen seit langem. Die YPG ist Verbündeter des Westens gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die in Syrien militärisch inzwischen weitgehend besiegt ist. Die YPG ist die Miliz der Kurdenpartei PYD, die der syrische Ableger der verbotenen türkischen Kurdenpartei PKK ist.

Das Verhältnis zwischen Washington und Ankara ist angespannt. Zu schweren Verstimmungen und einer gegenseitigen Visa-Blockade im Oktober führte die Inhaftierung von zwei lokalen Mitarbeitern von diplomatischen Vertretungen der USA in der Türkei. Die US-Regierung fordert außerdem – ähnlich wie die Bundesregierung – die Freilassung von US-Staatsbürgern aus türkischer Haft.

In den vergangenen Tagen kam es in der Türkei zu mehreren Demonstrationen gegen die NATO und die USA. Am 18. November 2017 fand eine Kundgebung vor dem US-Luftwaffenstützpunkt in Incirlik statt. Der Vorsitzende des Demokratie-Vereins am Mittelmeer (DDA), Irfan Topal, sagte, dass die NATO es auf die territoriale Integrität der Türkei abgesehen habe. „Die Krise mit der NATO hängt nicht mit persönlichen Verfehlungen einzelner Personen zusammen. Wenn die NATO unser Freund ist, soll sie sich wie ein Freund verhalten. Wenn sie unser Feind ist, soll sie sich klar und deutlich wie unser Feind verhalten. Wir fordern Klarheit, damit wir uns auch danach richten können. Wenn unser Präsident einen Ausstieg aus der NATO beschließen sollte, wird unsere NGO, die in 70 Verwaltungsbezirken vertreten ist, diesen Beschluss bis ans Ende unterstützen”, zitiert Haber 7 Topal.

Ebenfalls am 18. November 2017 fand im Istanbuler Stadtviertel Beşiktaş eine Anti-NATO-Kundgebung statt, die von der türkischen Heimatpartei (VP) organisiert wurde, berichtet die Zeitung Hürriyet. Der örtliche VP-Chef Erkan Önsel sagte: „Ein Fluch lastet auf uns seit dem ersten Tag unserer NATO-Mitgliedschaft. Lasst uns die NATO verlassen, um diesen Fluch abzuschütteln.”

Am selben Tag fand in Izmir eine Kundgebung vor NATO-Hauptquartier in Izmir-Şirinyer statt, die vom Verein des „Nationalen Willens und der Demokratie vom 15. Juli” (MIDDER) organisiert wurde. MIDDER-Chef Serhat Çağ sagte dem Blatt Hürriyet: „Nach dem Ende der bipolaren Weltordnung hat die NATO sich ab Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem Instrument der USA entwickelt. Die Türkei hat unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine Entwicklung eingeschlagen und ist deshalb zum offenen Ziel der NATO und einiger Staaten geworden. Das NATO-Manöver in Georgien im August gegen den angeblichen ,Feind im Osten’, die Attacken gegen die Türkei aufgrund des S-400-Deals mit Russland und die enthüllte Unterstützung einiger NATO-Staaten für die PKK und ISIS, haben uns die Intention der NATO deutlich vor Augen geführt. Es wurde mittlerweile auch bewiesen, dass die NATO Teil des Putschversuchs vom 15. Juli gewesen ist.”

Auslöser der Proteste war unter anderem ein Vorfall im Rahmen der NATO-Übung „Trident Javelin 2017” im norwegischen Stavanger. Im Verlauf einer Simulation wurden der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der Gründervater der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, als „Feinde” und „Ziele” eingestuft. Bei der Simulation ging es um ein Land namens „Skolken”, das kurz davor war, das Raketenabwehrsystem des Typs S-400 zu erwerben. Die NATO spielte Möglichkeiten durch, um den Staat „Skolken” vom Erwerb der S-400 abzuhalten. Am Ende der Anstrengungen der NATO stand eine militärische NATO-Operation gegen „Skolken”. Die Zeitung Yeni Şafak berichtete, dass es bei dem Staat „Skolken” unmissverständlich um die Türkei gehe.

Als Reaktion auf diese Simulation zog die Türkei 40 Offiziere, die an der Simulation beteiligt gewesen waren, ab. Nach Angaben der Zeitung Haberturk soll die türkische Offizierin Ebru Nilhan Bozkurt gegen die Simulation protestiert und Details der Operation an die türkischen Medien weitergeleitet haben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...