Deutschland

Konkurrenz für die Bahn: Flixbus steigt in den Zugverkehr ein

Lesezeit: 2 min
07.03.2018 00:28
Der Fernbus-Anbieter Flixbus steigt in den Schienenverkehr ein.
Konkurrenz für die Bahn: Flixbus steigt in den Zugverkehr ein

Der Fernbusanbieter Flixbus macht ab Ende dieses Monats der Deutschen Bahn Konkurrenz. Am 24. März eröffnet das Münchener Unternehmen die Fernzugstrecke Hamburg – Essen – Düsseldorf – Köln. Mitte April wird die Strecke Stuttgart – Frankfurt – Hannover – Berlin folgen. Auf beiden Strecken wird jeweils ein Zug unterwegs sein, auf der Strecke Stuttgart – Berlin sollen es ab Sommer zwei Züge sein. Die Züge fahren morgens los und im Laufe des Nachmittags beziehungsweise des Abends wieder zurück. Der genaue Fahrplan wird noch bekannt gegeben.

Flixbus betreibt die Strecken mit zwei Partnern: dem Bahn-Touristik-Express aus Nürnberg auf der Verbindung Hamburg-Köln und dem tschechischen Eisenbahn-Unternehmen Leo Express auf der Strecke Stuttgart-Berlin. Die Münchener werden für den kaufmännischen Bereich zuständig sein, inklusive Marketing, Vertrieb, Kundenservice, Preisgestaltung, Netzplanung und zentrale Betriebssteuerung. Ihre Partner werden den operativen Schienenbetrieb verantworten. Leo Express hatte im August 2017 die Aktiva aus der Insolvenz des Fernverkehrzug-Betreibers Locomore übernommen, der bis Mai 2017 die Strecke Stuttgart-Berlin bedient hatte.

„Wir denken durchaus darüber nach, das Geschäft mit Fernzügen weiter auszubauen“, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein in einem Interview, wie AFP berichtet. Welche Strecken das sein werden, kann das Unternehmen allerdings erst zum Fahrplanwechsel im Dezember bekannt geben. Der Betrieb jedes Zuges muss nämlich erst bei der DB Netz beantragt werden, die prüft, ob auf der fraglichen Strecke ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen, was angesichts der bereits bestehenden Auslastung nicht immer der Fall sein wird. Die DB Netz ist zwar eine Tochterfirma der Bahn, darf jedoch Wettbewerber nicht benachteiligen, was von der Bundesnetzagentur überwacht wird.

Ein Sprecher von Flixbus kündigte an, die Preise der Bahn auf allen Strecken zu unterbieten. Die Reisezeiten sollen die des ICE nicht überschreiten. Die Ankunftszeiten der Züge an den einzelnen Bahnhöfen sollen mit den Abfahrtzeiten der Fernbusse abgestimmt werden: „Auf diese Weise kann man dann praktisch jeden größeren Ort im Land schnell und bequem erreichen.“

Für die Bahn ergibt sich durch Flixbus´ Ankündigung eine neue Situation. Zwar herrscht seit der Liberalisierung im Jahr 1994 („Bahnreform“) im Personen-Nahverkehr rege Konkurrenz, im Personen-Fernverkehr hält die Bahn jedoch nach wie vor quasi ein Monopol. „Die Bahn begrüßt grundsätzlich den Wettbewerb im Schienenverkehr“, so ein DB-Sprecher. Als Stärken der Bahn nennt er „das flächendeckende Netz, den Ein-Stunden-Takt im ICE-Verkehr, die kurze Fahrzeit sowie den hohen Reisekomfort“. Herausgefordert hat Flixbus die Bahn schon einmal – mit Erfolg. 2016 stellte das Milliarden-Unternehmen seinen „Berlin Linien Bus“, der über 40 innerdeutsche Strecken befuhr, wegen Erfolgslosigkeit ein.

Flixbus wurde 2013 gegründet und deckt 93 Prozent des deutschen Fernbusmarkts ab. Die Münchener betreiben Linien in 27 europäischen Ländern und fahren mit insgesamt 1500 eigenen sowie Partner-Bussen rund 1400 Zielstädte an. Seit seiner Gründung hat das Unternehmen rund 100 Millionen Passagiere befördert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Finanzen
Finanzen Unerwartete Renaissance: Briten setzen verstärkt auf Bargeld

Die Briten haben dem Bargeld zu einer unerwarteten Renaissance auf der Insel verholfen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ohne den Dollar: Indien bezahlt massive Kohle-Importe in anderen Währungen

Indiens Unternehmen importieren massiv Kohle aus Russland, und die Zolldaten zeigen, dass sie diesen wichtigen Rohstoff heute kaum noch in...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Öl-Durchfluss durch Druschba-Pipeline gestoppt - Hoffen auf Kompromiss

Der Durchfluss durch die Süd-Route der wichtigen Druschba-Pipeline wurde gestoppt. Offenbar haben sich die Beteiligten nun auf einen...

DWN
Politik
Politik Alarmstufe Rot: Russland will ukrainisches Atomkraftwerk vom Netz nehmen

Russland will offenbar das Atomkraftwerk Saporischschja vom Netz nehmen. Mit dem Strom soll anschließend die Krim versorgt werden. Die...

DWN
Politik
Politik Schwere Eskalation im Streit zwischen EU-Kommission und Polen

Der Streit zwischen EU-Kommission und Polen eskaliert. Von „Oligarchie“, „Imperialismus“ und einer Neuordnung der Beziehungen ist...

DWN
Politik
Politik Lindner will Steuerentlastung: Topverdiener profitieren am meisten

Der Finanzminister hat angesichts der hohen Preise eine Steuersenkung angekündigt. Jetzt legt er seine Pläne vor. Kritik gibt es auch...

DWN
Politik
Politik Aufschrei nach FBI-Razzia: Republikaner stellen sich hinter Trump

Nach der umstrittenen Razzia des FBI stellen sich die Republikaner hinter Trump – und seine Kandidaten gewinnen erneut Wahlen.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Umverteilung von Nord nach Süd nimmt Fahrt auf

Die EZB hat erneut viele Milliarden Euro in die hoch verschuldeten Staaten im Süden der Eurozone gepumpt. Dies geschieht auf Kosten von...