Finanzen

Russland begibt erstmals Staatsanleihe in chinesischen Renminbi

Das russische Finanzministerium wird erstmals eine in der chinesischen Landeswährung Yuan notierte Staatsanleihe ausgeben.
09.09.2019 11:24
Aktualisiert: 09.09.2019 12:37
Lesezeit: 6 min
Russland begibt erstmals Staatsanleihe in chinesischen Renminbi
Die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping streben die Unabhängigkeit ihrer Länder vom US-Dollar an. (Foto: dpa) Foto: Stringer

Das russische Finanzministerium wird Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres seine erste auf die chinesische Landeswährung Renminbi (Yuan) lautende Anleihe auflegen. Moskau hofft, dass die neue Staatsanleihe das Interesse chinesischer Investoren an russischen Vermögenswerten erhöhen wird. Zudem verstärken China und Russland damit ihre Unabhängigkeit vom US-Dollar - ein von beiden Regierungen proklamiertes strategisches Ziel.

"Derzeit bemühen sich mehrere Banken unter Führung der Gazprombank und der China International Capital Corporation um die Realisierung dieser ersten Yuan-Anleihe, aber es gibt noch einige technische Details, an denen wir arbeiten", zitiert SCMP Cheng Daming, Executive Director bei der China International Capital Corporation, einer der führenden Investmentbanken Chinas. "Mit etwas Druck und gemeinsamen Anstrengungen glauben wir, dass wir diese Vereinbarung noch in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres realisieren werden."

Die russische Yuan-Anleihe wird chinesischen Investoren eine weitere Investitionsmöglichkeit bieten, nachdem die chinesische Zentralbank im vergangenen Jahr die Regeln für das Renminbi Qualified Domestic Institutional Investors Programm aktualisiert hatte. Dies ermöglicht es chinesischen Investoren, auf Yuan lautende ausländische Finanzprodukte zu kaufen, solange diese nicht in Fremdwährungen umgewandelt werden.

Russlands Yuan-Anleihe bietet relativ geringes Ausfallrisiko

"Da chinesische Anleiheinvestoren nicht mit dem Kreditrisiko russischer Staatsschulden und mit der Moskauer Börse vertraut sind, brauchen sie mehr Zeit, um sich mit der gesamten Geschäftsstruktur vertraut zu machen", fügte Cheng hinzu. Die Anleihe, die voraussichtlich an der Moskauer Börse notiert wird, wäre die erste russische Staatsanleihe in Yuan. Russische Staatsanleihen werden von allen drei internationalen Ratingagenturen Fitch, S&P Global Ratings und Moody's als Investment-Grade eingestuft, weil sie angeblich ein relativ geringes Ausfallrisiko aufweisen.

Die Idee einer russischen Yuan-Anleihe wurde erstmals im Jahr 2016 vorgeschlagen, doch bei der Umsetzung der Idee gab es mehrere Verzögerungen. Die Idee wurde dann im vergangenen Jahr wiederbelebt, als China und Russland versuchten, ihre Beziehungen vor dem Hintergrund der eskalierenden Spannungen mit den USA weiter zu stärken.

Die beiden Länder sind seit einiger Zeit bestrebt, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern, da Washington den Zugang zum globalen Dollar-Zahlungssystem bisweilen als Waffe nutzt, um Staaten und Einzelpersonen auch außerhalb der USA zu bestrafen. Um ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, haben Moskau und Peking auch über die Etablierung eines neuen Systems für direkte Yuan-Rubel-Zahlungsverrechnungen gesprochen, doch auch dieses Projekt hatte sich mehrfach verzögert.

China und Russland auf dem Weg zur Unabhängigkeit vom Dollar

Im bilateralen Handel werden nach Angaben des russischen Finanzministeriums bereits rund 14 Prozent der Zahlungen in Yuan und etwa 7 bis 8 Prozent in Rubel abgewickelt. China ist der größte Handelspartner Russlands, während Russland der größte Lieferant von Rohöl für China ist. Die russische Zentralbank hat auch den Anteil von in US-Dollar notierten Vermögenswerten in ihrem Portfolio schrittweise durch Yuan-Aktiva ersetzt. Stand Mitte 2018 hält sie 15 Prozent ihrer internationalen Währungsreserven in Yuan.

Seit der Verhängung der ersten westlichen Sanktionen gegen Russland im Jahr 2014 treibt Moskau den Aufbau einer eigenen Finanzinfrastruktur voran, um weitere Beschränkungen für seine Banken und Unternehmen zu vermeiden. Moskau hat in diesem Jahr bereits Anleihen in Euro und auch US-Dollar verkauft.

Denis Shulakov, erster Vizepräsident der staatlichen Gazprombank, sagte, dass der Yuan-Bond-Deal wichtig sei, weil er helfe, eine Benchmark für die Schaffung von mehr Absicherungsoptionen für diejenigen zu schaffen, die in die chinesische Währung investieren oder sie handeln. Insgesamt hielten ausländische Investoren heute mehr als 2 Billionen Rubel (30,2 Milliarden US-Dollar) an russischen Staatsanleihen.

"Kein chinesischer Investor kauft Schulden des russischen Finanzministeriums in Rubel", so Shulakov weiter. "Während ausländische Investoren aus dem Westen dem russischen Markt zu vertrauen scheinen, werden chinesische Investoren, da sie überhaupt nicht daran teilnehmen, als unbewusst oder zögerlich angesehen. Dies ist keine technische, sondern eine regulatorische Frage, es ist eine Frage des Vertrauens in das Finanzsystem des anderen."

Dass die Zeit des US-Dollars als globale Reservewährung zu Ende geht, dafür sieht nicht nur die US-Investmentbank JPMorgan verstärkte Anzeichen, sondern auch der britische Zentralbankchef Mark Carney. Auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole im vergangenen Monat sagte er jedoch, dass der Übergang vom Dollar zum chinesischen Yuan riskant sei, und schlug stattdessen eine globale digitale Reservewährung vor.

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