Finanzen

Aramco in Schwierigkeiten: Roadshows in London und New York gestrichen

Die Aussichten für einen Börsengang des saudischen Riesenkonzerns Aramco im Ausland schwinden weiter. Nachdem Aramco seine ehrgeizige Firmenbewertung gesenkt hat, wurden Werbetouren in den USA, Europa und Japan gestrichen.
19.11.2019 12:00
Aktualisiert: 19.11.2019 12:00
Lesezeit: 2 min
Aramco in Schwierigkeiten: Roadshows in London und New York gestrichen
03.11.2019, Saudi-Arabien, Dammam: Amin Nasser (l), Präsident und CEO des Ölkonzerns Saudi Aramco, und Jasir al-Rumian, Vorstandsvorsitzender Saudi Aramco, nehmen an einer Pressekonferenz teil. (Foto: dpa) Foto: -

Beim womöglich größten Börsengang der Geschichte muss der saudische Ölriese Aramco bei der angestrebten Bewertung Abstriche machen. Angesichts der am Sonntag von dem Konzern bekannt gegebenen Preisspanne von 30 bis 32 Riyal (8,00 bis 8,53 US-Dollar) je Aktie würde es Aramco auf einen Gesamtwert von 1,6 bis 1,7 Billionen Dollar (1,45 bis 1,54 Billionen Euro) bringen. Von der ursprünglich erhofften Bewertung des Staatskonzerns von mehr als zwei Billionen Dollar hat sich Saudi-Arabien damit indes entfernt - möglicherweise auch mit Blick auf Sorgen von Investoren angesichts schwankender Ölpreise sowie Angriffe auf Ölanlagen und -tanker in vergangenen Monaten.

Wie Bloomberg zudem berichtet, hat Aramco auch alle geplanten Roadshows für potentielle Aktien-Investoren in den USA, Großbritannien, weiteren europäischen Finanzmetropolen, Kanada sowie Japan gestrichen.

Aramco will 1,5 Prozent oder etwa drei Milliarden seiner Anteile verkaufen, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. Damit könnte Aramco bis zu 25,6 Milliarden Dollar (derzeit rund 23 Mrd Euro) einnehmen und den Rekord für den größten Börsengang knapp brechen, den derzeit die chinesische Handelsplattform Alibaba mit Einnahmen von 25 Milliarden Dollar hält.

Der endgültige Preis soll am 5. Dezember festgelegt werden. Es wird erwartet, dass die Aramco-Aktien einige Tage später erstmals an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul gehandelt werden. Ein internationales Angebot soll im Jahr 2020 oder 2021 folgen. Der Gang aufs Parkett war ursprünglich schon vergangenes Jahr geplant gewesen und dann mehrfach verschoben worden.

Aramco wurde 1933 als California-Arabian Standard Oil Company gegründet. 1988 verwandelte die saudische Regierung die Firma unter dem Namen Saudi Arabian Oil Company oder Saudi Aramco in einen Staatskonzern. Sitz ist Dhahran im Osten Saudi-Arabiens. Ende 2018 waren die nachgewiesenen Erdölvorkommen Aramcos nach eigener Aussage fünfmal größer als die der fünf großen internationalen Ölkonzerne, also ExxonMobil, Shell, BP und Total.

Aramco hatte seinen Prospekt für den Börsengang vor einer Woche veröffentlicht. Demnach können Privatanleger die Aktien seit (diesem) Sonntag bis zum 28. November zeichnen, institutionelle Anleger haben bis 4. Dezember Zeit für ihre Order. Unter institutionellen Anlegern könnten etwa Ölkonzerne aus China oder anderen Ländern sein. So hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg zuletzt unter Berufung auf Insider berichtet, dass chinesische Staatskonzerne gemeinsam zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar in Aramco-Aktien investieren könnten.

Niedrige Ölpreise hatten den Gewinn des Energieriesen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 18 Prozent absacken lassen: Bis Ende September erzielte Aramco einen Gewinn von 68,2 Milliarden Dollar im Vergleich zu 83,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit lag Aramco aber immer noch vor Apple, das jahrelang als das profitabelster Konzern der Welt galt. Der Tech-Riese aus Kalifornien verdiente im ganzen Jahr 2018 knapp 60 Milliarden Dollar.

Mit den erhofften Milliarden-Einnahmen aus dem Börsengang will sich das Königreich unabhängiger vom Öl- und Gasgeschäft machen. Das Geld soll in andere Wirtschaftszweige investiert werden. Der Plan ist Teil der sogenannten "Vision 2030" von Kronprinz Mohammed bin Salman, dem faktischen Herrscher Saudi-Arabiens.

Die endgültige Festlegung des Aktienpreises am 5. Dezember fällt auf einen kritischen Termin für den weltweiten Ölhandel. Am selben Tag kommen Vertreter der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zu einem regulären, zweitägigen Treffen in Wien zusammen, um über ihre Förderpolitik zu beraten. In vergangenen Wochen war spekuliert worden, ob das Ölkartell angesichts einer schwächeren Nachfrage und einer hohen US-Produktion eine weitere Kürzung der Ölfördermengen beschließen könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

DWN
Technologie
Technologie Silicon Valley im Umbruch: 3 besorgniserregende Dinge, über die jetzt alle sprechen
21.04.2026

Im Silicon Valley verdichten sich die Signale für einen tiefgreifenden Wandel, der die Arbeitswelt unter dem Druck der KI neu ordnen...

DWN
Politik
Politik Wirtschaft Russlands in der Krise: Haushaltsdefizit wächst - auch der Druck auf Putin?
21.04.2026

Hohe Energiepreise und gelockerte Sanktionen verschaffen der russischen Wirtschaft kurzfristig Luft. Doch gleichzeitig mehren sich Hinweise...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple-Aktie reagiert auf Führungswechsel: Apple-Chef Cook geht - Hardware-Chef Ternus übernimmt
21.04.2026

Bei Apple steht ein historischer Führungswechsel bevor, der auch die Apple-Aktie bewegt: Nach 15 Jahren übergibt Apple-Chef Tim Cook das...

DWN
Finanzen
Finanzen MSCI World ETF-Vergleich: Die besten ETF Fonds auf den MSCI World-Index im Test
21.04.2026

Mit einem MSCI World-ETF investieren Anleger in die weltweit wichtigsten Unternehmen der Industriestaaten. Wer vor 10 Jahren MSCI...

DWN
Unternehmen
Unternehmen QVC-Insolvenz: Teleshopping-Sender steht vor dem Aus - was das für Kunden heißt
21.04.2026

Die QVC-Insolvenz erschüttert die Teleshopping-Branche und stellt ein jahrzehntelang erfolgreiches Geschäftsmodell infrage. Während der...

DWN
Politik
Politik Heliumknappheit: Chipindustrie vor strukturellen Herausforderungen
21.04.2026

Ein oft übersehener Rohstoff rückt in den Mittelpunkt der globalen Wirtschaft, während geopolitische Spannungen zentrale Lieferketten...

DWN
Finanzen
Finanzen Vor dem SpaceX-IPO: Wie Anleger in SpaceX-Aktien investieren können
21.04.2026

Das SpaceX-IPO rückt näher und lenkt den Blick auf die Frage, wie Anleger schon vor dem Börsengang Zugang zu einem der begehrtesten...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Warum Investoren den Krieg ausblenden und auf Wachstum setzen
21.04.2026

Trotz geopolitischer Spannungen zeigen sich die US-Börsen überraschend robust. Anleger richten ihren Blick zunehmend auf...