Bohrinseln stehen wegen Öl-Crash vor dem Aus

 

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06.06.2020 16:53  Aktualisiert: 06.06.2020 16:53
Die aktuelle Weltwirtschaftskrise könnte der Offshore-Ölbranche den Todesstoß versetzen. Denn schon vor dem letzten Preis-Crash waren die Ölpreise eigentlich zu niedrig, um die beteiligten Unternehmen tragen zu können.
Bohrinseln stehen wegen Öl-Crash vor dem Aus
Viele Offshore-Projekte haben sich noch nicht einmal von der letzten Krise erholt. (Foto: dpa)
Foto: Carina Johansen

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Für die Bohrinseln, die etwa 30 Prozent des weltweit geförderten Erdöls produzieren, hätte es kaum schlimmer kommen können. Wegen der globalen Rezession ist die Nachfrage nach Öl eingebrochen. Die Erdöltanks sind längst voll. Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um rund die Hälfte eingebrochen. Zudem wird die Branche durch den Kampf gegen das Coronavirus und nun auch noch durch die Hurrikan-Saison behindert.

Aufgrund ihrer schwindenden Einnahmen müssen die Unternehmen der Branche ihre Investitionsausgaben senken und die Zukunft wichtiger Projekte neu überdenken. Wegen der aktuellen Krise hat sich ein Großteil der weltweiten Ölförderung bereits an Land verschoben, wo die Betriebskosten niedriger sind und die Produktion flexibler angepasst werden kann. Viele neue Offshore-Projekte sind bereits gestoppt worden.

Im Golf von Mexiko hat Royal Dutch Shell seine Pläne zur Erschließung eines riesigen neuen Ölfelds namens Whale auf das kommende Jahr verschoben. Das Unternehmen Cantium stellte Ende April die gesamte Produktion ein, da es die Betriebskosten nicht mehr decken konnte. Auch das Unternehmen Kosmos Energy, das auch in Afrika aktiv ist, will einen Teil seiner Produktion im zweiten Quartal einstellen.

Hinzu kommt der Rückgang bei den Bohrungen. In den letzten vier Jahren bohrten im Golf von Mexiko täglich etwa 20 Bohrinseln auf der Suche nach Öl durch unterseeisches Gestein. Zuletzt waren dort nach Angaben des Öldienstleistungsunternehmens Baker Hughes BHI nur noch 12 Bohrinseln aktiv. Mit nur einer Ausnahme ist dies die niedrigste wöchentliche Zahl seit dem Jahr 2000.

"Die Dinge sehen nicht gut aus für Offshore-Bohrer", zitiert Forbes Jon Marsh Duesund vom schwedischen Analyseunternehmen Rystad Energy. Viele Ölfirmen, die im Offshore-Bereich tätig sind, hätten sich noch nicht einmal vom letzten Ölpreis-Crash erholt. In den Jahren 2014 bis 2015 waren die Ölpreise von über 100 Dollar auf unter 40 Dollar eingebrochen, was die Branche vor große Herausforderungen stellte.

Noch Anfang des Jahres setzten Bohrunternehmen und Produzenten ihre Hoffnungen noch auf eine Reihe neuer Projekte, die in den Jahren 2018 und 2019 grünes Licht erhalten haben. In der Tat sollten in den nächsten Jahren riesige neue Felder, wie das von ExxonMobil in Guyana in Südamerika erschlossene Feld, die Offshore-Fördermengen massiv erhöhen.

Die tatsächlichen Auswirkungen des derzeitigen Abschwungs zeigen sich aber nicht bei den fertiggestellten Projekten, sondern sie werden sich in der niedrigen Zahl der neu startenden Projekte zeigen. Rystad erwartet, dass in diesem Jahr noch weniger Projekte grünes Licht erhalten werden als auf dem Tiefpunkt des letzten Preiseinbruchs im Jahr 2016.

Laut Peter Maniloff, Professor für Energie- und Umweltpolitik an der Colorado School of Mines, sind die hohen Kosten von Offshore-Öl und die langen Projektlaufzeiten eine Barriere. "Das bedeutet, dass der Preis nicht nur hoch sein muss, damit sie sich auszahlen, er muss über Jahre hinweg hoch sein", zitiert ihn Hellenic Shipping News. Daher erwarte er in naher Zukunft nicht viele neue Offshore-Bohrungen.

Zudem sind die Offshore-Ölfirmen - wie auch die amerikanischen Schieferölfirmen - durch ihren massiven Schuldendienst belastet. Nach dem Preiseinbruch von 2014 bis 2015 haben viele Ölfirmen ihre bestehenden Kredite und Anleihen refinanziert, um sie zurückzuzahlen, sobald sich die Preise wieder erholt haben. Doch die Preise haben die erwartete Erholung niemals erreicht.

Viele unabhängige Unternehmen, die in den seichten Gewässern vor Louisiana und Texas tätig sind, werden vom Schuldendienst hart getroffen werden. Analysten sagen voraus, dass Unternehmen, die sich auf die Vergabe von Ölbohrinseln spezialisiert haben, am härtesten betroffen sein werden, wobei Firmen wie die Noble Corporation und die in London ansässige Valaris sogar vom Bankrott bedroht seien.

"Offshore-Bohrer und Anbieter von Offshore-Schiffen werden im Allgemeinen nicht in der Lage sein, ihre gesamten 2020 ausstehenden Schulden auf der Grundlage ihres Cashflows aus dem operativen Geschäft zu begleichen, es sei denn, sie sind in der Lage, ausreichende Investitionskürzungen vorzunehmen", sagte Rystad bereits im April.

Viele Branchenbeobachter waren überrascht, dass die Rohölpreise nach ihrem kurzen Absturz Ende April, als sie zum ersten Mal überhaupt unter die Marke von 30 Dollar pro Barrel fielen, wieder so stark gestiegen sind. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wird nun wieder für für 37,80 Dollar gehandelt, ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 40,24 Dollar (Stand Mittwochmorgen).

Auch wenn die Offshore-Unternehmen nun versuchen sollten, wieder verstärkt neue Bohrungen durchzuführen und neue Projekte zu beantragen, so müssen sie sich auf einen extrem harten Wettbewerb gefasst machen. Denn ihre Konkurrenten in den Schieferbecken von Texas, New Mexico und anderen US-Bundesstaaten bemühen sich bei denselben Investoren um Investitionen.

Das Schiefer-Fracking hat gegenüber Bohrinseln die zwei entscheidenden Vorteile, dass ihre Kosten niedriger sind und die Investitionen weniger riskant. Die aktuelle Krise dürfte den Trend weg von Bohrinseln und den Übergang zu mehr Onshore-Öl beschleunigen, der im Übrigen schon länger im Gange ist. Denn schon vor der aktuellen Krise waren die Ölpreise einfach zu niedrig.


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