Politik

Kehrtwende: USA intervenieren, Türkei und Griechenland reichen sich die Hand

Die USA haben diplomatisch interveniert, um einen militärischen Konflikt zwischen Athen und Ankara zu verhindern. Doch auch die Russen wirken offenbar beruhigend auf die Griechen ein.
13.06.2020 14:57
Aktualisiert: 13.06.2020 14:57
Lesezeit: 2 min
Kehrtwende: USA intervenieren, Türkei und Griechenland reichen sich die Hand
Die instabilen Gebiete in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. (Grafik: Google Maps/DWN)

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte kürzlich, er sei sicher, dass die Griechen keinen bewaffneten Konflikt mit der Türkei wegen der Seestreitigkeiten in der Ägäis und im östlichen Mittelmeerraum wollen.

„Ich möchte mit mathematischer Sicherheit unterstreichen, dass die Griechen keinen Krieg mit der Türkei führen wollen“, zitiert die griechische Zeitung Kathimerini Akar.

Daraufhin sagte Thanos Dokos, nationaler Sicherheitsberater des griechischen Premierministers, auf einer Online-Konferenz des 5. Delphi Economic Forum und der Hellenic Foundation for European and Foreign Policy (ELIAMEP), dass Griechenland ebenfalls keinen Krieg wolle. „Die EU ist ein unbeteiligter Beobachter. Die USA haben ihre eigenen innenpolitischen Probleme. In Libyen ist die Lage außer Kontrolle geraten. Das Syrien-Problem ist immer noch aktuell. Positiv ist lediglich die Tatsache, dass der Flüchtlingszustrom zurückgegangen ist“, so Dokos. Er meint, die EU müsse Wege finden, um die Beziehungen zur Türkei wiederzubeleben.

Zuvor hatte Griechenlands Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos gesagt, dass Griechenland bereit sei für einen militärischen Konflikt gegen die Türkei. Akar kommentierte die Aussage seines griechischen Amtskollegen mit den Worten: „Seine Aussage ist ein Ausrutscher gewesen.“

Akar verfügt über sehr enge Beziehungen zum Pentagon und zur Nato. Das Pentagon hat sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit dem türkischen Verteidigungsministerium in Verbindung gesetzt, um die Drohungen Griechenlands zu erörtern.

Die US-Diplomatie muss zwischen ihren beiden wichtigen Nato-Partnern einen Balanceakt durchführen. Um die Griechen nicht zu verärgern, hat US-Botschafter Geoffrey Pyatt gemeinsam mit Panagiotopoulos am vergangenen Freitag die Militärbasis in Souda auf Kreta besucht. Sie wurden vom Generalstabschef der Hellenischen Nationalen Verteidigung (HNDS), Konstantinos Floros, begleitet.

Greek City Times zitiert Pyatt: „Souda spielt für die US-Regierung der zwei wichtige Rollen. Erstens ist es unsere wichtigste Plattform für die Projektion der amerikanischen Macht in eine strategisch dynamische Region im östlichen Mittelmeerraum. Von Syrien über Libyen bis zum Chokepoint des Schwarzen Meeres ist dies ein äußerst wichtige Einrichtung für die USA, da unsere Luftwaffe, unsere Marine und andere Ressourcen eingesetzt werden, um unsere Verpflichtungen des Bündnisses zu unterstützen und Frieden und Stabilität zu schaffen.“

Pyatt sagte damit diplomatisch aus, dass Griechenland in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer nicht eigenmächtig handeln sollte. Er machte deutlich, dass die USA das faktische militärische Sagen haben. Gleichzeitig wies er diplomatisch darauf hin, dass die USA die Sicherheit Griechenlands garantieren.

In einem Tweet hob Pyatt die Bedeutung der Nato hervor. Damit wollte er indirekt daran erinnern, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Nato wichtig ist.

Zuvor hatte eine regierungsnahe russische Zeitung einige Sicherheitsexperten zitiert, die meinen, dass Russland sich bei einem türkisch-griechischen Krieg auf die Seite von Griechenland schlagen würde. Doch in den vergangenen Tagen haben russische Staatsmedien Analysten zu Wort kommen lassen, die Athen davon abraten, in einen militärischen Konflikt gegen die Türkei zu ziehen.

Abseits vom aktuellen Kriegsgeschrei, hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten als erstes Medium in Deutschland über ein geopolitische Konzept berichtet, das in der Vergangenheit viele Unterstützer unter türkischen und griechischen Militärs und Diplomaten hatte.

Dem Konzept zufolge gehören die Türkei und Griechenland zum selben geopolitischen Baustein. Die Verfechter dieses Konzepts setzen sich dafür ein, eine „Türkisch-Griechische Föderation“ zu gründen. Sie argumentieren, dass dadurch alle Konflikte zwischen beiden Ländern gelöst werden könnten, zumal es zu einer wirtschaftlichen und geographischen Verschmelzung kommen würde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....

DWN
Politik
Politik Russischer Topökonom: „Putin wird bald begreifen, dass die Zeit nicht auf seiner Seite ist“
24.05.2026

Sergej Guriev, russischer Ökonom im Exil, gilt als einer der weltweit führenden Experten für Russlands Wirtschaft. Im Interview schätzt...