Deutschland

Immobilienkonzern Deutsche Wohnen profitiert von höheren Mieten

Der neu in den Dax aufgestiegene Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat die Corona-Krise bislang weitgehend unbeschadet überstanden. Denn während anderen Branchen die Einnahmen wegbrechen, werden die Mieten weiter pünktlich gezahlt.
13.08.2020 14:32
Lesezeit: 2 min
Immobilienkonzern Deutsche Wohnen profitiert von höheren Mieten
Mietwohnungen in Berlin. (Foto: dpa) Foto: Jens Kalaene

Trotz starken Gegenwinds und Wirtschaftskrise verdient die Deutsche Wohnen weiter an steigenden Mieteinnahmen. Ende Juni lagen sie bei dem Dax-Konzern bundesweit im Schnitt bei 6,93 Euro kalt je Quadratmeter und damit 2,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Auch im wichtigsten Markt Berlin lagen die Mieten höher als vor einem Jahr, sie stiegen wegen des Mietendeckels seit Jahresbeginn aber nicht mehr. Die Bewohner zahlten dort im Schnitt 6,91 Euro je Quadratmeter.

Nennenswerte Folgen der Coronakrise spürt das Unternehmen dagegen nicht. «Der ökonomische Effekt ist gering», sagte Vorstandschef Michael Zahn am Donnerstag. Nur rund ein Prozent der Mieterhaushalte habe sich dazu mit Anfragen und konkretem Hilfebedarf gemeldet. «Wir können zuversichtlich in die Zukunft schauen.»

Rund 116.000 der bundesweit 160.000 Wohnungen liegen im Raum Berlin. Wer sich in der Hauptstadt eine neue Wohnung bei der Deutsche Wohnen nimmt, zahlt jetzt durchschnittlich 7,51 Euro je Quadratmeter. Ohne Mietendeckel wären es zwei Euro mehr.

In den Verträgen neuer Mieter steht eine sogenannte Schattenmiete: Vereinbart ist die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erzielbare Miete, verlangt wird aber nur die Summe, die der Mietendeckel erlaubt. Lüftet Karlsruhe den Mietendeckel, müssen Mieter nachzahlen, so das Kalkül.

Und Deutsche Wohnen geht davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht das Gesetz kippen wird, das seit Februar in der Hauptstadt gilt. «Wir glauben fest daran, dass Berlin eine sehr dynamische Wachstumsgeschichte bleiben wird», sagte Zahn. In der Stadt sank der Leerstand stärker als bundesweit.

Bei der Deutschen Wohnen gibt es viel Bewegung. Rund 6400 Wohnungen und Gewerbeeinheiten werden an den Konkurrenten LEG Immobilien verkauft. 450 Wohnungen und Gewerbeeinheiten in Berlin, Potsdam und Dresden kamen neu ins Portfolio.

Zudem übernahmen die Berliner eine Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent an der Quarterback Immobilien AG. Damit sichere sich Deutsche Wohnen den Zugriff auf eine Vielzahl von Neubauprojekten, insbesondere in der Region Dresden und Leipzig. Zuletzt einigte sich das Unternehmen mit dem Münchner Projektentwickler Isaria Wohnbau auf den Erwerb einer Plattform für Projektentwicklungen sowie wesentlicher Immobilienprojekte.

Allerdings weht den großen deutschen Wohnungsvermietern wegen anziehender Mieten ein immer stärkerer Wind entgegen. Erst jüngst verlängerte der Bundestag angesichts der anhaltenden Wohnungsnot die Mietpreisbremse um fünf Jahre und verschärfte sie zudem. Künftig können Mieter zu viel gezahlte Miete für bis zu zweieinhalb Jahre rückwirkend zurückfordern. In Berlin trat im Februar das Gesetz für den Mietendeckel in Kraft.

Der operative Gewinn (Funds from Operations 1, kurz FFO1) ging im ersten Halbjahr etwa wegen höherer Zinsaufwendungen um 1,8 Prozent auf 282,9 Millionen Euro zurück. Das Periodenergebnis sank aufgrund eines deutlich geringeren Bewertungsergebnisses von 603,1 Millionen im Vorjahr auf 216,7 Millionen Euro. Im laufenden Jahr erwartet Deutsche Wohnen weiter einen operativen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres von 538 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Industrieproduktion in Deutschland geht überraschend zurück
07.09.2026

Die deutsche Industrie startet mit einem unerwarteten Dämpfer in die zweite Jahreshälfte. Statt der erhofften Belebung ging die...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
07.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie im KI-Boom: Billig, riskant, unverzichtbar?
07.09.2026

Die Nvidia-Aktie ist in zehn Jahren um fast 15.000 Prozent gestiegen und gilt heute als wichtigste Einzelaktie der Welt. Trotzdem nennen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen will Werk in Osnabrück verkaufen – VW-Werk soll Rüstungsstandort werden
07.09.2026

In Osnabrück steht ein traditionsreicher Industriestandort vor einem radikalen Wandel. Wo jahrzehntelang Cabrios und Sportwagen...

DWN
Politik
Politik Ballistische Rakete: Neue Schlagkraft für Deutschland – Bundeswehr-Marine testet Lora
07.09.2026

Ein Raketenschuss zwischen Irland und Island markiert einen möglichen Wendepunkt für die Bundeswehr. Mit der israelischen Lora könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Droneshield-Aktie nach Kurssturz vor der Trendwende? Es bleiben Risiken!
07.09.2026

Die Droneshield-Aktie kämpft nach massiven Kursverlusten um eine Stabilisierung. Technische Kaufsignale und operative Fortschritte wecken...

DWN
Politik
Politik Von der Leyen landet in Grönland und bringt Milliarden mit
07.09.2026

Ursula von der Leyen reiste erneut nach Grönland, diesmal mit neuen Investitionszusagen im Gepäck. Die EU will ihre Rolle in der Arktis...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Twingo im Test: Klein, leise und überraschend praktisch
07.09.2026

Der neue elektrische Renault Twingo ist klein, leise und fühlt sich in der Stadt besonders wohl. Gebaut wird er in Slowenien, wo an seinem...