Wirtschaft

Holzpreis-Explosion erwischt Produzenten auf falschem Fuß

Getrieben durch den Hausbau in Nordamerika erklimmt der Holzpreis neue Rekordhöhen. Die Produzenten waren auf dieses Szenario offenbar überhaupt nicht vorbereitet.
24.08.2020 15:23
Aktualisiert: 24.08.2020 15:23
Lesezeit: 2 min
Holzpreis-Explosion erwischt Produzenten auf falschem Fuß
In der Holzindustrie geht es momentan hektisch zu. (Foto: dpa) Foto: Jens B

Der spektakuläre Anstieg des Holzpreises nimmt kein Ende. An der Rohstoffbörse CME notiert der Terminpreis aktuell bei etwa 916 Dollar pro Maßeinheit 1000 „boardfoot“ und damit so hoch wie noch nie.

In den letzten Monaten ist Holz eine der besten Rohstoff-Anlagen überhaupt gewesen. In diesem Jahr hat sich der Preis mehr als verdoppelt (plus 145 Prozent) – unter den Rohstoffen hat einzig das Industriemetall Rhodium (plus 171 Prozent) noch besser performt.

Analysten bringen die Preisentwicklung in Zusammenhang mit zunehmenden Heimwerker- und Bauaktivitäten – vorallem in den USA und Kanada. Der Anstieg um 23 % (im Vergleich zum Vormonat) für im Juli begonnene Neubauten für den Eigenbedarf in den USA ist ein weiteres Zeichen für eine Erholung des Hausbaus in den Vereinigten Staaten.

Die Holzproduzenten waren darauf anscheinend nicht vorbereitet und hatten sich stattdessen auf eine eher sinkende Nachfrage durch den Konjunktureinbruch infolge der Coronakrise eingestellt. Die geringen Lagerkapazitäten haben wohl zu Engpässen geführt, die jetzt zusätzlich preistreibend wirken.

Die weitere Entwicklung der Holzpreise lässt sich schwer prognostizieren

Ob der Trend für den Holzpreis weiter nach oben zeigen wird, ist allerdings fraglich. Die private Nachfrage könnte wieder sinken, wenn die Menschen weniger Einkommen zur Verfügung haben, beispielsweise falls die Hilfszahlungen an Privathaushalte in den USA eingestellt werden oder die Arbeitslosigkeit in den Industrieländern steigt. Niemand weiß genau, wie sich die – zwischenzeitlich durch Corona stark rückläufigen – Neubauaktivitäten entwickeln werden; darüber hinaus bleibt die sonstige Industrienachfrage wegen der Corona-Situation weiterhin unsicher, und ein steigender Lageraufbau der Holzindustrie könnte die Preise normalisieren. Außerdem machen die niedrigen US-Hypothekenzinsen den Hausbau auf Kredit momentan attraktiv, das muss aber nicht so bleiben.

Was man auch immer beachten sollte: Projekte, die Holz als Grundstoff benötigen, sind im Moment mit stark steigenden Materialkosten konfrontiert. Die Holznachfrage sollte also perspektivisch eher sinken oder könnte zunehmend durch andere Stoffe substituiert werden. Hinzu kommt, dass die Immobilienmärkte gerade in Kanada als etwas überhitzt gelten und Grundstücke deshalb je nach Lage sehr teuer sein können.

Wetten auf Rohstoffpreise sind sehr riskant

Für den Privatanleger ist ohnehin Vorsicht geboten: Wer an einer möglichen Trend-Rally partizipieren möchte, ist auf Derivate angewiesen, und Rohstoff-Derivate basieren meistens auf Future-Preisen, welche extrem volatil sein können. Außerdem ist die Liquidität der Holzmärkte eher niedrig, wodurch sich schon relativ geringe Nachfrage- und Angebotsänderungen massiv auf die Terminpreise auswirken können.

Die Abwärts-Odyssey der Lithium- und Kobaltpreise in den letzten Jahren nach Rekordhöhen (im Zuge des Hypes um die E-Mobilität) Ende 2017 und Anfang 2018 bei Verlusten zum Höchststand in Höhe von circa 66 und 75 Prozent zeigten in eindrucksvoller Weise, dass die Rohstoff-Bewertungen an den Finanzmärkten massiv überschießen können.

Direkt profitieren werden dafür diejenigen Länder, die netto viel Holz exportieren und sich über temporär deutlich höhere Exporteinnahmen freuen können. Unangefochtene Spitzenreiter unter den Netto-Exporteuren waren 2019 Kanada und Russland. Etwas abgeschlagen dahinter stehen Länder wie Indonesien, Brasilien und Vietnam.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
16.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rettet Polen die deutsche Industrie?
16.06.2026

Deutschlands Exportmodell steht unter Druck, da China und die USA als Absatzmärkte schwächeln. Polen und Mittelosteuropa fangen einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs: Kryptowährungen gehören der Vergangenheit an – oder sind sie doch die Zukunft?
16.06.2026

Der Bitcoin-Kurs hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren, die Skepsis bei vielen Privatanlegern bleibt groß. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Nur jeder Zweite kassiert Urlaubsgeld
16.06.2026

Urlaub wird immer teurer – doch Millionen Beschäftigte erhalten keinen Zuschuss vom Arbeitgeber. Eine neue Studie zeigt, warum...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic: So kaufen Anleger die SpaceX-Aktie
16.06.2026

Die SpaceX-Aktie schießt nach dem Börsengang kräftig nach oben und lockt Millionen Anleger an. Wer sie über Trade Republic kaufen will,...