Deutschland

Ufa führt Selbstzensur bei Film-Produktionen ein

Das deutsche Filmunternehmen Ufa schreibt für seine Produktionen nun Quoten für willkürlich ausgewählte „Minderheiten“ vor, die es zu fördern gelte. Ein erfahrener Regisseur ist skeptisch.
03.01.2021 13:10
Lesezeit: 2 min

In der Debatte um mehr Diversität in Film und Fernsehen ist der vor allem durch Sonntagskrimis bekannte Regisseur Dominik Graf skeptisch. Zur Selbstverpflichtungserklärung der Ufa, nach der in Zukunft „Frauen, LGBTIQ*, People of Color sowie Menschen mit Beeinträchtigungen“ gemäß ihrem demografischen Anteil in Produktionen vorkommen sollen, sagte er der Wochenzeitung Die Zeit: „Das Lautsprecher-Getöse daran erregt den Verdacht, dass der doch überwiegende filmische Schwachsinn, den die Branche produziert, mit einem gesellschaftsrelevanten Verhaltenscode wettgemacht werden soll.“

Der 68-Jährige Graf drehte unter anderem den „Tatort: In der Familie“, führte Regie bei anderen „Tatort“-Krimis, „Polizeiruf 110“-Folgen und der Serie „Im Angesicht des Verbrechens“, aber auch bei Kinofilmen wie „Die geliebten Schwestern“.

Auf die Frage, ob der Film ein getreues Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit schaffen sollte, sagte Graf der Zeit: „Das klingt gefährlich nach Zensur der Stoffe.“ Graf sagte, er wolle nicht den Anspruch aufgeben, die Welt so „böse“ abzubilden wie sie sei. „Für eine Welt, wie sie stattdessen sein sollte, fühlen wir uns nicht zuständig. Gewalt und Übergriffe spielen deshalb in unseren Filmen eine große Rolle. Gewalt ist immer präsent in der Gesellschaft, und immer ist sie für das Opfer „herabwürdigend“, um einen Begriff aus dieser Selbstverpflichtung zu verwenden. Dabei ist es ganz egal, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht das Opfer hat. Und so muss Gewalt auch dargestellt werden, sonst verharmlosen wir sie.“

Die Kunst im linksliberalen Ideologie-Irrgarten

Die Ufa gab neulich bekannt, in ihren Film- und Fernsehproduktionen die deutsche Bevölkerung vor der Kamera „realistischer“ abbilden zu wollen, etwa was den Anteil an Frauen, Homosexuellen oder People of Color angeht. Mit „People of Color“ sind Menschen gemeint, die Rassismuserfahrungen machen oder machen könnten, weil sie nicht als weiß oder westlich wahrgenommen werden.

Mit diesen willkürlich erstellten Kategorien öffnet die Ufa der ideologisch fundierten Totalverwirrung in der Filmbranche Tür und Tor. Denn dann müsste auch jede noch so kleine oder auch große Minderheit – man denke beispielsweise nur an Frutarier, Polyamoristen, Zeugen Jehowas, Verfechter traditioneller Rollenbilder oder die sogenannten „Querdenker“ – und zahlreiche weitere Interessengemeinschaft künftig prozentual in Ufa-Filmen repräsentiert werden – das ist aber kein Thema.

Bemerkenswert ist auch die Einstufung von Frauen als angeblich schützenswerte Minderheit, die es im Film öfter darzustellen gelte. Frauen sind in Deutschland im gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich – und insbesondere auch in der Filmbranche – sehr stark repräsentiert und bedürfen eigentlich keiner „Förderung“ mehr.

Bis 2024 sollen die Ziele erreicht werden. Ufa-Geschäftsführer Nico Hofmann hatte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, die Änderungen sollen sich auch inhaltlich widerspiegeln: „Wenn Sie sich das deutsche Fernsehen und auch die Ufa-Produktionen ansehen, sei es mit Blick auf People of Color, Migrationshintergrund oder Sexualität, dann finden Sie oft Alibi-Besetzungen, die nicht wirklich vom Klischee abweichen.“

In Großbritannien gibt es schon länger Selbstverpflichtungen in der Filmbranche. Die Maßnahme „Diamond“ (Diversity Analysis Monitoring Data) von BBC, Channel 4, ITV und Sky soll ein realistischeres Gesellschaftsabbild gewährleisten, also zum Beispiel mehr lesbische oder schwarze Charaktere statt nur weiße Heterofiguren ins Programm bringen. Das fällt auch bei Produktionen wie der britischen Netflix-Serie „Sex Education“ auf.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Italien: Meloni erlässt Burkaverbot sowie Sprachquote und treibt neues Wahlrecht voran
02.10.2026

Ein Vorbild für Deutschland? Bisher gibt es hierzulande kein bundesweites oder einheitliches Verbot der Vollverschleierung für...

DWN
Politik
Politik Frankreichs Jugend im Ausnahmezustand: Mehr als 5.000 Festnahmen
02.10.2026

Bildungspolitik gegen die eigenen Jugend? Mehr als 5.000 Festnahmen und zunehmende Gewalt: Frankreichs Schülerproteste haben laut...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleiherenditen setzen Aktien weiterhin unter Druck
02.10.2026

Zinsängste und Arbeitsmarktdaten bewegen die Börsen – was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Raffinerien stoppen Exporte: Was passiert mit den Dieselpreisen in Europa?
02.10.2026

Der weltweite Dieselmarkt steht bereits massiv unter Druck. Nun drosseln chinesische Raffinerien ihre Exporte und konzentrieren sich auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor
02.10.2026

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Scandit stoppt Diebstahl an der Selbstbedienungskasse
02.10.2026

Selbstbedienungskassen sparen Personal, öffnen Händlern aber eine teure Schwachstelle: Kunden scannen Waren falsch oder gar nicht. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: VDMA verlangt Importverbote für Risikoprodukte aus China
02.10.2026

Deutschlands Maschinenbauer warnen vor Wettbewerbsnachteilen durch Produkte, die europäische Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen....

DWN
Technologie
Technologie „Völliger Mist“: So fällt die Kritik an Europas Microsoft-Teams-Alternative aus
02.10.2026

Element Pro soll die Kommunikation sicherstellen, falls Microsoft Teams ausfällt. Die Europäische Kommission betreibt die Lösung auf...