Deutschland

Grundrechte: Spahn kündigt „Freiheiten“ für Geimpfte nach dritter Welle an

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist, kann laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei Lockerungsschritten nach der dritten Corona-Welle bestimmte Freiheiten zurückbekommen.
04.04.2021 13:34
Lesezeit: 3 min

Die dpa meldet:

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist, kann laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei Lockerungsschritten nach der dritten Corona-Welle bestimmte Freiheiten zurückbekommen. «Wer geimpft ist, kann ohne weiteren Test ins Geschäft oder zum Friseur. Zudem müssen nach Einschätzung des RKI vollständig Geimpfte auch nicht mehr in Quarantäne», sagte Spahn der «Bild am Sonntag». Dies sei eine wichtige Erkenntnis, wenn man nach dem nun dringend notwendigen Brechen der dritten Welle über testgestützte Öffnungsschritte etwa für den Einzelhandel rede.

Mehr zum Thema: Grundrechte nur nach Impfung? Präsident des Bundesverfassungsgerichts sorgt mit Aussage für Eklat

Laut Bundesgesundheitsministerium sind gut zwölf Prozent der Deutschen mindestens einmal geimpft worden. Das sind mehr als zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger. 4,3 Millionen Menschen haben demnach bereits die zweite Impfung erhalten.

In einigen regionalen Modellversuchen können Menschen mit tagesaktuellem negativen Corona-Schnelltest einkaufen gehen, in Berlin zum Beispiel seit Mittwoch. Allerdings wird die Möglichkeit wenig genutzt. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, beklagte am Samstag eine geringe Auslastung der Läden zwischen zwei und zehn Prozent. «So bringt das nichts, das kann kein Modell für länger sein», sagte Busch-Petersen der dpa. Die Kosten lägen für solche Nachfrage zu hoch.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) betonte unterdessen, die Corona-Regeln sollten in Deutschland einheitlich per Bundesgesetz verankert werden. «Es gibt die große Sehnsucht in der Bevölkerung nach einheitlichen Regeln. Mein Vorschlag ist deshalb, die einheitlichen Regeln durch ein Bundesgesetz festzulegen», sagte er der «Welt am Sonntag». «Dieses Gesetz sollte genau vorschreiben, welche Schritte bei den jeweiligen Inzidenzwerten unternommen werden müssten - von der Verschärfung bis zur Lockerung.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor einer Woche in der ARD-Sendung «Anne Will» einen Teil der Länder dafür kritisiert, dass sie die vereinbarten Beschlüsse gegen die Pandemie nicht umsetzten. Wenn das nicht «in sehr absehbarer Zeit» geschehe, müsse sie sich überlegen, wie sich das vielleicht auch bundeseinheitlich regeln lasse. «Das ist mein Amtseid, das ist meine Verpflichtung», sagte Merkel und verwies auch auf das Infektionsschutzgesetz.

Ein Regierungssprecher sagte der dpa am Karsamstag, um die dritte Corona-Welle zu brechen, werde derzeit überlegt, ob und wie der Bund einheitliche Vorgaben zur Eindämmung von Corona machen solle - falls das Vorgehen der Länder nicht ausreiche. «Die Länder haben das ganze Instrumentarium zur Verfügung. Und wir beobachten, dass in vielen Ländern jetzt auch zusätzliche Maßnahmen umgesetzt werden», hieß es.

Seehofer sagte, ein Bundesgesetz könne in kürzester Zeit beschlossen werden. «Da es wie alle Bundesgesetze durch den Bundestag und den Bundesrat verabschiedet würde, wäre auch größtmögliche Legitimation hergestellt, was die Opposition immer wieder gefordert hat.»

Auch CSU-Chef Markus Söder plädierte für ein Bundesgesetz. Der «Bild am Sonntag» sagte Bayerns Ministerpräsident: «Um Corona effektiv zu bekämpfen, braucht es einen einheitlichen bundesweiten Pandemieplan anstelle eines Flickenteppichs mit unüberschaubaren Regeln in den einzelnen Bundesländern.» So sei eine einheitliche konsequente Anwendung der Notbremse über einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen nötig.

Söder nannte für diesen Fall Ausgangsbeschränkungen, eine Testpflicht in den Schulen sowie eine flächendeckende Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken. Zudem sei zu überlegen, ob ein erneuter kurzer, aber dafür konsequenterer Lockdown nicht ein besserer Weg wäre als ein «halbherziges und dafür endloses Corona-Konzept, das die Zahlen der Neuinfektionen auch nicht wirklich reduziert hat».

Kurz vor der Veröffentlichung dieser Neuigkeiten ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, dass fast zwei Drittel der Deutschen im Kampf gegen die Corona-Pandemie für ein Verbot von Urlaubsreisen ins Ausland sind. Es sprachen sich 64 Prozent für einen solchen Schritt aus, nur 26 Prozent sind dagegen. 10 Prozent machten keine Angaben. Angesichts der Diskussion über Urlaub auf Mallorca hatte die Bundesregierung erwogen, Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland vorübergehend zu unterbinden. Merkel hatte die zuständigen Fachressorts beauftragt, die rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen. Am vergangen Montag hieß es, dass ein solcher Schritt «zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant» sei.

Mallorca war am 14. März wegen sinkender Infektionszahlen von der Liste der Corona-Risikogebiete gestrichen worden, was vorübergehend zu einem Buchungsboom für die Osterzeit geführt hatte. Urlauber, die von der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen zurückkehren, müssen nun nicht mehr in Quarantäne. Bund und Länder raten aber weiterhin eindringlich von touristischen Reisen im In- und ins Ausland ab.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie „Wir befinden uns in einem Wettrüsten”: Deutschlands Drohnenabwehr wird zur Chance für den Mittelstand
14.09.2026

Nach dem gescheiterten Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle plant die Bundesregierung Drohnenabwehreinheiten an neun Standorten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kein Treffen zur Straße von Hormus – was steckt dahinter?
14.09.2026

Ein geplantes Treffen im Oman machte Hoffnung auf Bewegung im Konflikt um die Straße von Hormus. Doch der Termin platzt kurz vorher.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hormus-Blockade: Gaspreis erreicht höchsten Stand seit Ende 2022 – was das für den Winter bedeutet
14.09.2026

Europas Gaspreis steigt auf den höchsten Stand seit Ende 2022. Lieferausfälle am Persischen Golf, die Blockade der Straße von Hormus und...

DWN
Politik
Politik Ölpreis aktuell deutlich fester: Saudisches Öl sitzt fest
14.09.2026

In den USA glaubt Präsident Trump an einen Sieg über den Iran direkt nach den Zwischenwahlen. Doch sowohl J. D. Vance als auch Marco...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
14.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Politik
Politik Kommunalwahl in Niedersachsen: CDU vorn, AfD legt stark zu – drei Lehren
14.09.2026

Die Kommunalwahlen in Niedersachsen setzen gleich mehrere politische Warnsignale. Während CDU und SPD deutliche Verluste hinnehmen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch will Lkw-Geschäft bis Mitte der 2030er verdoppeln
14.09.2026

Bosch setzt große Hoffnungen auf schwere Nutzfahrzeuge. Der Technologiekonzern will seinen Umsatz in diesem Segment bis Mitte der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Einzigartige Allianz" mit EU: Kanada prüft engere Anbindung an Europas Binnenmarkt
14.09.2026

Der Konflikt mit Washington zwingt Kanada zur Neuorientierung. Nun rückt die Europäische Union als strategischer Partner stärker in den...