Politik

Blaupause des Verteidigungsministeriums sieht grundlegenden Umbau der Bundeswehr vor

Eine vom Bundesverteidigungsministerium erarbeitete Blaupause sieht einen grundlegenden Umbau der Bundeswehr vor - die Truppe soll schneller und flexibler agieren können. Die Beibehaltung des Status Quo ist den Autoren zufolge keine Option.
05.05.2021 11:09
Aktualisiert: 05.05.2021 11:09
Lesezeit: 2 min

Mit einer Strukturreform der Bundeswehr und ihrer Führungsstäbe will das Verteidigungsministerium die Einsatzfähigkeit der Truppe deutlich erhöhen. Dabei soll es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur künftig für das Ausland sowie für das Inland je ein zentrales Führungskommando geben. Die Planungen im Haus von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sehen zudem vor, die derzeit etwa 185 000 Männer und Frauen zählende Truppe von bislang sechs auf dann vier Standbeine hin - sogenannte militärische Organisationsbereiche - umzuorganisieren: das Heer als Landstreitkraft sowie Marine, Luftwaffe und die erst in jüngerer Zeit geschaffene Cyber- und Informationstruppe CIR.

Für die Einsätze im Ausland gibt es bereits das Einsatzführungskommando in Potsdam, aus dem aktuell die deutschen Soldaten in Afghanistan oder Mali ihre Befehle erhalten. Neu geschaffen werden soll ein Territoriales Führungskommando mit einem Nationalen Befehlshaber für das Inland. Er soll die Fäden in der Hand halten, wenn es um Landes- und Bündnisverteidigung geht - die nun wieder zur Hauptaufgabe der deutschen Streitkräfte wird.

Deutlich umgebaut würden damit zwei Bereiche: Das Sanitätswesen rückt mit der für den Einsatz relevanten «grünen Sanität» näher an den Patienten und ist kein eigener Organisationsbereich mehr. Spezialkräfte oder die Besatzungen der Marine kennen dies bereits, sie haben ihre eigenen Ärzte und Sanitäter. Zudem wird die Eigenständigkeit der sogenannten Streitkräftebasis aufgegeben, der bislang die Logistik untersteht. Auch Militärpolizei sowie ABC-Abwehr fallen in die Zuständigkeit dieses Stabes in Bonn und sollen - so sehen es die Planungen vor - nun an das Heer gehen. Dieses wäre künftig auch zuständig für die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Für den einzelnen Soldaten ändere sich wenig, aber insgesamt würden mit einer anderen Struktur in den Stäben Kräfte in niedriger vierstelliger Zahl frei, wurde errechnet. Die Planer versprechen sich schlankere Führungsstrukturen und klar gefasste Verantwortungsbereiche für eine Truppe, die zuletzt oft eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um in die Gänge zu kommen. Die USA und auch die Briten und Franzosen fordern, Deutschland müsse militärisch schneller auf die Beine kommen können.

Als Vorbild und auch Blaupause dient den Militärstrategen die Division Schnelle Kräfte (DSK), die - der Name ist Programm - Soldaten für die nationale Risikovorsorge bereithält. Ein Szenario: Deutsche werden im Ausland als Geiseln genommen. Mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) und den Fallschirmjägern der Luftlandebrigade 1 «Saarland» hält die Division 365 Tage im Jahr Soldaten einsatzbereit und kampffähig vor und hat auch eine eigene Sanität und Logistik.

Zurück zum „Nato-Alarm“

In den 1980er Jahren konnten sich größere Teile der Bundeswehr auf einen Fingerschnipp hin mobil machen. Wenn «Nato-Alarm» war, rückten Soldaten binnen Stunden mit Radfahrzeugen und Panzern in Stellungen ein, die in einem Verteidigungsplan vorgesehen sind. Dann fiel der Eiserne Vorhang, ein Gefühl der Sicherheit vor Feinden und mehrere Spar- und Abrüstungsrunden folgten. In den Berichten der Wehrbeauftragten sind Ausrüstungsmängel und eine lähmende Bürokratie zusammen mit einer «Diffusion der Verantwortung» - keiner ist Schuld - Dauerthemen.

«Der Status quo ist keine Option», heißt es aus der militärischen Führung. Mit einer Reduzierung der Stäbe soll mehr Personal in die Truppe kommen. Immerhin gibt es für die Landes- und Bündnisverteidigung aktuell 6800 Posten in einer Bedarfsforderung, für die es kein Personal gibt. Mit deutlich mehr Soldaten kann die Bundeswehr aus demografischen und gesellschaftlichen Gründen nicht rechnen. Schon das offizielle Ziel, bis zum Jahr 2025 auf 203 000 Männer und Frauen anzuwachsen, scheint schwer zu erreichen.

Die Pläne lösten aber Wirbel in der Truppe aus, nachdem einzelne Aspekte bekannt geworden sind. Der Bundeswehrverband riet mit Blick auf ein angekündigtes Eckpunktepapier, Ruhe zu bewahren. Strukturveränderungen seien vielfach gefordert worden, aber bisher ausgeblieben. Es könne nicht sein, dass im Verteidigungsministerium eine Arbeitsgruppe jahrelang berate, «um eine halbe Kampftruppenbrigade inklusive Führungsunterstützungs-, Sanitäts- und Logistikkräften auf die Beine zu stellen», erklärte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Andre Wüstner. Er erinnerte daran, dass eine «Kaltstartfähigkeit» der Bundeswehr politisch zugesagt und von der Nato gefordert sei.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Trotz der Preisschwankungen von XRP haben Nutzer auf XRP-Staking-Plattformen über 9.000 US-Dollar pro Tag verdient.

Mit Blick auf das Jahr 2026 zeigen die Kursentwicklung und die Marktstruktur von XRP positive Veränderungen im Kryptowährungsmarkt....

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch
20.01.2026

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch: Das gelbe Edelmetall durchbricht eine historische Marke nach der anderen, der Silberpreis zieht mit....

DWN
Technologie
Technologie Energie in unsicheren Zeiten: Was tun, wenn der Blackout in Deutschland kommt?
20.01.2026

Ein Blackout trifft moderne Gesellschaften schneller, als viele glauben. Der Ausfall in Spanien und Portugal Anfang 2025 zeigt, wie rasch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen im Januar besser als erwartet
20.01.2026

Die ZEW-Konjunkturerwartungen steigen im Januar deutlich stärker als erwartet – ein Signal, das viele als Hoffnungsschimmer für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exporte in die USA fallen: Autoindustrie besonders betroffen – wo es Hoffnung gibt
20.01.2026

Deutschlands USA-Exporte geraten unter Druck: Zölle, politische Drohkulissen und neue Unsicherheit im transatlantischen Geschäft treffen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Materialmangel in deutscher Industrie geht zurück – doch Entwarnung bleibt riskant
20.01.2026

Die Materiallage in der deutschen Industrie wirkt deutlich stabiler als noch vor wenigen Monaten. Vor allem die Autoindustrie meldet...

DWN
Panorama
Panorama Verdi-Warnstreik bremst Pendler aus: Wirtschaft warnt vor Folgen
20.01.2026

Der Verdi-Streik trifft Autofahrer genau zum Start in den Tag: Warnstreiks im öffentlichen Dienst sorgen für Sperrungen, Umleitungen und...

DWN
Politik
Politik Putins Bündnisse zerfallen: Iran wird zum Schlüsselrisiko
20.01.2026

Russlands Außenpolitik steckt in der Krise: Verbündete im Nahen Osten und darüber hinaus zweifeln zunehmend am Wert der Partnerschaft...

DWN
Politik
Politik G7-Gipfelidee aus Paris: Macron regt G7-Treffen mit Russland und Dänemark an
20.01.2026

Emmanuel Macron sucht den direkten Draht zu Donald Trump – und setzt dabei auf private Nachrichten. Ein vorgeschlagenes G7-Treffen in...