Politik

Persischer Golf unter Spannung: Waffenruhe gerät zunehmend ins Wanken

Trotz laufender Gespräche über ein mögliches Kriegsende zwischen den USA und dem Iran wächst nach neuen Angriffen am Persischen Golf die Sorge vor einer erneuten militärischen Eskalation. In Teheran zweifeln Experten zunehmend daran, dass die fragile Waffenruhe halten wird.
28.05.2026 14:42
Lesezeit: 3 min
Persischer Golf unter Spannung: Waffenruhe gerät zunehmend ins Wanken
Neue Angriffe in der Straße von Hormus gefährden die fragile Waffenruhe zwischen USA und Iran. Experten warnen vor erneutem Krieg. Was steckt dahinter? (Foto: dpa) Foto: Rouzbeh Fouladi

Unsicherheit trotz laufender Vermittlungsversuche

Gegenseitige Angriffe inmitten der Gespräche über ein Kriegsende zwischen dem Iran und den USA schüren Sorgen vor einer weiteren Eskalation. Nach den nächtlichen Attacken am Persischen Golf herrscht drei Monate nach Kriegsbeginn in der iranischen Hauptstadt Teheran Ungewissheit über die Zukunft der Verhandlungen. Experten in der Millionenmetropole halten ein Wiederaufflammen der Kämpfe inzwischen für immer wahrscheinlicher.

Das US-Militär hatte in der Nacht zu Donnerstag einen Bereich des Flughafens in der Hafenstadt Bandar Abbas im Landessüden attackiert, wie iranische Medien berichteten. Sechs Drohnen wurden nach US-Angaben abgeschossen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim zitierte eine heimische Militärquelle, wonach mehrere Schiffe die Meerenge mit abgeschaltetem Radarsystem passieren wollten. Warnschüsse der Revolutionsgarden hätten zwei Schiffe zum Umkehren gezwungen und die US-Angriffe ausgelöst.

Welche Kriegspartei jedoch zuerst das Feuer eröffnet hatte, kann nicht unabhängig überprüft werden. Bereits am Dienstag kam es in der Straße von Hormus zu gegenseitigem Beschuss. Seit dem 8. April herrscht in dem Krieg eigentlich eine Waffenruhe. Regionale Staaten und vor allem Pakistan vermitteln zwischen Washington und Teheran, um den Krieg dauerhaft zu beenden.

Experte: Krieg unausweichlich

Während sich US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen auch optimistisch mit Blick auf einen möglichen Deal gezeigt hatte, bleiben Insider skeptisch. Irans Führung verhandle aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, sagte ein Kenner der Gespräche. Einerseits gehe es um Bedürfnisse wie die Aufhebung harter Sanktionen, andererseits um ideologische Fragen wie die Kontrolle über die Straße von Hormus oder das umstrittene Atomprogramm.

"Da Trump nirgendwo Kompromisse machen will, ist eine Einigung nicht möglich und ein erneuter Krieg somit unausweichlich", schätzt der Experte. Auch im iranischen Staatsfernsehen stimmen Kommentatoren die Bevölkerung auf eine Wiederaufnahme der Kämpfe ein.

Kuwait erneut unter Beschuss

Als Reaktion auf die Angriffe gaben Irans Revolutionsgarden am frühen Morgen bekannt, dass man die US-Luftwaffenbasis attackiert habe, von der aus das US-Militär auf ein Gebiet nahe dem Flughafen von Bandar Abbas gefeuert habe. Der Golfstaat Kuwait meldete Beschuss durch Raketen und Drohnen. Zu möglichen Schäden und Opfern gab es zunächst keine Informationen.

Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe gegen den Iran am 28. Februar feuerte der Iran jedoch schon mehrmals Raketen und Drohnen auf Kuwait und andere Staaten am Persischen Golf. Dort unterhält das US-Militär zahlreiche Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt sind. Trotz der Waffenruhe hatten auch die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten zuletzt vereinzelt Beschuss gemeldet.

Am Vormittag verurteilte das iranische Außenministerium die nächtlichen US-Angriffe scharf. Außenamtssprecher Ismail Baghai sprach in einer Mitteilung von wiederholten Verstößen gegen die Waffenruhe. Er bekräftigte auch die Entschlossenheit seines Landes, auf die Angriffe im Rahmen des Selbstverteidigungsrechts zu reagieren.

Kritik an Trumps Drohung gegen Oman

Baghai kritisierte außerdem Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der dem Golfstaat Oman gedroht hatte. "Der Oman wird sich wie alle anderen verhalten, oder wir müssen sie in die Luft jagen. Das verstehen sie", sagte der Republikaner am Mittwoch. Trump reagierte damit auf Berichte über Gespräche zwischen dem Iran und dem Oman über eine gemeinsame Regulierung der Straße von Hormus. Die Drohung sei ein "gefährliches Zeichen für die Normalisierung von Rechtsbruch und Machtpolitik", warnte Baghai.

Der Oman pflegt gute Beziehungen nach Washington und Teheran und hat sich in Krisen immer wieder einen Namen als diskreter Vermittler gemacht, auch im Streit um Irans Atomprogramm. Wegen seiner pragmatischen Haltung und dem Prinzip der Nichteinmischung wird das Sultanat auch als "Schweiz des Nahen Ostens" bezeichnet. Dass der Wüstenstaat mit Blick auf die Meerenge ähnliche Ziele wie der Iran verfolgt, gilt als unwahrscheinlich.

Der britische Sicherheitsexperte Samir Puri vom King’s College in London bezeichnete Trumps Worte als überraschend. Die Drohung sende eine "schreckliche Botschaftv an die Verbündeten der USA am Golf, sagte er dem Sender Al Jazeera. "So etwas über Oman zu sagen, wird Schockwellen durch die Region senden."

Straße von Hormus bleibt Streitpunkt in Verhandlungen

Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus übernommen. Faktisch müssen sich Reedereien mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und dürfen anschließend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt die iranische Führung hohe Gebühren. Völkerrechtlern zufolge verstoßen solche Gebühren gegen das Recht auf Transitpassage. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um den Iran am Export von Öl zu hindern.

Die Kontrolle über die Straße von Hormus gehört in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein Ende des Kriegs zu den besonders strittigen Punkten. Die US-Regierung belegte unterdessen eine vom Iran neu geschaffene Behörde zur Kontrolle der Meerenge mit Sanktionen. Sie warnte Reeder vor einer Zusammenarbeit mit der Behörde. Dies könne als Unterstützung der iranischen Revolutionsgarden aufgefasst und ebenfalls mit Sanktionen belegt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Milliardenmarkt Online Glücksspiel: Wie Zahlungsanbieter an Casinos verdienen

Wer in einem Online Casino Geld einzahlt, erlebt meist einen unspektakulären Vorgang. Zahlungsmethode auswählen, Betrag eingeben,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Echt oder Kopie? Billige Labordiamanten erobern den Markt
22.08.2026

Labordiamanten kosten nur einen Bruchteil natürlicher Steine und erobern den wichtigsten Diamantenmarkt der Welt. Für Juweliere,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Bahn: Vandalismusschäden in Höhe von 34 Millionen Euro
22.08.2026

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eishersteller Florida Eis investiert 25 Millionen Euro – in Sachsen-Anhalt
22.08.2026

Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme mit Politikern aus Sachsen-Anhalt, legt der Berliner Eishersteller Florida Eis den Grundstein für...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage mit KI: Ist mit diesen KI-Tools die schnelle Algorithmen-Rendite möglich?
22.08.2026

KI analysiert Finanzdaten schneller als jeder Analyst. Doch bringen lernende Algorithmen und die Geldanlage mit KI am Ende wirklich mehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini Countryman im Test: Viel Platz, viel Leistung, hoher Preis
22.08.2026

Der Mini Countryman JCW ALL4 verbindet viel Platz mit sportlicher Leistung und auffälligem Auftritt. Der mittelgroße SUV überzeugt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Forscher warnen: Rekordwärme in Europas Meeren geht auf Klimawandel zurück
22.08.2026

Fast überall an Europas Küsten ist das Meerwasser extrem warm. Ohne den Klimawandel wären solche Temperaturen praktisch unmöglich,...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche schlafen zu wenig: Vier von zehn Menschen betroffen
22.08.2026

Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht? Experten zufolge ist das zu kurz. In Deutschland trifft das aber auf viele Menschen zu. Vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: SPD kämpft ums Überleben – und rüttelt an der Wahlhürde
22.08.2026

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dümpelt die SPD bei mageren 5 bis 7 Prozent und kämpft um ihr politisches Überleben....