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Europa erlebte den kältesten April seit 2003

Der zurückliegende April war in ganz Europa der kühlste April seit 2003. Glaubt man den Weinbauern, ist auch der Mai bislang auffallend kalt.
07.05.2021 09:00
Aktualisiert: 07.05.2021 09:45
Lesezeit: 2 min
Europa erlebte den kältesten April seit 2003
Ein Obstbauer betrachtet Anfang April die aus Frostschutzgründen mit Wasser besprühten blühende Knospen und Blüten in einer Apfelplantage in den Schweizer Alpen. Da für die Saison ungewöhnlich niedrige Temperaturen vorhergesagt sind, versuchen Obstbauern, ihre Knospen mit verschiedenen Mitteln vor Frostschäden zu schützen. (Foto: dpa) Foto: Jean-Christophe Bott

Der vergangene Monat war in Europa der kälteste April seit 2003. Das meldete der europäische Wetterdienst Copernicus am Donnerstag. So lag die Durchschnittstemperatur um 0,9 Grad niedriger als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Zwischen verschiedenen Ländern des Kontinents gab es den Angaben zufolge jedoch deutliche Unterschiede. Besonders von einem Kälteeinbruch betroffen war demnach Frankreich, hier kam es zu erheblichen Frostschäden bei Wein und Obstbäumen.

Auch in Deutschland war der vergangene Monat besonders kühl, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits vor einigen Tagen meldete. Demnach war es hierzulande sogar der kälteste April seit 40 Jahren. Die vorläufige Bilanz der Meteorologen: Der Temperaturdurchschnitt des als launenhaft geltenden Monats lag in diesem Jahr bei 6,1 Grad und damit um 1,3 Grad unter dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 lag die Abweichung sogar bei minus 2,9 Grad.

Im Gegensatz dazu gehöre der April weltweit gesehen zu den wärmeren, meldete der Copernicus-Dienst. Überdurchschnittliche Temperaturen hätten in diesem April vor allem im Nordosten Kanadas, im Nordwesten Russlands und im Nahen Osten geherrscht. Im Vergleich zu den Jahren von 1991 bis 2020 lag die weltweite Temperatur 0,2 Grad über dem Mittelwert.

Weinbauern beklagen Frostschäden in Franken, Württemberg und Baden

Nach einem ungewöhnlich kühlen April sind die Weinreben in ihrer Entwicklung etwa drei Wochen später dran als im vergangenen Jahr. „Die Tendenz zu einer immer früheren Rebblüte und Weinlese wird sich in diesem Jahr nicht fortsetzen“, sagte Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. In den sechs Anbaugebieten von Rheinland-Pfalz blieben die meisten Winzer aber von Frostschäden verschont - im Unterschied zu einigen Kollegen in Franken, Württemberg oder Baden.

„In der ersten Maiwoche mit Nachttemperaturen zwischen null und fünf Grad sind wir im Vergleich zum langjährigen Mittel drei vier Tage hinten dran“, sagt Ingo Steitz, der Präsident des größten deutschen Anbaugebiets Rheinhessen. „Meine langjährige Erfahrung ist, dass die Natur manches ausgleichen kann - aber diesmal wird es schwer sein, das wieder aufzuholen.“

Ein Jahrgang wie 2018 sei daher in diesem Jahr nicht zu erwarten, sagt Steitz. Bei Weißweinen könne dies aber auch günstig sein, um beim 2021er die gewünschte Stilistik von leichten Weinen mit feiner Raffinesse und einem vom Boden geprägten Aroma zu erreichen.

Nach dem späten Austrieb erwarten viele Winzer, dass sich die Rebblüte bis etwa Mitte Juni verzögern könnte. Die Rebblüte beeinflusst direkt den Zeitpunkt der Weinlese - die Trauben sind ungefähr 100 Tage nach der Blüte reif.

Im vergangenen Jahr trieben die Reben bereits Mitte April aus. Damals erlebten einige Winzer in der Pfalz zum ersten Mal, dass die Reben vor den Kastanien zu blühen begannen. „In diesem Jahr sind wir wieder eher im langjährigen Mittel“, sagte der Geschäftsführer der genossenschaftlichen Weingebiet Manufaktur in Neustadt an der Weinstraße, Bastian Klohr.

Dank des späten Austriebs konnten aber auch die in südlichen Anbaugebieten oder auch in Frankreich aufgetretenen Frostschäden vermieden werden. „Wir sind in Rheinland-Pfalz mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Schulz. Im südlichen Baden seien zahlreiche Weinberge geschädigt worden, bis zu einem Viertel der Flächen.

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