Finanzen

Die Fed entzieht dem Markt über „Reverse Repos“ Liquidität in Höhe von 351 Milliarden US-Dollar

Erstmals verlangen die Banken an der Wall Street, dass die US-Notenbank Fed ihr Programm der Quantitativen Lockerung zurückfährt. Die Fed ist dazu übergegangen, dem Markt Liquidität in Milliarden-Summen zu entziehen.
26.05.2021 16:18
Lesezeit: 2 min

Im Herbst 2019, als der Repo-Markt ausfiel, trat die Fed ein und kaufte Treasury-Wertpapiere und hypothekenbesicherte Wertpapier und verteilte Bargeld über Pensionsgeschäfte. Als diese Repos fällig wurden, bekam die Fed ihr Geld zurück und die Gegenparteien bekamen ihre Wertpapiere zurück. Die Fed tat dies auch während des Marktverlaufs im März 2020. Bis Juli 2020 waren die letzten Repos jedoch fällig und wurden abgewickelt.

Jetzt macht die Fed das Gegenteil mit „Reverse Repos“. Repos sind Vermögenswerte in der Bilanz der Fed. „Reverse Repos“ sind Verbindlichkeiten. Mit diesem „Reverse Repos“ wird die Fed nun massiv Staatsanleihen an Kontrahenten verkaufen, um ihr Bargeld zu akkumulieren. Das führt dazu, dass dem Markt Liquidität entzogen wird, was die entgegengesetzte Wirkung der Quantitativen Lockerung (QE) bewirkt.

Am Morgen des 20. Mai 2021 hat die Fed Treasury-Wertpapiere im Wert von 351 Milliarden US-Dollar über „Nacht-Reverse-Repos“ an 48 Gegenparteien verkauft. Diese „Reverse-Repos“ sind ein Zeichen dafür, dass das Bankensystem Schwierigkeiten hat, mit der Liquidität umzugehen, die die Fed über ihr QE-Programm bereitgestellt hat. Und das ist zum Teil der Grund, warum die Fed jetzt an der Wall Street nach einer Einschränkung ihrer QE-Käufe verlangt, weil das Bankensystem jetzt in Liquidität versinkt. Durch den Kauf von Staatsanleihen auf dem Repo-Markt senken die Banken ihre Reserven und erhöhen ihre Bestände an Staatsanleihen, führt der Analyse Wolf Richter auf der Finanzwebseite „Wolf Street“ aus.

Mit einer Hand kauft die Fed im Rahmen der QE monatlich 120 Milliarden US-Dollar an Treasruy-Wertpapieren und hypothekenbesicherten Wertpapieren. Auf der anderen Seite nahm die Fed über Nacht „Reverse-Repos“ im Volumen von 351 Milliarden US-Dollar zurück und machte damit fast drei Monate QE rückgängig.

Es ist die Art von verrückter Situation, in die man gerät, wenn man etwas auf die Spitze treibt, wie es die Fed bei ihren Anlagenkäufen getan hat. Nun entstehen alle Arten von Nebenwirkungen.

Die Fed hat sich während des letzten Treffens des Federal Open Market Committee (FOMC) mit diesen „Reverse-Repos“ und dem Berg der Reserven befasst und am 19. Mai 2021 in ihrem Protokoll eine Zusammenfassung der Diskussionen veröffentlicht. Das FOMC der Zweig der Fed, der für kurz- und langfristige, geldpolitische Maßnahmen verantwortlich ist. Reserven sind Bargeld, das die Banken bei der Fed hinterlegen und das die Fed den Banken schuldet. Sie sind eine Verbindlichkeit in der Bilanz der Fed. Die Fed zahlt Zinsen (derzeit 0,1 Prozent) für diese Reserven. Die Reserven für Einlagen bei der Fed sind jetzt auf 3,92 Billionen US-Dollar gestiegen.

In dem veröffentlichten FOMC-Sitzungsprotokoll ging die Fed auf die steigenden Reservesalden und die enorme Nachfrage nach kurzfristigen Treasury-Wertpapieren ein, die die Fed über „Reverse-Repos“ bereitstellt. Die Fed sagte in den Protokollen auch, dass „eine bescheidene Menge an Handel“ auf dem Übernacht-Reverse-Repo-Markt „zu negativen Kursen stattgefunden hat“. Mit anderen Worten: diese Teilnehmer leihen Geld zu negativen Zinssätzen von Gegenparteien, die Treasury-Wertpapiere als Sicherheit nehmen. Die Fed sagte, dass dieses Phänomen des „Reverse-Repos-Handels“ mit negativen Zinssätzen „weitgehend technische Faktoren zu reflektieren schien“.

Und die Fed kündigte in den Protokollen an, dass sie den Zinssatz für Reserven „anpassen“ – wahrscheinlich erhöhen – werde. Sie fügt hinzu, dass Reverse Repos in seiner Bilanz wahrscheinlich weiterwachsen werden. In Zeiten großer Reserven haben die Banken Reserven über Reverse-Repos abgebaut. Dies geschah jedoch zum Ende des Quartals und insbesondere zum Jahresende. Das Problem verringerte sich, nachdem die Fed während der quantitativen Straffung in den Jahren 2018 und 2019 begonnen hatte, ihre Vermögenswerte zu reduzieren. Der Anstieg, den wir jetzt sehen, findet jedoch Mitte des Quartals statt. Dies ist das erste Mal, dass Wall Street-Banken verlangen, dass die Fed die QE zurückzieht. Und anscheinend hat die Fed anhand der im Protokoll veröffentlichten Antwort herausgefunden, dass das QE-Programm auf diese Weise vorangetrieben werden kann, bevor etwas Großes mit unvorhergesehenen Konsequenzen passiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

DWN
Politik
Politik Bei Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: AfD will Hunderte Behördenstellen neu besetzen
15.05.2026

Die AfD in Sachsen-Anhalt plant für den Fall eines Wahlsiegs offenbar einen tiefgreifenden Umbau der Landesverwaltung. Hunderte Stellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
15.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Energiekosten: Energieintensive Industrie in Deutschland drosselt Produktion
15.05.2026

Steigende Energiekosten setzen Deutschlands Industrie massiv unter Druck. Besonders energieintensive Branchen verlieren Produktion und...

DWN
Politik
Politik Trump und Xi demonstrieren Einigkeit: Doch hinter den Kulissen dominieren harte Konflikte
15.05.2026

Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping dominieren höfliche Gesten und gegenseitiges Lob. Dennoch verfolgen Washington und Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen Freenet-Aktie: Mobilfunkgeschäft wächst beim MDAX-Wert trotz Gegenwind
15.05.2026

Starke Umsätze, wachsender Free Cashflow und ein boomendes IPTV-Geschäft: Die Freenet-Aktie startet dynamisch ins Jahr 2026. Vor allem...

DWN
Immobilien
Immobilien Ifo: Stimmung im Wohnungsbau bricht massiv ein
15.05.2026

Der deutsche Wohnungsbau gerät zunehmend unter Druck. Das Geschäftsklima hat sich laut Ifo-Institut so stark verschlechtert wie seit...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Großteil des Stellenabbaus entfällt auf KI
15.05.2026

Bei der Commerzbank sorgen KI, Stellenabbau und der Übernahmekampf mit der Unicredit für neue Spannungen. Während die Bank ihre...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warnstreik im Einzelhandel trifft Rewe, Kaufland und Ikea: Drohen Lieferengpässe?
15.05.2026

Mit dem Kaufland-Streik und weiteren Aktionen im Handel verschärft sich der Tarifkonflikt deutlich. Beschäftigte von Rewe, Metro, Ikea...