Politik

US-Regierung warnt arabische Staaten vor Annäherung an Syrien

Seit einigen Monaten gibt es Anzeichen für eine Normalisierung in den Beziehungen bedeutender arabischer Länder zu Syrien. Die US-Regierung konnte eine weitreichende Annäherung jedoch bislang verhindern.
01.07.2021 10:00
Lesezeit: 2 min
US-Regierung warnt arabische Staaten vor Annäherung an Syrien
Ein Syrer hält ein Bild des syrischen Präsidenten al-Assad aus einem Fahrzeug, während er und weitere Wähler sich auf den Weg machen, um ihre Stimmen bei der ersten Phase der syrischen Präsidentschaftswahlen in der syrischen Botschaft abzugeben. (Foto: dpa) Foto: Marwan Naamani

Es gibt Anzeichen dafür, dass bedeutende Staaten im Nahen Osten ihre Beziehungen zur Syrischen Republik normalisieren wollen - allen voran Saudi-Arabien. Die Regierung in Riad schickte vor einigen Wochen den Chef des Geheimdienstes nach Damaskus, um Gespräche zu führen, über deren Inhalt wenig bekannt ist. Auch Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen an einer Annäherung an Syrien interessiert sein.

Wie The Middle East Eye berichtet, forderten die Vereinigten Arabischen Emirate im März die Rückkehr Syriens in die Arabische Liga - ebenso wie der Irak dies im Januar des laufenden Jahres getan hatte. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain eröffneten Ende 2018 ihre Botschaft in Damaskus wieder. Zu den weiteren Ländern, die der syrischen Regierung von Baschar al Assad freundlich gegenüberstehen gehören der Libanon und Algerien.

Die Annäherungspolitik Ägyptens und der Vereinigten Emirate wird von dem Widerstand beider Länder gegen die Muslimbruderschaft angetrieben. Diese wurde in Ägypten 2013 durch einen Militärputsch von der Macht vertrieben, verfügt aber in Form der in Nordsyrien herrschenden - von der Türkei unterstützten - Söldnern über einen Einfluss in der Region.

Zudem wollen Ägypten und die Emirate sowie weitere arabische Staaten wie Saudi-Arabien die Expansion des türkischen Einflusses im Nahen Osten (Kriegspartei in Syrien, Kriegspartei in Libyen, Unterstützung Katars etc.) bremsen.

Syrien wurde 2011 von einer Mehrheit der 22 Mitgliedsländer aus der Arabischen Liga ausgeschlossen, nachdem die Regierung Assad breite und vom Ausland unterstützte Proteste im Land mit Gewalt eindämmte. Seit 2013 nimmt eine oppositionelle Gruppierung die Funktion der legitimen syrischen Regierung bei der Liga ein. Da die syrische Regierung jedoch mithilfe Russlands und des Iran große Teile des von internationalen Milizen und Islamisten besetzten Landes in den vergangenen Jahren zurückerobern konnte, beginnen die arabischen Staaten nun verstärkt, den politischen Status Quo zu akzeptieren und eine Annäherung zum Vorteil beider Seiten zu suchen.

Wie steht Biden zum Caesar Act?

Die Frage, welche sich für die Befürworter einer Annäherung stellt, ist das Verhältnis der Biden-Administration zum sogenannten Caesar Act der Trump-Vorgängerregierung. Dieses Gestz regelt die weitreichenden ökonomischen und politischen Sanktionen der USA gegen Syrien, um das Land und besonders die Regierung Assad im Zuge von Hungersnöten und sozialen Unruhen in die Knie zu zwingen. Flankiert werden die Wirtschaftssanktionen, welche die derzeit in Syrien herrschende Hungersnot zumindest erleichterten, von der Besetzung der wichtigsten Ölquellen des Landes durch die US-Armee.

Im März forderte Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan, Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate, bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow eine „gemeinsame Aktion“ mit Syriens Regierung und der Privatwirtschaft sowie die Rückkehr von Damaskus in die Arabische Liga, um dem Land dabei zu helfen, „zur Normalität zurückzukehren.“ Die Sanktionen der USA gegen das Land machten „die Sache schwierig. Wir haben unsere Meinung den USA offen mitgeteilt“, so Al Nahyan.

US-Beamter warnt

Joe Hood, ein Berater im US-Außenministerium für nahöstliche Fragen, sagte am vergangenen Freitag, die Sanktionen würden erst dann gelockert, wenn Damaskus sein „Verhalten ändere.“ Hood weiter: „Und ich würde selbstverständlich hinzufügen, dass wir die Caesar-Sanktionen haben. (...) Deshalb müssen andere Regierungen und Unternehmen vorsichtig sein, dass die geplanten oder vorgeschlagenen Transaktionen (mit Syrien - die Red.) diese nicht zum Ziel potenzieller US-Sanktionen unter dem Caesar Act machen“, wird Hood von Middle East Eye zitiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...

DWN
Immobilien
Immobilien Hitzeschutz: So bewahren Sie auch ohne Klimaanlage einen kühlen Kopf 
03.10.2026

Deutschland hat einen der heißesten Sommer hinter sich - und es wird nicht der letzte gewesen sein. Um sich in Gegenwart und Zukunft gegen...