Deutschland

Globale Konflikte gefährden Geschäftsmodell des deutschen Maschinenbaus

Viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer werden noch dieses Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Sie sorgen sich jedoch im Hinblick auf eine Reihe von globalen Konflikten.
26.10.2021 16:05
Aktualisiert: 26.10.2021 16:05
Lesezeit: 2 min

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer bekommen verstärkt die globalen Materialengpässe und Lieferschwierigkeiten zu spüren. Diese Probleme bei einigen Vorprodukten dürften sich noch längere Zeit bemerkbar machen, sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Karl Haeusgen, am Dienstag beim 12. Deutschen Maschinenbau-Gipfel in Berlin. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt und es gebe keine Stornierungen. Deshalb dürften sich die Umsätze nur etwas verzögern.

"Viele Maschinenbauer werden bereits in diesem Jahr das Umsatzniveau von 2019 wieder erreichen", zeigte sich Haeusgen zuversichtlich und bekräftigte die VDMA-Prognose von zehn Prozent mehr Produktion für 2021. Ohne Materialengpässe wäre sogar ein Wachstum von zwölf bis 13 Prozent möglich gewesen.

Für 2022 rechnen die VDMA-Volkswirte unverändert mit einem Produktionsplus von real fünf Prozent. "Aber die ungewisse Lage in den Lieferketten beschäftigt auch uns zunehmend", räumte der Verbands-Präsident ein. Sorgen bereitet der Branche, die im Schnitt vier von fünf Maschinen ins Ausland verkauft, auch die Konfrontation zwischen den beiden weltweit größten Volkswirtschaften USA und China. Dieser Konflikt sei mittelfristig eines der ganz großen Risiken für das Geschäftsmodell des Maschinenbaus, sagte Haeusgen.

Denn laut einer VDMA-Umfrage bezieht fast die Hälfte der Betriebe Komponenten aus China oder den USA, die für die eigene Produktion kritisch sind. Dabei handelt es sich vor allem um elektronische Komponenten und Bauteile, aber auch um Rohmaterialien wie Stahl und Gussteile sowie andere Vorprodukte.

"Hier besteht das Risiko, von China oder den USA im Fall von Handelsstreitigkeiten unter Druck gesetzt zu werden", warnte Haeusgen. Fast jedes dritte Unternehmen will deshalb mehr in USA oder China investieren, um dort Montage oder Produktion zu errichten oder auszubauen. Jede sechste Firma will der Umfrage zufolge verstärkt Produkte je für den US- und den chinesischen Markt entwickeln. Gut ein Drittel der Betriebe will mehr auf Zulieferer aus anderen Ländern setzen, um möglichen Sanktionen seitens USA oder China zu entgehen.

Die Maschinen- und Anlagenbauer sehen sich gut gewappnet, um im Kampf gegen die globale Erderwärmung eine Schlüsselrolle zu spielen. "Wir können von der Erzeugung erneuerbarer Energien über die Errichtung von Verteilernetzen bis hin zur Speicherung von Energie und Wiederverwertung von Stoffen die benötigten Anlagen liefern", betonte Haeusgen. Gleichzeitig müsse die Politik Änderungen für mehr Klimaschutz durchsetzen.

Der Lobby-Chef forderte nicht weniger als eine "Revolution", damit Planungs- und Genehmigungsverfahren drastisch einfacher und kürzer werden sollten. Dies müssten SPD, Grüne und FDP in der absehbaren Regierungskoalition angehen. "Denn wir werden keines der wichtigen Klima- oder Digitalisierungsziele erreichen, wenn die bestehenden bürokratischen Hürden bleiben."

Die Branche, zu der neben zahlreichen Mittelständlern auch börsennotierte Konzerne wie Thyssenkrupp, Siemens oder Gea gehören, gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Im Rezessionsjahr 2020 ging die Beschäftigung um rund 44.000 auf gut eine Million zurück. Der VDMA-Chef geht davon aus, dass die Lage im laufenden Jahr stabil bleiben und es 2022 hier wieder leicht bergauf gehen dürfte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Ölpreis steigt nach erneuten Feindseligkeiten zwischen USA und Iran
31.08.2026

Geopolitische Spannungen und Zinsängste rütteln die Märkte auf – welche Aktien jetzt dennoch zulegen können.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Google-Suche: EU zwingt den Tech-Giganten Alphabet zum Kurswechsel
31.08.2026

Google lockert in Europa eine umstrittene Regel, die Medien mit kommerziellen Partnerinhalten in der Suche empfindlich treffen konnte. Der...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt: AfD vor Wahlsieg – welche Regierung ist möglich?
31.08.2026

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt klar vorn, ihr Spitzenkandidat mobilisiert Tausende und setzt auf Emotionen. Während die CDU um Anschluss...

DWN
Technologie
Technologie Hohe Preise, große Hoffnungen: Wie Foldables Smartphone-Innovationen prägen
31.08.2026

Der Smartphone-Markt sucht seit Jahren nach dem nächsten großen Sprung. Samsung glaubt, ihn in faltbaren Geräten und KI gefunden zu...

DWN
Politik
Politik Krankschreibung ab Tag eins: Kippt die geplante Attestpflicht der Koalition?
31.08.2026

Attest ab Tag eins und das mögliche Aus für die telefonische Krankschreibung: Damit will die Bundesregierung den "hohen Krankenstand" der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbraucherpreise: Inflation steigt auf 2,9 Prozent – Energie wird zum Preistreiber
31.08.2026

Tanken, Heizen und Einkaufen könnten für Verbraucher weiter teuer bleiben. Während Energie die Inflation antreibt, geraten Kaufkraft,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heckler & Koch erzielt Rekordgewinn und rüstet Produktion auf
31.08.2026

Vor zehn Jahren stand Heckler & Koch am finanziellen Abgrund, heute meldet der Waffenhersteller Rekordzahlen. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
31.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...