Wirtschaft

Anpassung an Krise: Deutsche Firmen verlagern öfter die Produktion

Überraschend viele deutsche Firmen verlagern derzeit ihre Produktion. So reagieren sie im Auslandsgeschäft auf die anhaltende Corona-Krise.
04.11.2021 11:24
Aktualisiert: 04.11.2021 11:24
Lesezeit: 2 min

Die deutschen Unternehmen schätzen ihr Auslandsgeschäft einer DIHK-Umfrage zufolge optimistischer ein als noch im Frühjahr. Allerdings werde das Umfeld ungemütlicher, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Donnerstag in Berlin mit. Vor allem in den USA und China - den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt - trüben sich die Aussichten ein. Und die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten sind für die Hälfte der Betriebe ein echtes Problem.

Der DIHK hat in seiner Herbst-Umfrage Antworten von über 3200 im Ausland vertretenen deutschen Konzernen ausgewertet. 52 Prozent der Firmen bezeichnen ihre aktuelle Lage als gut, nur elf Prozent als schlecht. Damit hat sich das Bild seit dem Frühjahr aufgehellt. Bei den Erwartungen an die nächsten zwölf Monate sind die Unternehmen auch optimistischer: Über alle Weltregionen hinweg rechnen 56 Prozent mit besseren Geschäften, nur sechs Prozent mit einer Verschlechterung.

Deutsche Firmen verlagern öfter die Produktion

Immer mehr deutsche Unternehmen planen einer DIHK-Umfrage zufolge bei ihren ausländischen Aktivitäten Produktionsverlagerungen. Das sei eine direkte Folge der Lieferkettenprobleme in der Coronavirus-Krise, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag. "Die Unternehmen suchen nach Lieferanten." Konkret planen 32 Prozent Veränderungen bei den Lieferwegen. 15 Prozent wollen ihre Produktion sogar verlagern. "Das sind schon ganz konkrete Pläne." Zum Teil sei dies bereits auf den Weg gebracht. Die Zahl sei überraschend hoch im Vergleich mit den vergangenen Jahren.

Gründe für Produktionsverlagerungen könnten auch lokale Vorschriften oder eine gewünschte Nähe zu wichtigen Rohstoffen sein, ergänzte Treier. Mittel- und Osteuropa seien die Profiteure davon. Hierhin würden viele Aktivitäten verlagert. Allerdings gebe es in der Region einen hohen Fachkräftemangel, was den Trend zumindest bremse.

Der DIHK hat in seiner Herbst-Umfrage Antworten von über 3200 im Ausland vertretenen deutschen Konzernen ausgewertet. Die Corona-Pandemie trifft weiterhin viele Betriebe. Direkte Auswirkungen gibt es für 65 (Frühjahr 72) Prozent durch Reiseeinschränkungen. Wichtiger geworden sind Probleme in den Lieferketten und der Logistik. Dies nennen 54 (Frühjahr 40) Prozent als direkte Auswirkung. Dadurch werde der Kostendruck auf die Unternehmen höher, sagte Treier. "Geben sie diese Kosten an ihre Kunden weiter, steigt die Inflation." Hier schaue die Wirtschaft genau auf die Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP. Die Frage laute, ob es über das Lieferkettengesetz hinaus weitere Auflagen geben werde.

50 Prozent der Unternehmen nennen die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko für die Weltwirtschaft in den nächsten zwölf Monaten. Im Frühjahr waren das 27 Prozent. Nicht ganz so häufig werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie Steuern oder Zölle genannt, auch der Fachkräftemangel spielt bei den Risikofaktoren eine Rolle im Ausland.

USA und China ziehen nicht mehr ganz so stark

Deutlich pessimistischer werden die Konjunkturperspektiven in den USA und China eingeschätzt. "Während im Frühjahr noch 70 Prozent der deutschen Unternehmen in China von einem positiven Konjunkturtrend vor Ort ausgingen, sind es aktuell nur noch 36 Prozent. In den USA sinkt dieser Wert von 74 auf 50 Prozent", so der DIHK. Die Luft werde dünner, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Für den wirtschaftlichen Aufholprozess nach der Corona-Krise sind das keine guten Vorzeichen."

Insgesamt rechnet der DIHK im nächsten Jahr mit einem Exportplus der deutschen Unternehmen von 7,0 Prozent. China und die USA dürften dabei nur jeweils ein Plus von etwa fünf Prozent beisteuern, die EU überdurchschnittlich abschneiden. In diesem Jahr dürften die Ausfuhren insgesamt um 7,5 Prozent steigen, nachdem sie im Corona-Jahr 2020 noch um mehr als neun Prozent eingebrochen waren. Der langjährige Zuwachs liegt bei etwa vier Prozent pro Jahr.

50 Prozent der Unternehmen nennen die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko für die Weltwirtschaft in den nächsten zwölf Monaten. Im Frühjahr waren das erst 27 Prozent. Nicht ganz so häufig werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie Steuern oder Zölle genannt, auch der Fachkräftemangel spielt bei den Risikofaktoren eine Rolle im Ausland.

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