Politik

Für Gott, Russland und Putin: Die Rolle der Kosaken im Ukraine-Konflikt

Seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts im Jahr 2014 spielen die Kosakenverbände eine interessante militärische und administrative Rolle. Sie sind Russlands Präsident Wladimir Putin treu ergeben.
22.01.2022 14:30
Aktualisiert: 22.01.2022 14:30
Lesezeit: 3 min

Der Abgeordnete der russischen Staatsduma, Viktor Vodolatsky, der auch der oberste Ataman (Leiter) der Union der Kosakentruppen in Russland und im Ausland ist, gab vor wenigen Jahren offen zu, dass die russischen Kosaken aktiv am ukrainischen Konflikt auf der Seite Moskaus beteiligt sind. Sie agieren aufseiten der pro-russischen Separatisten. Der Oberste Ataman behauptete damals, dass etwa 5.000 Kosaken (Bürger der Ukraine) in den Regionen Lugansk und Donezk aktiv sind. Abgesehen davon „können etwa 30.000 Kosaken aus Russland kommen“, um den Separatisten zu helfen. Vodolatsky erklärte, dass bei den Kämpfen getötete Kosaken im Donbass begraben werden, weil sie „in diesem Land ihrer Vorfahren begraben werden wollen“, so die Nachrichtenagentur „UNIAN“ in einem Sonderbericht.

Im zaristischen Russland waren die Kosaken eine besondere bäuerlich-militärische soziale Gruppe. Sie bewachten Russlands Grenzen und lieferten auf Befehl des Zaren Arbeitskräfte für verschiedene Kriege. Die Kosaken dienten auch als Leibwächter des Zaren. Als Ausgleich genossen die Kosaken eine bedeutende soziale Autonomie, besaßen große Teile fruchtbaren Landes und genossen Steuerbefreiung.

Während der Sowjetära waren die Kosakenorganisationen verboten. Doch nach Beginn der Perestroika organisierten sie sich erneut. 1990 wurde die „Union der Kosaken Russlands“ gegründet. Und ein Jahr später wurde die „Union der Kosaken Südrusslands“ gegründet, um die Donkosaken zu vereinen, darunter die Kosaken aus dem Gebiet Rostow in Russland und die Kosaken aus den Gebieten Donezk und Lugansk in der Ukraine. Im Jahr 2000 wurde die gesellschaftspolitische „Bewegung Kosaken Russlands“ gegründet, so die „Jamestown Foundation“.

Die Kosakengruppen glauben, dass die Ideologie des heutigen Russlands der Ideologie des zaristischen Russlands nachempfunden sein sollte. „Ideologie und Nationalismus sollten immer den Staat ausmachen“, sagte Kosakenführer Vodolatsky am 8. November 2013 gegenüber der Zeitschrift „Odnako“. „Vor 1917 hatte Russland eine mächtige spirituell-patriotische und orthodoxe Ideologie und das Russische Reich wurde darauf aufgebaut (…) Später wurde all das zerstört, aber nach 1917 haben wir die neue Erziehungsideologie aufgebaut – die Kleinen Oktobristen, die Jungen Pioniere, den Komsomol und die Partei. Die Sowjetunion hatte große Errungenschaften. Aber das war eine neue Ideologie ohne jahrhundertelange Grundlage, und 1992 wurde sie schnell zerstört“, fügte er hinzu.

Der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eingeläutete Liberalismus habe dem russischen Staat nichts Wertvolles gebracht. Er diene nur der Aufteilung des Volksvermögens, vergesse aber den Einzelnen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion beteiligten sich Kosaken aktiv an den militärischen Auseinandersetzungen in Transnistrien (1992) und in Abchasien (1993). Sie haben immer erklärt, dass sie an diesen Kriegen teilgenommen haben, um (ethnische) Russen zu verteidigen. Gleichzeitig hatten sie alle eine ziemlich negative Einstellung gegenüber dem damaligen Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, als dem „Verräter der Russen, der sie an den Westen verkaufte“.

Im Jahr 2013 erlaubte der Präsidialrat für Kosakenangelegenheiten Kosakenpatrouillen auf vertraglicher Basis, neben der Polizei die öffentliche Sicherheit zu schützen. Kosaken halfen der Polizei im Jahr 2014 während der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Sie patrouillierten Seite an Seite mit den russischen Beamten. Im März 2014 dankte der erste Vize-Innenminister Alexander Gorovoi den Kuban-Kosaken für ihren Dienst bei den Olympischen Spielen in Sotschi und überreichte ihnen besondere Medaillen für die Unterstützung des Innenministeriums Russlands.

Darüber hinaus gingen zum Zeitpunkt der Einverleibung der Halbinsel durch Russland etwa 1.000 Kosaken auf die Krim, und 18 von ihnen erhielten Auszeichnungen vom russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Schutz der öffentlichen Sicherheit zum Zeitpunkt des Referendums. Der Oberste Ataman Vodolatsky erklärte die ukrainischen Oblaste Lugansk und Donezk zum „historischen Territorium der Großen Militärmacht von Don, das 1922 vom Rat der Volkskommissare illegal annektiert und der Ukraine angeschlossen wurde“.

„Auf der pro-russischen Seite haben irreguläre Kosakenformationen – wie die von Mykola Kozitsyn geführte – gegen ukrainische Streitkräfte gekämpft. Kozitsyn ist eine der Personen, die von den USA und anderen Ländern unter anderem wegen seiner Beteiligung am Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 sanktioniert wurden (…) Auch auf ukrainischer Seite gibt es Kosaken, die gegen den Separatismus kämpfen. Pro-ukrainische Kosaken bezeichnen sich selbst als Verteidiger des Volkes und als Avantgarde des Volkswiderstands gegen ausländische Provokateure“, berichtet „Ponars Eurasia“. Doch der Großteil der Kosaken bekennt sich zu Russland.

Angesichts der Spannungen in der Ukraine sollte der militärische Faktor der Kosaken nicht unterschätzt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Azubis gesucht? Welche Benefits für Auszubildende attraktiv sind
26.04.2026

Der Ausbildungsmarkt steht unter erheblichem Druck: Fast jeder zweite Betrieb konnte letztes Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Europas Strategie zunehmend zerfällt
26.04.2026

Die Energiepreise steigen weiter und Europas Regierungen reagieren mit Milliardenhilfen, Steuererleichterungen und Notmaßnahmen. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Leben nach Tschernobyl: Schicksal eines Liquidators zwischen Atomkatastrophe und Krieg in Kiew
26.04.2026

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kämpft ein ehemaliger Liquidator noch immer mit den Folgen. Inmitten...

DWN
Finanzen
Finanzen Kevin Warsh vor Fed-Spitze: Politischer Druck auf die US-Notenbank wächst
26.04.2026

Die Entscheidung über die künftige Führung der US-Notenbank rückt näher und bringt politische Spannungen rund um den Fed-Vorsitz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues EU-Grenzsystem EES belastet Flughäfen: Branche warnt vor Verzögerungen
26.04.2026

Das neue EU-Grenzsystem EES sorgt an europäischen Flughäfen für wachsende Unsicherheit im Reiseverkehr und stellt Abläufe zunehmend auf...

DWN
Technologie
Technologie Telekom testet Quantentechnologie: Glasfasernetz in Berlin im Praxiseinsatz
25.04.2026

Ein Berliner Experiment bringt Quanten-Teleportation erstmals über ein Telekom-Glasfasernetz in eine reale Infrastruktur und markiert...

DWN
Politik
Politik Energieanalyst Demostenes Flores: Europa wird beim Iran-Krieg den Preis zahlen
25.04.2026

„Wir befinden uns in einer Art drittem Weltkrieg in Etappen“, warnt der Energieanalyst Demostenes Floros über den aktuellen Konflikt...

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...