Finanzen

Die Hyperinflation wird in den USA zur neuen Normalität

Namhafte Personen haben gleich zu Beginn der Corona-Krise gesagt, dass es kein Zurück in die alte Normalität geben wird. Das Wort „Hyperinflation“ ist zugeschnitten auf die neue Normalität, die in den USA beginnen wird, um auf die Welt überzugreifen.
04.02.2022 13:00
Lesezeit: 2 min
Die Hyperinflation wird in den USA zur neuen Normalität
Mehrere US-amerikanische Geldscheine mit der Aufschrift „One Dollar“, aufgenommen am 14.07.2011 in Dresden (Sachsen). (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Hyperinflation ist ein Begriff, den Ökonomen verwenden, um eine Zeit extrem hoher Inflation zu beschreiben, die die Rate steigender Preise für Waren und Dienstleistungen misst. Typischerweise muss eine Volkswirtschaft mindestens einen Monat lang eine Inflationsrate von mehr als 50 Prozent verzeichnen, bevor Ökonomen das Etikett Hyperinflation verwenden.

Leider wird die Inflationsrate aufgrund der aktuellen Fiskalpolitik und der bisherigen Geldpolitik wahrscheinlich weiter steigen. Die Geldpolitik in den USA fällt unter die Hoheit der US-Notenbank Fed. Laut der Website der US-Notenbank „umfasst die Geldpolitik in den USA die Maßnahmen und Mitteilungen der Fed zur Förderung maximaler Beschäftigung, stabiler Preise und moderater langfristiger Zinssätze.“

Aufgrund ihrer jüngsten Maßnahmen hat die Fed in allen drei Bereichen versagt. Im Jahr 2008 belief sich das Vermögen der Fed auf weniger als eine Billion US-Dollar. Bis 2019 war es auf etwa vier Billionen Dollar gestiegen. Bis November 2021 ist es auf fast neun Billionen Dollar angewachsen. Zweitens ist auch die Geldmenge der Fed, bekannt als M2, in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen.

Im Jahr 2008 belief sich die US-Geldmenge auf 7,5 Billionen Dollar. Bis 2019 hat sie sich mehr als verdoppelt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist sie auf 21 Billionen Dollar gestiegen. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat die Fed Billionen von Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt. Während dieser Zeit hat sie auch die extrem niedrigen Zinssätze beibehalten, was zu enormen Verzerrungen in der Wirtschaft geführt hat.

Dadurch sind auch bei Immobilien und Aktien gigantische Vermögensblasen entstanden. Weil die Zinsen seit Jahren nahe null liegen, wendet sich, wer eine ordentliche Rendite sucht, statt Sparkonten oder Einlagenzertifikaten dem Aktienmarkt zu, der auf Allzeithochs notiert.

Kurzum: Die Fed hat in den vergangenen zehn Jahren ein inflationäres Umfeld geschaffen, indem sie Billionen von Dollar gedruckt und damit die Geldmenge erhöht hat, während sie sich weigerte, die Zinssätze zu erhöhen. Die Geldpolitik der Fed hat die Voraussetzungen für eine zügellose, langfristige Inflation geschaffen. Denn je mehr Dollar-Scheine gedruckt werden, desto geringer ist der Wert des Dollars.

Doch auch die Fiskalpolitik spielte eine Rolle bei der Anheizung der Inflation. Im Allgemeinen bezieht sich Fiskalpolitik darauf, wie Regierungen Ausgaben und Steuern einsetzen, um die Wirtschaft insgesamt zu beeinflussen, führt Chris Talgo in einem Beitrag der Zeitung „The Hill“ aus.

Seit Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020 hat die US-Regierung alle Spuren einer vernünftigen Finanzpolitik aufgegeben. Bis heute hat sie fast fünf Billionen US-Dollar für Corona-Hilfsmaßnahmen bereitgestellt. Dazu gehört eine Fülle von Geldgeschenken, wie z. B. mehrere Runden von Stimulus-Checks, verbessertes Arbeitslosengeld und mehr Lebensmittelmarken.

Darüber hinaus hat die US-Regierung kürzlich ein Infrastrukturgesetz in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar verabschiedet und wird weitere fiskalpolitische Pakete umsetzen.

Nicht zu übersehen ist, dass die US-Regierung auch entschlossen ist, riesige neue Steuererhöhungen im Rahmen ihres „Build Back Better-Gesetzes“ umzusetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regierung die Keystone XL-Pipeline beendet und alle neuen Öl- und Gaspachtverträge „auf Bundesland“ gestoppt hat, was die Energiekosten in die Höhe schnellen ließ. Da Energie eine Schlüsselkomponente bei fast allen wirtschaftlichen Aktivitäten ist, erhöht die Energiepolitik der US-Regierung den Inflationsdruck.

Die US-Wirtschaft befindet sich in einer prekären Lage. Aufgrund der jahrzehntelangen Gelddruckerei der Fed ist die Wirtschaft mit sehr viel Geld überschwemmt. Obwohl ein Großteil dieses Geldes in Immobilien und den Aktienmarkt umgeleitet wurde, hat dies gefährliche Blasen geschaffen, die in naher Zukunft platzen könnten, so Talgo.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...

DWN
Technologie
Technologie Der größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte begann mit einem gefälschten Vorstellungsgespräch
06.11.2026

Ein vermeintliches Vorstellungsgespräch, manipulierte Software und ein internes KI-System wurden der Kryptobörse Binance zum Verhängnis....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf von Tech-Aktien: Südkoreas Börse bricht ein
06.11.2026

Der Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA belastet auch die Börsen in Asien. Besonders betroffen ist der südkoreanische Aktienmarkt. In...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 50: Die Woche im Rückblick – KW 45
06.11.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lufthansa in der Krise: Billigflieger sollen Gewinne retten
06.11.2026

Steigende Treibstoffpreise, hohe Betriebskosten und die Folgen vergangener Streiks setzen Lufthansa zunehmend unter Druck. Trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nationale Reserven: Goldkäufe der Notenbanken steigen deutlich
06.11.2026

Notenbanken haben ihre Goldkäufe im dritten Quartal deutlich ausgeweitet, während Anleger weniger Barren und Münzen kauften. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen E-Rechnung ab 2027: Wie KMU die Umstellung wirtschaftlich gestalten
06.11.2026

Die E-Rechnung wird für noch mehr Unternehmen Pflicht – doch wo lässt sich sparen? Christian Mehrtens, Geschäftsführer von Sage...

DWN
Finanzen
Finanzen Ist das das Geräusch einer platzenden KI-Blase?
06.11.2026

Die größten Technologiekonzerne investieren immer höhere Summen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Doch Anleger beginnen, die...