Politik

Bericht: Ukraine schießt fünf russische Flugzeuge ab

Nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform wurden fünf Flugzeuge der russischen Armee abgeschossen.
24.02.2022 07:51
Aktualisiert: 24.02.2022 07:51
Lesezeit: 3 min
Bericht: Ukraine schießt fünf russische Flugzeuge ab
In der Ukraine ist ein Krieg ausgebrochen. (Foto: dpa) Foto: Efrem Lukatsky

Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform meldet: Die Streitkräfte der Ukraine haben in der Region Donbass fünf Flugzeuge und einen Hubschrauber der Streitkräfte der Russischen Föderation abgeschossen. Sie verletzten die Staatsgrenze der Ukraine. „Laut vorläufigen operativen Informationen wurden in der Region Luhansk 5 russische Flugzeuge und 1 Hubschrauber abgeschossen“, heißt es. Folgen Sie der aktuellen Entwicklung zur Ukraine in unserem Ticker.

UPDATE: Russland greift die Ukraine an

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Drohung wahr gemacht und den Befehl zum Angriff auf die Ukraine erteilt. Die ukrainische Regierung und das Militär berichteten am Donnerstag von mehreren Angriffen vor allem im Norden und Nordosten des Landes. Explosionen waren in Charkiw und der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer zu hören, in Kiew heulten am Morgen die Alarmsirenen. Nach Darstellung der Grenztruppen drangen russische Panzerverbände im Osten und Nordosten in ukrainisches Gebiet ein. Angriffe gebe es auch von der annektierten Halbinsel Krim aus. Weltweit stieß das Vorgehen Russlands auf Fassungslosigkeit. Die EU kündigte ein neues und beispielloses Sanktionspaket an.

Nach ukrainischen Angaben wurden bis zum Morgen mindestens acht Menschen durch russischen Beschuss getötet. Außenminister Dmytro Kuleba sprach von einem "großangelegten Krieg gegen die Ukraine". Präsident Wolodymyr Selenskyj verhängte das Kriegsrecht. In der Hauptstadt Kiew waren nach Angaben eines Reuters-Reporters mehrere Explosionen zu hören. In der Stadt Donezk im Osten des Landes, die von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird, war laut Augenzeugen Artilleriefeuer zu hören. Pro-russische Separatisten brachten nach eigenen Angaben zwei Orte in der Region Luhansk unter ihre Kontrolle, wie die russische Nachrichtenagentur Ria berichtete. Ein zunächst vom Schwarzen Meer aus gemeldeter Angriff auf die Hafenstadt Odessa wurde vom ukrainischen Militär später dementiert.

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich kurz vor Beginn der Angriffe im Fernsehen. Er habe die Militäraktion autorisiert, Russland habe keine andere Wahl als sich zu verteidigen, sagte Putin. "Russland kann sich nicht sicher fühlen, sich entwickeln und leben mit einer konstanten Bedrohung, die von der modernen Ukraine ausgeht", sagte Putin. "Jede Verantwortung für Blutvergießen liegt bei dem regierenden Regime in der Ukraine." Das ganze Ausmaß des russischen Angriffs war zunächst nicht zu überblicken. Putin sagte aber, Ziel sei nicht, ukrainisches Territorium zu besetzen. Es gehe darum, die Menschen zu schützen. Das ukrainische Militär solle die Waffen niederlegen.

NATO - WERDEN ALLE VERBÜNDETEN SCHÜTZEN

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief Putin auf, die Angriffe einzustellen und dem Frieden eine Chance zu geben. US-Präsident Joe Biden kündigte eine "gemeinsame und entschiedene Reaktion auf die ungerechtfertigte Attacke des russischen Militärs" an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg berief ein Treffen der Verteidigungsallianz ein. "Die Nato-Verbündeten werden zusammenkommen, um die Folgen der aggressiven Handlungen Russlands zu erörtern", erklärte er in Brüssel. "Die Nato wird alles tun, was nötig ist, um alle Verbündeten zu schützen und zu verteidigen." Die Ukraine ist nicht Teil der Nato. Putin hatte von der Regierung in Kiew unter anderem gefordert, dauerhaft auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten.

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte: "Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa." Der Angriff Russlands sei ein "eklatanter Bruch des Völkerrechts" und "durch nichts zu rechtfertigen". Deutschland verurteile "diesen rücksichtslosen Akt" des russischen Präsidenten Putin auf das Schärfste. "Unsere Solidarität gilt der Ukraine und ihren Menschen." Russland müsse die Militäraktion sofort einstellen. Scholz kündigte noch für den Lauf des Tages eine enge Abstimmung mit den Partnern in der G7, der Nato und der Europäischen Union an. Außenministerin Annalena Baerbock erklärte: "Die Weltgemeinschaft wird Russland diesen Tag der Schande nicht vergessen."

US-Außenminister Antony Blinken betonte die Bedeutung des Artikel 5 im Nato-Vertrag, der Verteidigungszusage für alle Nato-Mitglieder im Falle eines Angriffs. Er und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hätten mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg gesprochen, teilt er mit. Sie hätten über zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der östlichen Grenzen der Nato gesprochen. Polen forderte die Nato auf, ihre Ost-Flanke zu verstärken. Dafür sei es jetzt Zeit, sagte ein Regierungssprecher. "Wir erwarten, dass solche Entscheidungen getroffen werden."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte in Brüssel, dass man russisches Vermögen in der EU einfrieren und russischen Banken den Zugang zu Finanzmärkten abschneiden werde. "Die EU wird das härtestes Sanktionspaket beschließen, dass sie je beschlossen hat", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Beide betonten, dass die EU zudem die Ukraine weiter unterstützen werde. "Wir stehen an der Seite der Ukraine", sagte Borrell. Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs treffen noch am Abend zu einem Sondergipfel zusammen.

ÖL UND GOLD LEGEN ZU, AKTIEN AUF TALFAHRT

An den Finanzmärkten trieb die Eskalation der Ukraine-Krise die Preise für Öl und Gold in die Höhe, die Aktienkurse fielen. Die Öl-Sorte BrentLCOc1 aus der Nordsee übersprang am Donnerstagmorgen erstmals seit siebeneinhalb Jahren die Marke von 100 Dollar. An der Frankfurter Börse brach der Deutsche Aktienindex Dax zur Eröffnung um 4,4 Prozent auf 13.988 Punkte ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit dem Börsencrash im März 2020 zu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg belastet Energiemarkt: EU reagiert mit Krisenpaket
23.04.2026

Die EU reagiert auf steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs mit einem ersten Krisenpaket und bereitet sich auf politische...

DWN
Politik
Politik Kein Öl mehr aus Kasachstan: Russland stoppt Lieferung nach Deutschland
23.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwere Ukraine-Hilfe: EU bricht Blockade und verschärft Sanktionen
23.04.2026

Nach dem Ende des wochenlangen Widerstands aus Ungarn hat die Europäische Union den Weg für ein massives Unterstützungspaket...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Konzern drosselt China-Ziele – Fokus auf Rendite statt Volumen
23.04.2026

Der Volkswagen-Konzern zieht Konsequenzen aus dem schwierigen Marktumfeld in Fernost. Angesichts eines verschärften Preiskampfes und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenmarkt in Deutschland: Ghosting bei Bewerbungen nimmt zu
23.04.2026

Bewerber erhalten einer Umfrage zufolge oft nicht einmal eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Das führt zu Frust und dazu, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektro-SUV Cupra Tavascan im Test: Viel Leistung, solide Reichweite und hoher Preis
23.04.2026

Der Cupra Tavascan positioniert sich als sportlicher Elektro-SUV mit viel Komfort und starker Reichweite. Doch trotz überzeugender Technik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Mittelstand im Stresstest: Bleiben, verlagern oder aufgeben?
23.04.2026

Während der Hemdenhersteller Eterna insolvent geht und der Stihl-Konzern Investitionen ins Ausland verlagert, wächst der Maschinenbauer...

DWN
Politik
Politik Öffentliche Investitionen: Bundestag beschließt Reform für schnellere Auftragsvergabe
23.04.2026

Der Staat ist ein zentraler Akteur bei der Vergabe von Aufträgen. Es geht um viele Milliarden bei den Sondervermögen für Infrastruktur....