Finanzen

Sanktionen schlagen fehl: Russischer Rubel verzeichnet starken Kursanstieg

Der russische Rubel ist im Verlauf der letzten Wochen stark gegenüber dem Dollar gestiegen. Er notiert nun sogar höher als vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs.
08.04.2022 13:00
Lesezeit: 2 min

--- UPDATE 13.15 Uhr ---

Die Rubel-Rally nimmt zum Wochenschluss erneut an Fahrt auf. Der Euro verbilligt sich in der Spitze um knapp drei Prozent auf 79,11 Rubel. Die russische Währung notiert damit so hoch wie seit Juli 2020 nicht mehr. Auch zum Dollar ist der Rubel weiter auf Erholungskurs. Die US-Währung fällt um 1,5 Prozent auf 74,58 Rubel.

--- ENDE UPDATE

In den Tagen nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs war der Rubel gegenüber dem Dollar stark eingebrochen. Die Sanktionen des Westens ließen die russischen Währung vorübergehend auf das Rekordtief von 121,5 Rubel pro Dollar sinken, was Erinnerungen an die russische Finanzkrise im Jahr 1998 weckte.

Doch seitdem hat sich das Blatt zugunsten Russlands gewendet. Der Rubel ist zuletzt deutlich gegenüber dem Dollar gestiegen und notiert wieder so hoch vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Am Donnerstag schloss er in Moskau bei 75,75 pro Dollar. Dies ist ein Anstieg um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Rekordtief von Anfang März.

Die Sanktionen des Westens gegen Russland haben sich weitgehend als zahnlos erwiesen, da das Ausland weiterhin russisches Öl und Erdgas importiert und damit den Rubel stützt. Auch wenn die Sanktionen gegen Russland bestehen bleiben, rechnet Bloomberg Economics damit, dass das Land in diesem Jahr fast 321 Milliarden Dollar mit Energieexporten verdienen wird - mehr als ein Drittel mehr als 2021.

Die rasche Erholung des Rubels ist ein Erfolg für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Für die Politiker ist es ein gutes PR-Instrument, wenn sie sagen, dass die Sanktionen keine Wirkung haben. Und es wird dazu beitragen, die Auswirkungen auf die Inflation zu begrenzen", zitiert Bloomberg Guillaume Tresca, Senior-Stratege für Schwellenländer bei Generali Insurance Asset Management.

Doch einige Analysten sagen, dass die jüngste Rallye des Rubels nicht nachhaltig sei. Die Handelsvolumina in der russischen Währung liegen auf dem niedrigsten Stand seit etwa einem Jahrzehnt. US-Finanzministerin Janet Yellen forderte die Abgeordneten im US-Kongress am Mittwoch auf, keine Schlüsse aus der Erholung des Rubels zu ziehen.

Als Reaktion auf die Sanktionen des Westens hat Russland eine Reihe von Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die unter anderem das Einfrieren von Vermögenswerten ausländischer Investoren und die Aufforderung an russische Unternehmen umfassen, 80 Prozent der von ihnen gehaltenen Fremdwährungen in Rubel umzutauschen.

In der postsowjetischen Geschichte Russlands ist der Rubel-Dollar-Kurs ein wichtiger Wirtschaftsindikator. Als die Hyperinflation Anfang der 1990er Jahre ausbrach, wurde der Kurs von den zahlreichen Wechselstuben übertragen. Er zeigte damals den Zusammenbruch des Rubels. Die Regierung strich drei Nullen, doch nach der Zahlungsunfähigkeit Russlands im Jahr 1998 stürzte der Rubel erneut ab.

Während der Krise 2008 verkaufte Russland Milliarden von Dollar, um die Talfahrt des Rubels zu verlangsamen und einen Ansturm auf die Banken zu vermeiden. Elvira Nabiullina, die Gouverneurin der russischen Zentralbank, beschloss 2014, dieses Risiko einzugehen, als die Sanktionen wegen der Krim-Annexion und der Einbruch des Ölpreises sie dazu veranlassten, ein System flexibler Wechselkurse zuzulassen.

Heute profitiert Russland davon, dass andere Staaten sein Öl und Gas kaufen. Auf diese Weise erhält Russland einen Leistungsbilanzüberschuss - das heißt, dass das Land mehr exportiert, als es importiert, wodurch die Währung des Landes tendenziell aufwertet. Dies ist der Hauptgrund, warum die Finanzsanktionen gegen Russland fehlgeschlagen sind.

"Ein Leistungsbilanzüberschuss sollte eigentlich eine weitere Quelle der Stabilität für den Rubel sein", sagt Brendan McKenna, ein Stratege bei Wells Fargo Securities LLC. "Wenn die Energiepreise hoch bleiben und die großen Importeure russischer Energie und Rohstoffe weiter einkaufen, sollte die Leistungsbilanz einen Überschuss aufweisen."

"Da sich die russische Wirtschaft und der Finanzsektor an ein neues Gleichgewicht aus Kapitalkontrollen, kontrollierten Preisen und wirtschaftlicher Autarkie anpassen, ist es nicht überraschend, dass sich einige der inländischen Märkte stabilisieren", sagt Elina Ribakova und Benjamin Hilgenstock, Ökonomen am Institute of International Finance.

Zudem ist es Russland vorerst gelungen, einen Zahlungsausfall abzuwenden. Am Mittwoch hat das Land erstmals Zahlungen für zwei Fremdwährungsanleihen nicht in Dollar, sondern in Rubel geleistet. Da der Westen seine Devisenreserven im Wert von rund 300 Milliarden Dollar beschlagnahmt hat, will Moskau dies auch künftig so handhaben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsindustrie wächst rasant, doch der Cashflow wird zum Problem
07.08.2026

Europas Rüstungsindustrie meldet volle Auftragsbücher und starke Nachfrage. Doch der Markt achtet zunehmend auf eine andere Frage: Wie...

DWN
Politik
Politik Europas zweiter Verfassungszusatz: Warum der Wolf zur politischen Waffe wird
07.08.2026

Womit kann man Wahlen gewinnen, wenn Migranten, Wokeness, grüner Alarmismus und Regulierung ausgeschöpft sind? Mit dem Gewehr und mit den...

DWN
Politik
Politik Corona-Pandemie: US-Ausschuss will Immunologe Fauci belangen
07.08.2026

Vergangene Woche verweigerte der frühere Corona-Berater der US-Regierung, Anthony Fauci, in einem US-Ausschuss Antworten auf Fragen zur...

DWN
Panorama
Panorama BMW-Besitzer wüten gegen Spiderman-Filmwerbung im Auto
07.08.2026

BMW steht in der Kritik, nachdem der Konzern begonnen hat, Werbung für den neuen Spider-Man-Film direkt in den Infotainmentsystemen seiner...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenverlust bei Schwälbchen-Molkerei: Milchgeschäft wird zum Problem
07.08.2026

Mehr Milch bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Die Schwälbchen Molkerei kämpft mit fallenden Preisen, schwacher Nachfrage und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exportrekord trotz Krisen: Deutschlands Wirtschaft überrascht
07.08.2026

Deutschlands Exportwirtschaft sendet ein überraschend starkes Signal: Trotz geopolitischer Konflikte, Handelsbarrieren und steigender...

DWN
Finanzen
Finanzen RWE-Aktie im Plus: Trump zahlt Milliarden für Windkraft-Aus
07.08.2026

RWE zieht bei seinen Offshore-Windprojekten in den USA einen Schlussstrich – und erhält dafür eine Milliardensumme von der...

DWN
Finanzen
Finanzen Verhandeln lernen: Warum ein Nein nicht schaden muss
07.08.2026

Verhandeln gehört zum Alltag – nicht nur beim Gehalt oder beim Autokauf. Selbst kleine Bitten und Entscheidungen können zu...