Deutschland

Sonnenblumenöl wird Mangelware bleiben

In Deutschlands Supermärkten ist Sonnenblumenöl wegen des Ukraine-Kriegs weitgehend ausverkauft. Auch Gastronomie und Lebensmittelindustrie spüren den Mangel - ein Ende ist nicht in Sicht.
17.04.2022 14:07
Aktualisiert: 17.04.2022 14:07
Lesezeit: 2 min
Sonnenblumenöl wird Mangelware bleiben
Sonnenblumenöl ist Mangelware. (Foto: dpa) Foto: epa efe Gustavo Cuevas

Für Verbraucher, Gastronomie und Lebensmittelhersteller wird Sonnenblumenöl wegen des Ukraine-Kriegs auf absehbare Zeit Mangelware bleiben. Da die Ukraine der größte Lieferant ist, erwarten Fachleute vorerst keine Verbesserung der Situation. Große Unternehmen wie McDonald's haben deswegen bereits ihre Speiseölmischung für die Zubereitung von Pommes frites geändert.

„Bei Sonnenblumenöl ist die Ukraine der wichtigste Lieferant weltweit“, sagt ein Sprecher des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrien (Ovid) in Berlin. Über die Hälfte der weltweiten Exporte von Sonnenblumenöl komme aus dem osteuropäischen Land. In der Ukraine wurde bislang demnach aus den Sonnenblumenkernen sogenanntes Rohöl hergestellt und über das Schwarze Meer verschifft, die Exporte sind wegen des Kriegs zum Erliegen gekommen. „Das wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern.“

In den Supermärkten ist Sonnenblumenöl schon seit Wochen weitgehend ausverkauft. Längst trifft der Mangel aber auch große Unternehmen. „Wir nutzen zum Frittieren unserer Pommes eine Pflanzenölmischung - unter anderem aus Sonnenblumen- und Rapsöl - wobei Sonnenblumenöl nur einen kleineren Teil ausmacht“, sagt eine Sprecherin von McDonald's Deutschland in München. „Aufgrund der aktuell eingeschränkten Verfügbarkeiten werden wir diesen geringeren Anteil von Sonnenblumenöl vorübergehend weiter reduzieren.“ Die Gäste können demnach nach wie vor Pommes „in gewohnter Qualität bei uns bekommen“.

Der Mangel an Sonnenblumenöl bedeutet also nicht, dass die Bürger auf Pommes, Bratwurst, Berliner und andere frittierte Speisen verzichten müssten. Rapsöl ist ein geeigneter Ersatz, und anders als bei Sonnenblumenöl droht auch kein Mangel.

„Beim Raps gibt es kein Problem“, sagt der Ovid-Sprecher. Denn in Deutschland, Frankreich oder Polen wird Raps demnach auf jeweils einer knappen Million Hektar angebaut. Dass auch Rapsöl derzeit in vielen Supermärkten nicht oder nur schwer zu bekommen ist, liegt laut Verband sowohl an Hamsterkäufen als auch an Logistikproblemen. So fehlen Lkw-Fahrer aus der Ukraine, von denen viele bislang für polnische Speditionen arbeiteten.

Gastronomie und Lebensmittelindustrie spüren ebenso wie die Verbraucher, dass die Kosten für Speiseöl in die Höhe schießen. „Wir sehen auf jeden Fall, dass die Preise für Speiseöle drastisch angestiegen sind“, sagt Thomas Geppert, der Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in München. „Es ist durchaus vorstellbar, dass der eine oder andere Gastronom seine Rezeptur anpasst.“

Bei vielen Lebensmitteln und in der Gastronomie sind in den kommenden Monaten weitere Preiserhöhungen absehbar. McDonald's hat den Betreibern seiner Restaurants bereits „Preisanpassungen“ für einige Gerichte auf der Speisekarte empfohlen. Und beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks heißt es: „Neben den gestiegenen Rohstoffpreisen bereiten den Bäckern bereits seit Monaten die höheren Personal- und vor allem exorbitanten Energiekosten große Sorgen.“

Rohstoffe und Material machen demnach in einer Bäckerei etwa 18 bis 25 Prozent der Kosten aus, Personal etwa 40 bis 50 Prozent. „Alle drei Kostenfaktoren - Personal, Rohstoffe, Energie - stehen derzeit massiv unter Druck und zwingen Bäckereien dazu, ihre Kalkulationen zu überprüfen beziehungsweise gegebenenfalls anzupassen.“

Für Lebensmittelhersteller bedeutet der Mangel an Sonnenblumenöl auch in anderer Hinsicht ein Problem: Die Inhaltsangaben auf der Verpackungen müssen stimmen. «Verpackungen werden oft auf Monate im Voraus produziert, so dass schnelle Anpassungen nur schwierig umsetzbar sind, zumal wir auch bei Verpackungsmaterialien Engpässe haben», sagt eine Sprecherin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. „Hier kann ein Engpass aber durch entsprechende Regelungen der Behörden verhindert werden.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Brutale Woche für Tech-Branche endet mit kurzer Verschnaufpause, doch KI-Zweifel bleiben
06.11.2026

Erfahren Sie, wie Schnäppchenjäger die Märkte kurzzeitig stabilisieren und welche unberechenbaren Risiken die Börsen weiterhin bedrohen.

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
06.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Politik
Politik Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: Union und SPD für Ilse Aigner als Bundespräsidentin
06.11.2026

Ein Versorgungsposten zwischen den Unionsparteien und der SPD? Es herrscht anscheinend Einigung zwischen Union und SPD, dass Aigner...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt West Transport: Mit 22 Lastwagen gegen die Krise der Transportbranche
06.11.2026

Die Transportbranche kämpft mit steigenden Kosten, Fahrermangel und wachsendem Wettbewerbsdruck. Doch ein kleines Familienunternehmen aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...

DWN
Politik
Politik Arbeitslosenversicherung: Milliardenloch steigt und immer mehr Arbeitslose: Kommen höhere Beiträge?
06.11.2026

Im Oktober gibt es knapp drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung gerät...

DWN
Technologie
Technologie Der größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte begann mit einem gefälschten Vorstellungsgespräch
06.11.2026

Ein vermeintliches Vorstellungsgespräch, manipulierte Software und ein internes KI-System wurden der Kryptobörse Binance zum Verhängnis....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf von Tech-Aktien: Südkoreas Börse bricht ein
06.11.2026

Der Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA belastet auch die Börsen in Asien. Besonders betroffen ist der südkoreanische Aktienmarkt. In...