Politik

Kissinger fordert Verhandlungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine

Der ehemalige US-Diplomat Henry Kissinger warnt vor einem Weltkrieg und fordert die Aufnahme ernsthafter Verhandlungen für einen Waffenstillstand.
19.12.2022 14:00
Aktualisiert: 19.12.2022 14:17
Lesezeit: 2 min

Der ehemalige US-Diplomat Henry Kissinger fordert die Aufnahme von Gesprächen für einen Waffenstillstand in der Ukraine, wie aus einem Gastbeitrag Kissingers im Magazin The Spectator mit dem Titel „Wie ein neuer Weltkrieg verhindert werden kann“ hervorgeht.

CNBC zitiert aus dem Artikel des 99-Jährigen, dass nun die Zeit für einen Verhandlungsfrieden in der Ukraine gekommen sei, um das Risiko eines weiteren verheerenden Weltkriegs zu verringern. Solche Verhandlungen sollten unter anderem die künftige Verbindung der Ukraine zur NATO festlegen - ein Zurück des Landes zu einer Neutralität zwischen den Blöcken NATO und Russland könne es nicht mehr geben.

Kissinger warnte des Weiteren vor Gedankenspielen, Russland zu schwächen oder sogar seine territoriale Verfassung zu beschädigen. Dies werde zu „Chaos“ führen. „Die Auflösung Russlands oder die Zerstörung seiner Fähigkeit für strategische Politik würde das Staatsgebiet – welches elf Zeitzonen umfasst – zu einem umkämpften Vakuum machen. Die Völker der Russischen Förderation könnten dann geneigt sein, ihre Streitigkeiten mit Gewalt zu lösen. Andere Staaten könnten ihre Ansprüche mit Gewalt durchsetzen wollen. All diese Gefahren würden von tausenden nuklearer Waffen verschlimmert werden, die Russland zu einer der beiden größten Atommächte der Welt machen“, zitiert CNBC aus dem Artikel.

Die ukrainische Regierung lehnt die Idee von Waffenstillstandsverhandlungen ab und bekräftigt ihren Standpunkt, dass es kein Abkommen geben könne, welches Gebietsabtretungen an Russland beinhalte. Russland kontrolliert inzwischen etwa ein Fünftel der Ukraine. Der Kreml hingegen fordert, Kiew müsse Moskaus Annexion der südlichen und östlichen Regionen anerkennen.

Großbritannien lehnt Waffenstillstand ab

Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak hat vor zu raschen Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Russlands Krieg gegen die Ukraine gewarnt. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass jede einseitige Forderung Russlands nach einem Waffenstillstand im aktuellen Kontext völlig bedeutungslos ist. Ich denke, es wäre ein falscher Aufruf, es würde von Russland benutzt werden, um sich neu zu formieren, um seine Truppen zu verstärken“, sagte Sunak am Montag bei einem Treffen mit Staats- und Regierungschefs der Joint Expeditionary Force (JEF) in Riga.

Bevor Russland sich nicht zurückgezogen habe, könne und solle es keine echten Verhandlungen geben.

Sunak rief bei dem Gipfel der Verteidigungskooperation baltischer und nordeuropäischer Staaten zu weiteren Waffenlieferungen an Kiew auf. Die Ukraine benötige Luftverteidigungssysteme, Artillerie und gepanzerte Fahrzeuge, sagte der britische Premier. Dafür warb auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich per Video an die Teilnehmer wandte und jeden einzeln davon mit konkreten Forderungen ansprach.

Großbritannien hatte vor Sunaks Reise nach Lettland angekündigt, der Ukraine auch im kommenden Jahr weitere Rüstungsgüter zu liefern. Der britische Premier betonte - wie auch Gastgeber Krisjanis Karins - bei dem JEF-Treffen die Bedeutung von westlichen Sanktionen gegen Moskau und dessen Unterstützer. „Wir müssen uns weiterhin darauf konzentrieren, Russlands Fähigkeit zur Umgruppierung und Nachschubversorgung zu beeinträchtigen“, sagte Sunak. „Ich denke insbesondere an den Iran und die Waffen, die er derzeit an Russland liefert.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Krypto-Rally an der Wall Street
18.09.2026

Unerwartete Entwicklungen bewegen die US-Märkte und sorgen für Aufsehen unter Anlegern.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Benzinpreis aktuell: Warum Tanken trotz billigerem Öl Rekorde bricht
18.09.2026

Rohöl kostet weniger als auf dem Höhepunkt der Energiekrise 2022, der Euro steht stärker zum Dollar. Trotzdem zahlen Autofahrer in...

DWN
Politik
Politik UN-Generalversammlung: Deutschland reist ohne Merz nach New York
18.09.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz sagt seine Reise zur UN-Generalversammlung wegen der innenpolitischen Lage ab. Die Bundesregierung betont...

DWN
Politik
Politik CO2-Speicherung unter der Nordsee: Dänemark startet Regelbetrieb
18.09.2026

Dänemark macht bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid den nächsten Schritt. Das Projekt „Greensand“ wechselt vom...

DWN
Politik
Politik Übergewinnsteuer für Ölkonzerne: EU-Kommission bremst Klingbeil
18.09.2026

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drängt auf eine europäische Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Doch aus Brüssel kommt...