Politik

Chinas Volkskongress bestätigt Xi für dritte Amtszeit als Präsident

Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird seine dritte Amtszeit für einen Umbau des Managementsystems von Staat und Partei nutzen, sagen Beobachter.
10.03.2023 13:00
Aktualisiert: 10.03.2023 13:26
Lesezeit: 3 min

Chinas Volkskongress hat Staats- und Parteichef Xi Jinping für eine beispiellose dritte Amtsperiode als Präsident bestätigt. Die 2.952 Delegierten stimmten am Freitag auf ihrer Jahrestagung in Peking für eine Verlängerung seiner Amtszeit an der Spitze von Staat und Militär um weitere fünf Jahre. In der Großen Halle des Volkes billigte das Parlament auch den seit langem größten Umbau der Regierung. Damit will sich China für den internationalen Wettbewerb stärken - besonders mit den USA.

Schon auf dem Parteitag im Oktober hatte sich der 69-Jährige über bisher respektierte Grenzen für Alter und Amtszeit hinweggesetzt: Xi Jinping ließ sich eine andauernde Führungsrolle in der Parteiverfassung verankern. Damit könnte er sogar auf Lebenszeit im Amt bleiben. Xi Jinping knüpft damit an den Staatsgründer und „ewigen Revolutionär“ Mao Tsetung (1893-1976) an.

Xi Jinping wurde auch als Vorsitzender der Militärkommission bestätigt, die auf Regierungsebene praktisch die von ihm angeführte Militärkommission der Kommunistischen Partei widerspiegelt. Er bleibt damit Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee. Nach dem Votum marschierten zwei Reihen von Soldaten der Ehrengarde im Stechschritt durch die Halle und legten die Verfassung auf das Pult, an dem Xi Jinping anschließend unter großem Beifall seinen Amtseid leistete. Auffällig war auch, dass er als einziger zwei Tassen Tee vor sich stehen hatte: Alle anderen auf dem Podium bekamen nur eine einzige.

Personelle Änderungen

Einstimmig wurde auch der bisherige erste Vizepremier Han Zheng (68) zum neuen Vizepräsidenten bestimmt. Experten rechnen damit, dass der bisherige Koordinator für Hongkong und Macao ähnlich wie Vorgänger Wang Qishan (74) auch außenpolitisch eine Rolle spielen wird. Neuer Parlamentschef wurde Zhao Leji (66), Mitglied im mächtigen Ständigen Ausschuss des Politbüros.

Auf der bis Montag dauernden Jahrestagung gibt es die größte Regierungsumbildung seit zehn Jahren. Vor allem enge Vertraute von Xi Jinping rücken auf. Am Samstag wird der frühere Parteichef von Schanghai, Li Qiang, neuer Ministerpräsident. Der 63-Jährige tritt die Nachfolge von Li Keqiang (67) an, der nicht dem Lager von Xi Jinping angehörte und nach zwei Amtszeiten ausscheidet.

Indem Xi Jinping die volle Kontrolle über Partei und Staat übernimmt, entstünden auch Angriffsflächen, findet die US-Denkfabrik Brookings: „Er und seine handverlesenen Führer müssen ihre Versprechen erfüllen. Xi Jinping wird für seine Errungenschaften gelobt werden und für Misserfolge die Schuld zugeschoben.“ Nis Grünberg vom China-Institut Merics in Berlin sagte: „Das sind nicht nur Loyalisten, die alles tun, was Xi Jinping sagt, sondern es sind auch fähige Politiker. Es sind tüchtige Profis in vielerlei Hinsicht.“

Chinas Parlament billigte auch den Umbau der Regierung. Angesichts steigenden geopolitischen Drucks durch die USA ist das Ziel eine bessere Ausgangslage im internationalen Wettbewerb und mehr technologische Eigenständigkeit. Die Restrukturierung ist auch mit Jobkürzungen in Regierungsorganen verbunden: Fünf Prozent der Arbeitsplätze sollen wegfallen - die größte Zahl seit 1998.

Eine neue Kommission für die Finanzaufsicht wird geschaffen, die teilweise Funktionen der Zentralbank übernimmt. Damit soll die Kontrolle von Banken, Versicherungen und innovativen Finanzplattformen sowie der Verbraucherschutz besser koordiniert werden. Auch wird das Ministerium für Wissenschaft und Technologie umorganisiert sowie eine eigene nationale Behörde zur Verwaltung der zunehmenden Mengen von Daten geschaffen.

Die US-Regierung versucht zunehmend, China mit Exportkontrollen, Sanktionen und anderen wirtschaftlichen Beschränkungen den Zugang zu weit entwickelten Technologie abzuschneiden. Mit einer „Eindämmungspolitik“ wollten die USA und der Westen den Aufstieg Chinas in der Welt behindern, beklagte Xi Jinping Anfang der Woche.

Lesen Sie dazu: China ruft US-Regierung zu Kehrtwende in der Konfrontationspolitik auf

„Angesichts des internationalen technologischen Wettbewerbs und der ernsten Lage durch externen Druck zur Eindämmung müssen wir unsere technologische Führung und das Managementsystem weiter organisieren, um unsere Stärken besser zu koordinieren und Herausforderungen in technologischen Kernbereichen zu überwinden“, begründete das Kabinett die Restrukturierung. Damit werde China geholfen, „beschleunigt technologische Selbstständigkeit auf hohem Niveau zu erreichen.“

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