Immobilien

Luxusimmobiliensektor wegen hohen Zinsen im Stillstand

Der Verkauf von Luxusimmobilien sinkt erheblich in den Hauptstädten. Eigentümer weigern sich, beim Preis nachzugeben, und Käufer wollen oder können nicht zahlen.
23.04.2023 08:35
Aktualisiert: 23.04.2023 08:35
Lesezeit: 3 min

Steigende Hypothekenzinsen haben zu einem Einbruch im Wohnungsmarkt für Luxusimmobilien geführt, hauptsächlich weil potenzielle Käufer weniger Geld für Häuser ausgeben können, und Verkäufer zögern, ihre Preise zu senken. Das Ergebnis: Viele Luxusimmobilien bleiben weiterhin unverkauft auf dem Markt.

Der Immobilienmarkt - für lange Zeit das beliebteste Investment der Deutschen - ist ins Schwanken geraten wegen deutlich gestiegenen Zinsen, die Finanzierungen enorm verteuern und den jahrelangen deutschen Immobilienboom gestoppt haben. Auch in dem amerikanischen Immobilienmarkt deuten Signale auf eine Rezession. Es gibt Befürchtungen, dass der Sektor schwächer sein könnte, als angenommen wird, und dass die US-Zentralbank Federal Reserve daher gezwungen sein wird, Zinsen für einen längeren Zeitraum auf einem höheren Niveau zu halten.

Nach Angaben der Financial Times gibt es einen Stillstand bei den Verkäufen auf dem deutschen Luxuswohnungsmarkt. Die britische Wirtschaftszeitung zitierte Zahlen des Immobilienmaklers Homeday, die den Trend unterstreichen: Im November 2023 war die Zahl der Luxusimmobilien, die auf den wichtigsten deutschen Immobilienportalen für mehr als 500 000 Euro zum Verkauf angeboten wurden und länger als 60 Tage auf dem Markt waren, doppelt so hoch wie im Vorjahr. Homeday zufolge wurden zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres in Berlin nur 2.260 Luxuswohnungen verkauft, gegenüber 4.013 im Vorjahr.

Zinsen steigen, Preise fallen

Während dieser Zeit stieg der durchschnittliche 10-jährige Festhypothekenzins deutlich an, von einem Prozent Anfang 2022 auf 3,36 Prozent im März 2023, so der deutsche Hypothekenmakler Interhyp. In diesem Zeitraum fielen die Immobilienpreise bereits: Laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken sanken sie im zweiten Halbjahr 2022 um 2,5 Prozent - der stärkste Sechsmonatsrückgang in mehr als 20 Jahren.

Blickt man zurück: Zwischen dem ersten Quartal im Jahr 2010 und dem zweiten Quartal im Jahr 2022 sind Immobilienpreise um 107 Prozent gestiegen.

Preise in vielen Städten sind bereits erheblich gesunken. Laut Thomas Zabel, Mitbegründer des deutschen Wohnungsgeschäfts der Immobilienagentur Savills, sieht man ähnliche Entwicklungen in den meisten Großstädten. „Bei den Häusern, die tatsächlich verkauft werden, geht es um 20 bis 25 Prozent unter dem ursprünglichen Listenpreis, selbst in den besten und teuersten Lagen Münchens“, so Zabel.

München, Hamburg und Berlin

Nach Angaben der Financial Times sanken die durchschnittlichen Angebotspreise in der Münchner Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt in den letzten drei Monaten des Jahres 2022 um 11,5 Prozent im Vergleich zu den drei Monaten davor, während im Hamburger Stadtteil Rotherbaum die Angebotspreise im gleichen Zeitraum um 9,9 Prozent fielen.

Zabel zufolge ist der Markt für Luxusimmobilien in Hamburg klein, und selbst in guten Jahren werden nur wenige Häuser verkauft. „Hamburg wird von altem Geld dominiert, das macht den Luxusimmobilienmarkt dort widerstandsfähiger: Die teuersten Häuser sind seit vielen Generationen in Familienbesitz“.

Doch in Berlin wurden Preise zum Teil schon drastisch gesenkt. Viele der Luxuswohnungen der Stadt - die laut der Immobiliengruppe Engel & Völkers in den letzten drei Monaten des Jahres 2022 zu einem durchschnittlichen Preis von 3,45 Millionen Euro verkauft wurden - befinden sich in dem historischen Zentrum der Stadt (Mitte), oder drängen sich zwischen Restaurants und Museen in Charlottenburg.

Die wenigen Immobilien, die neue Käufer finden, werden mit Preisnachlässen von bis zu 30 Prozent auf den ursprünglichen Angebotspreis verkauft, so der Berliner Immobilienmakler Peter Rabitz.

Wenig Entspannung in Sicht

Die Financial Times zitierte Immobilien- und Hypothekenmakler, die betonten, dass viele Käufer sich aus dem Markt zurückziehen, weil die höheren Hypothekenzinsen den Kauf von Immobilien unerschwinglich machen. Andere zögern Transaktionen hinaus, weil sie glauben, dass Immobilienpreise noch weiter fallen könnten.

„Die Hypothekenzinsen steigen und die Banken verlangen auch höhere Einlagen“, erklärt Ozan Yaprak, Geschäftsführer des lokalen Hypothekenmaklers Moya Baufinanz Berlin. „Für viele Kunden, die den Kauf einer hochwertigen Wohnung in Erwägung ziehen, ist die Forderung nach einer höheren Anzahlung Grund genug, um ihre Meinung zu ändern“.

Eine schnelle Erholung des deutschen Luxusimmobilienmarktes scheint unwahrscheinlich, da die Hypothekenraten voraussichtlich noch einige Zeit auf hohem Niveau bleiben werden. Dmitri Uvarovski, Forschungsleiter bei Homeday, sagte der Financial Times, Preise müssten um weitere 10 bis 15 Prozent fallen.

Hauskäufer würden sich erst dann das leisten können, was sie sich vor einem Jahr hätten leisten können als die Hypothekenzinsen niedriger waren. Zabel zufolge braucht der Markt niedrigere Preise, um sich neu zu kalibrieren. Er rechnete jedoch nicht damit, dass dies in den nächsten Monaten passieren wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Tech-Rally beflügelt Wall Street; Anleiherenditen steigen
05.10.2026

Welche Kräfte die US-Märkte zum Wochenstart bewegten und warum Anleger jetzt genau hinsehen sollten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroautos sollen Strom verkaufen: Neuer Markt für Fahrer und Energieversorger
05.10.2026

In Deutschland wird die gesetzliche Grundlage für eine breite Einführung des V2G-Systems vorbereitet. Elektroautos sollen künftig nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Portfolio übernimmt das Depot: Kann Claude den S&P 500 schlagen?
05.10.2026

Ein Redakteur überlässt 1.000 Euro echtem Geld einer künstlichen Intelligenz. Claude darf Aktien kaufen und verkaufen, Risiken eingehen...

DWN
Politik
Politik Das Land, das blutiges Gold über die Welt verteilt
05.10.2026

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Drehkreuz für einen bedeutenden Teil des weltweiten Goldhandels. Das hat Dubai den Spitznamen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedriglohnland Deutschland: Wo es millionenfach niedrige Löhne gibt
05.10.2026

Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt arbeiten Millionen Menschen an der Schwelle zum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lexus ES: Dieser Japaner greift Audi, BMW und Mercedes an
05.10.2026

Der Lexus ES will dort angreifen, wo Audi, BMW und Mercedes seit Jahrzehnten den Ton angeben. Die neue japanische Luxuslimousine setzt...

DWN
Politik
Politik BND-Chef Jäger warnt vor Russlands "Schattenkrieg" gegen Deutschland
05.10.2026

Sabotage, Desinformation und Einflussnahme auf Wahlen: Deutschlands Geheimdienste zeichnen ein beunruhigendes Bild russischer Aktivitäten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher nur zu 58 Prozent gefüllt: Was das für den Winter bedeutet
05.10.2026

Deutschland startet mit ungewöhnlich niedrigen Gasvorräten in die Heizperiode. Die Speicher sind nach Angaben der Bundesnetzagentur nur...