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Silicon Saxony: Halbleiter und Computerchips aus Deutschland

Im Raum Dresden entsteht ein riesiges Cluster von Firmen, die auf dem Gebiet der Mikroelektronik forschen und Halbleiter sowie Computerchips entwickeln. Kann Deutschland mit dem Silicon Saxony zum Marktführer der Halbleitertechnologie aufsteigen?
08.10.2023 13:59
Lesezeit: 3 min
Silicon Saxony: Halbleiter und Computerchips aus Deutschland
Michael Kretschmer (CDU, l), Ministerpräsident von Sachsen, nimmt neben Dirk Hilbert (FDP), Oberbürgermeister von Dresden, an einer Pressekonferenz teil. Anlass ist der geplante Bau eines Halbleiterwerks des taiwanischen Chipherstellers TSMC in Dresden. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Kahnert

Lange sah es so aus, dass Deutschland seine bewährten Technologien freizügig aufgibt und sich zu einer reinen Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Doch in Sachsen könnte sich eine Trendwende vollziehen, durch die eine essenzielle Technologie wieder nach Deutschland zurückgeholt wird. Aber warum ausgerechnet hier?

Schon zur Zeit der DDR war Sachsen eine Hochburg der Mikroelektronik in Deutschland. Seit den 1960er-Jahren werden hier vor allem Halbleitertechnologien intensiv erforscht. Im Silicon Saxony, benannt nach dem Silicon Valley in den USA, verbinden sich über 400 Firmen zu einem Cluster, das die Zusammenarbeit und Forschung auf dem Gebiet der Mikroelektronik vorantreibt. Und die Arbeit trägt Früchte: Schon jetzt kommt jeder dritte europäische Computerchip aus Sachsen.

Warum die Weltwirtschaft an den Halbleitern hängt

Halbleiter sind der grundlegende Bestandteil von Chips, deshalb werden beide Produkte oft synonym genannt. Sie dienen zur Stromleitung und sind deutlich kleiner sind als etwa ein menschliches Haar, oft bestehen sie aus reinem Silizium, welches wiederum aus geschmolzenem Sand gewonnen wird. Doch warum sind diese Produkte so wichtig für die moderne Weltwirtschaft?

Ohne Computerchips ist eine digitale Welt praktisch undenkbar. Ob Elektroautos, 5G oder künstliche Intelligenz, fast alle digitalen Technologien benötigen leistungsfähige Chips, um zu funktionieren. So musste Volkswagen seine Elektroautoproduktion im Jahr 2021 herunterfahren, da es an Computerchips für die Neuwagen mangelte. Doch auch in der Kriegsführung, die zunehmend im digitalen Raum und in Zusammenarbeit mit KI-Systemen geführt wird, werden Halbleiter und Mikrochips unverzichtbar.

Diese komplexe Bauweise in Verbindung mit einer riesigen Nachfrage machen die Chipproduktion und -forschung so wichtig. Bedeutende Chiphersteller sind die USA, China, Taiwan und wenige europäische Länder. Die Abhängigkeit von der taiwanesischen Halbleiterproduktion gilt in Zeiten einer drohenden Invasion der Insel als Risikofaktor. Um einer neuen Abhängigkeit von China zu entgehen, streben westliche Länder nun nach einer verstärkten Produktion im eigenen Land, aber auch die TSMC, führender Halbleiterhersteller weltweit, verlagert ihre Produktion aus dem taiwanischen Hsinchu in die ganze Welt — von Arizona bis nach Dresden.

Riesige Investitionen für eigene Halbleiter und Mikrochips

Westliche Regierungen kommen diesem Trend entgegen. So erließ Washington kürzlich das 50 Milliarden Dollar teure Chips-Gesetz (Creating Helpful Inzentives to Produce Semiconductors and Science), um eigene Halbleiterwerke in Arizona, Texas und anderen Staaten zu erleichtern. Dabei werden sowohl einheimische Produzenten wie Intel, als auch ausländische wie TSMC gefördert.

Die EU will mit dem European Chips Act einen ähnlichen Vorstoß leisten. In Deutschland ist es ein Konglomerat aus Firmen wie BOSCH, Infeneon, GlobalFoundries und TSMC, die sich in Sachsen zu einem großen Cluster zusammenschließen, um die einheimische Halbleiterindustrie zu stärken. Sie und über 400 weitere Firmen planen, riesige Produktionshallen im Raum Dresden zu errichten. Allein in die Tochterfirma von TSMC, die in Deutschland agieren soll, werden 10 Milliarden Euro investiert. Die Hälfte davon speist sich aus staatlichen Fördermitteln. GlobalFoundries wiederum investiert acht Milliarden Euro in seinen neuen Standort in Sachsen.

Deutsche Wirtschaft zwischen Optimismus und Skepsis

Die Euphorie im Silicon Saxony ist entsprechend groß. So konstatiert der Vorsitzende des Verbands, Dirk Röhrborn, Sachsens Stellung als europäisches Zentrum für die Halbleiterindustrie werde mit dem Bau der TSMC Fabrik bis 2027 weltweit gestärkt. Auch der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Meißen, Sascha Dienel, erhofft sich große Chancen für Dresden und die umliegenden Landkreise. TSMC sei eine Chance für junge Menschen des Freistaats Sachsen.

Allerdings gibt es auch skeptische Töne. So vermutet DIE ZEIT, das Silicon Saxony würde zu viel Wasser verbrauchen und es müsse die Elbe angezapft werden, um den Bedarf zu decken. Dabei geben die Autoren jedoch selbst zu, dass der Bau von Wasserkraftwerken durchaus Abhilfe schaffen und die Industrie mit genügend Wasser versorgen könnte.

Deutlich kritischer fällt der Fachkräftemangel ins Gewicht, der die gesamte Industrie Sachsens zu lähmen droht. Sascha Dienel etwa beklagt, dass die Wirtschaftsförderung für Unternehmen viel zu niedrig ausfalle, um sie zur Ansiedlung in der Region zu bewegen. Zudem machen ausländische Fachkräfte einen Bogen um Deutschland, ein Umstand, der auf eine überbordende Bürokratie, hohe Lebenshaltungskosten und eine geringe Anerkennungsquote von ausländischen Abschlüssen zurückzuführen ist.

Es wäre bedauerlich, wenn das große Projekt im Silicon Saxony ausgerechnet an solchen schon lange bekannten Probleme scheitern würde. Deutschland könnte hier führend auf dem Gebiet einer der wichtigsten Technologien für die digitale Welt werden. Frank Bösenberg, Managing Director des Silicon Saxony, drückt es wie folgt aus: Nicht nur Sachsen und Deutschland, auch die EU und Taiwan könnten von der vertieften Partnerschaft maßgeblich profitieren. Das Silicon Saxony könnte somit einen wichtigen Grundstein für Deutschlands und Europas Wirtschaft und Autarkie legen.

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Virgil Zólyom

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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