Politik

Krieg in Nahost - Hamas startet Großangriff auf Israel

Nachdem die vergangenen Monate von teils schweren Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästinenserorganisationen gekennzeichnet waren, herrscht nun Krieg.
07.10.2023 10:07
Aktualisiert: 07.10.2023 10:07
Lesezeit: 4 min
Krieg in Nahost - Hamas startet Großangriff auf Israel
Am Himmel sind Raketen zu sehen, die in Richtung Israel fliegen. (Foto: dpa) Foto: Mohammed Talatene

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet:

Die radikal-islamische Palästinenser-Gruppe Hamas hat am Samstag mit einer Überraschungsoffensive den seit Jahren größten Angriff auf Israel gestartet. 5000 Raketen seien abgefeuert worden, sagte der hochrangige Hamas-Kommandeur Mohammed Deif im Rundfunk der Organisation: "Das ist der Tag der größten Schlacht."

In Gaza war der Lärm der Raketenstarts zu hören, Anwohner berichteten über bewaffnete Zusammenstöße am Grenzzaun zu Israel. Im Süden Israels und in Jerusalem heulten die Sirenen. Das israelische Militär erklärte, es sei im Kriegszustand. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief eine Krisensitzung der Sicherheitskräfte ein. Verteidigungsminister Yoav Gallant ordnete die Mobilmachung von Reservisten an.

"Einige Terroristen sind vom Gaza-Streifen aus in israelisches Gebiet eingedrungen", erklärten die israelischen Streitkräfte. Sie riefen die Bevölkerung in den angrenzenden Gebieten auf, in ihren Häusern zu bleiben. Nach Angaben der Rettungsdienste wurde eine Frau getötet. Israelische Medien berichteten, dass Bewaffnete in der südisraelischen Stadt Sderot das Feuer auf Passanten eröffnet hätten.

Palästinensische Kämpfer halten einem Bericht des TV-Senders Reshet 13 zufolge in der südisraelischen Stadt Ofakim israelische Geiseln fest.

Armee Israels: "Natürlich gibt es Opfer"

In mehreren Städten im Süden Israels gebe es Feuergefechte zwischen palästinensischen Angreifern und israelischen Sicherheitskräften. In palästinensischen Medien hieß es, das Israelis von Kämpfern gefangen genommen worden seien. Die radikal-islamische Palästinensermiliz Islamische Jihad erklärte, ihre Kämpfer hätten sich dem Angriff der Hamas angeschlossen.

Bei den Angriffen handelt es sich um die schwersten Auseinandersetzungen seit dem zehntägigen Krieg der Hamas gegen Israel im Jahr 2021.

Einem Sprecher des israelischen Militärs zufolge haben die Palästinenser 2500 Raketen auf Israel geschossen. Kämpfe gebe es in der israelischen Stadt Erez an der Grenze zum Gaza-Streifen und bei der in der Nähe gelegenen Militärbasis Zikim. Tausende Reservisten des israelischen Militärs würden aktiviert. "Natürlich gibt es Opfer", sagte der Sprecher. Einen Kommentar zu Berichten, dass Israelis von der Hamas gefangengenommen wurden, lehnte er ab.

Netanjahu: "Feind wird Preis bezahlen"

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat für den Angriff der palästinensischen Hamas auf sein Land Vergeltung angekündigt. "Unser Feind wird einen Preis bezahlen, wie er ihn noch niemals kennengelernt hat", sagte Netanjahu in einer Video-Botschaft. "Wir sind im Krieg, und wir werden gewinnen", sagte er.

Die libanesische Hisbollah-Miliz hat den Hamas-Angriff auf Israel als Zeichen gegen eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel bezeichnet. Der Hamas-Angriff sei eine "entschlossene Antwort auf Israels anhaltende Besatzung und eine Botschaft an diejenigen, die eine Normalisierung mit Israel anstreben", teilt die Islamisten-Miliz in einer Erklärung mit. Sie verfolge die Lage im Gazastreifen genau und stehe in "direktem Kontakt mit der Führung des palästinensischen Widerstands".

Mehrere arabische Staaten hatten zuletzt eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel eingeleitet. Die Hisbollah hat selbst mehrere Kriege mit Israel geführt.

Bei dem überraschenden Großangriff der radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas sind einem Medienbericht zufolge mindestens 40 Israelis getötet worden. 740 Israelis wurden zudem verletzt, wie der Nachrichtensender N12 News berichtet. Ein Reuters-Fotograf berichtet von zahlreichen Leichen in den Straßen der südisraelischen Stadt Sderot.

Reaktionen anderer Länder

Aus Sicht des Golf-Emirats Katar ist allein Israel für die Eskalation der Gewalt im Streit mit den Palästinensern verantwortlich. Katar rufe beide Seiten zur Mäßigung auf, heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums.

Russland steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit beiden Seiten und auch mit arabischen Ländern. "Es versteht sich von selbst, dass wir immer zur Zurückhaltung aufrufen", zitiert die Nachrichtenagentur Interfax Vize-Außenminister Michail Bogdanow.

Die USA verurteilen den Angriff der Hamas. Das Land stehe an der Seite Israels und des israelischen Volkes, zitiert der TV-Sender CNN den Nationalen Sicherheitsrat in Washington. Sicherheitsberater Jake Sullivan habe bereits mit seinem israelischen Amtskollegen gesprochen und werde mit diesem in engem Kontakt bleiben.

Saudi-Arabien ruft einer Mitteilung des Außenministeriums zufolge zu einem "sofortigen Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern" auf. Man verfolge die beispiellosen Entwicklungen zwischen mehreren palästinensischen Gruppen und der "israelischen Besatzungsmacht", die zu viel Gewalt geführt hätten. Unter Vermittlung der USA haben sich die verfeindeten Staaten Israel und Saudi-Arabien zuletzt angenähert.

Der Iran begrüßt den Angriff der Palästinenser auf Israel. "Wir beglückwünschen die palästinensischen Kämpfer", sagt Rahim Safawi, ein Berater von Irans geistlichem und staatlichem Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Insa. Der Iran werde ihnen bis zur Befreiung Palästinas und Jerusalems beistehen.

"Wir stehen an Israels Seite", schreibt Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Kurznachrichten-Plattform X. Die Nachrichten aus Israel seien erschreckend. "Der Raketenbeschuss aus Gaza und die eskalierende Gewalt erschüttern uns zutiefst." Deutschland verurteilte diese Angriffe. Am Nachmittag soll der Krisenstab der Bundesregierung zusammentreten. Das teilt das Auswärtige Amt mit. Man stehe mit den israelischen Behörden und internationalen Partnern in enger Abstimmung. Außenministerin Annalena Baerbock sei mit ihren Amtskollegen in der Region in Kontakt.

Mehrere arabische Staaten haben der israelischen Regierung die Verantwortung für den Gewaltausbruch gegeben. Israel müsse "die provokativen Praktiken der Besatzung" und die "Politik der Ausweitung der Siedlungen" beenden, teilt das kuwaitische Außenministerium mit. Israel müsse seine "unverhohlenen Angriffe" stoppen.

Die Angriffe der Hamas seien die Folge der jahrzehntelangen "systematischen Unterdrückung" durch die "zionistische Besatzungsbehörde", heißt es auch in einer Erklärung der irakischen Regierung.

Die Vereinigten Arabischen Emirate fordern von beiden Seiten ein Ende der Kämpfe.

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