Finanzen

Höhere Zinsen erreichen langsam auch die Lebensversicherten

Die Policen von Lebensversicherungen werfen langsam wieder mehr Zinsen ab. Vorreiter ist die Allianz mit einem Anstieg der Verzinsung um 0,3 Prozentpunkte.
04.12.2023 15:00
Aktualisiert: 04.12.2023 15:00
Lesezeit: 2 min

Den 10,7 Millionen Kunden des mit Abstand größten deutschen Lebensversicherers Allianz Leben winken im kommenden Jahr deutlich höhere Zinsgutschriften. Die Gesamtverzinsung steigt für alle Produktlinien um 0,3 Prozentpunkte, wie die Allianz Deutschland am Montag mitteilte. "Die Allianz geht damit einen relativ deutlichen Schritt", sagte Lebensversicherungs-Experte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata in Köln. "Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Wettbewerber nun umdenken. "Auch die Lebensversicherungs-Sparer profitieren von der Zinswende." Heermann erwartet, dass die laufende Verzinsung 2024 wegen der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) im Branchen-Durchschnitt auf rund 2,50 (2023: 2,20) Prozent steigen wird, "vielleicht sogar etwas darüber".

Die Allianz Leben liegt mit einer laufenden Verzinsung von 2,8 (2023: 2,6) Prozent auf die neuere "Perspektive"-Produktlinie ohne lebenslange Zinsgarantien und mit 2,7 (2,5) Prozent auf klassische Garantie-Policen über dem erwarteten Marktniveau. Einschließlich Schlussüberschuss und der Beteiligung an den Bewertungsreserven liegt die Verzinsung für die "Perspektive"-Policen dann bei 3,8 Prozent, für klassische Leben- und Renten-Policen bei 3,5 Prozent. Auch die modernen kapitalmarktnahen Policen, die das Neugeschäft von Allianz Leben mit fast zwei Drittel der Verträge dominieren, profitieren von der Erhöhung, denn auch dort fließt ein Teil des angelegten Geldes in das Sicherungsvermögen.

Allianz-Leben-Privatkundenvorstand Volker Priebe sprach im Reuters-Interview von einem "starken Signal an den Markt". Der Allianz und ihren Kunden komme zugute, dass der unangefochtene Marktführer inzwischen sein Ziel erreicht habe, ein Drittel des Sicherungsvermögens in alternative Anlageformen zu stecken, die sich vom Aktien- und Anleihemarkt unabhängig entwickelten - von Windrädern über Mittelstands-Kredite bis zu Glasfasernetzen. "Jetzt nutzen wie wieder die Chancen, die sich wegen des höheren Zinsniveaus etwa bei Anleihen ergeben." Vor einem Jahr hatte die Allianz die Gesamtverzinsung ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte erhöht - zum ersten Mal seit 15 Jahren.

STILLE LASTEN BREMSEN LEBENSVERSICHERER

Die Spielräume der Lebensversicherer seien nicht so hoch wie man angesichts des Zinsanstiegs glauben könne, sagte Assekurata-Experte Heermann. Denn sie sitzen auf hohen stillen Lasten auf festverzinsliche Papiere in den Büchern, die sie deshalb derzeit nicht verkaufen wollen. Gleichzeitig floriere das Neugeschäft nicht gerade, so dass sich die Beiträge in Grenzen hielten, die sie neu anlegen könnten. "Wir hatten schon bessere Zeiten." Die Zinswende macht auch Kapitalanlagen bei den Banken wieder attraktiver.

Allianz-Leben-Vorstand Priebe wollte sich zum Neugeschäft nicht konkret äußern. "Wir wachsen bei den laufenden Beiträgen, und die Einmalbeiträge pendeln sich nach den Rekordjahren 2019 und 2020 auf dem erwartbaren Niveau ein." Die Allianz gewinne aber weiter Marktanteile.

Einige Lebensversicherer hatten schon vor dem Marktführer ihre Überschussbeteiligung bekanntgegeben. Während etwa die Axa Leben die laufende Verzinsung mit 2,6 Prozent konstant hielt, schraubten die Münchener-Rück-Tochter Ergo Vorsorge und die Nürnberger Leben die Deklaration zum Teil deutlich nach oben. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Grönland-Deal mit den USA sorgt für neue Sorgen
21.09.2026

Ein neues Abkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland soll jetzt unterzeichnet werden. Während einige Experten darin einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VinFast-Gründer: Der Vietnamese, der Milliarden riskiert
21.09.2026

Pham Nhat Vuong baute in der Ukraine ein Nudelgeschäft auf, kehrte nach Vietnam zurück und schuf mit Vingroup ein Wirtschaftsimperium....

DWN
Politik
Politik Deutschland braucht einen nationalen Hitzeschutzplan: Doch wer trägt die Kosten?
21.09.2026

Sommer, Sonne, Hitze: Extrem hohe Temperaturen belasten zunehmend den Alltag vieler Menschen in Deutschland und verursachen...

DWN
Technologie
Technologie 70.000 Dollar für eine Hand: Deutschlands Chance im Roboter-Boom
21.09.2026

China lieferte im ersten Halbjahr 97 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit aus. Warum eine Fraunhofer-Studie ausgerechnet in deren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IAB-Studie: Rüstungsindustrie kann Stellenabbau nicht auffangen
21.09.2026

Die Rüstungsindustrie wächst, doch als Auffangbecken für Beschäftigte aus kriselnden Industriezweigen taugt sie bislang kaum. Neue...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
21.09.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck nach Berlin-Wahl – Diskussion um Enteignungen
21.09.2026

Die Berlin-Wahl setzt die Vonovia-Aktie unter Druck. Forderungen nach Enteignungen großer Wohnungskonzerne sorgen bei Anlegern für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsprofessor Luis Garicano: So vermeiden Sie, Ihren Job an KI zu verlieren
21.09.2026

Viele Warnungen vor KI und Massenarbeitslosigkeit klingen dramatisch. Der Ökonom Luis Garicano hält sie für übertrieben. Sein Argument:...