Finanzen

EZB: In der Bilanz klafft ein großes Loch

Die Europäischen Zentralbank (EZB) ist in die roten Zahlen geraten. Das Loch in der EZB-Bilanz ist hauptsächlich auf die Zinserhöhungen zurückzuführen.
22.02.2024 14:17
Lesezeit: 2 min

Die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) ist angesichts der Zinserhöhungen im vorigen Jahr in die roten Zahlen geraten. Die nationalen Notenbanken gehen daher leer aus, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Demnach fiel ein Rekordverlust von 7,9 Milliarden Euro an, der nach dem Abrufen von 6,6 Milliarden Euro an Rückstellungen für finanzielle Risiken letztlich auf ein bilanzielles Minus von 1,3 Milliarden Euro gedrückt werden konnte. Dies soll in der Bilanz als Verlustvortag gegen zukünftige Gewinne verrechnet werden, wie der EZB-Rat entschied. 2022 war noch eine schwarze Null herausgekommen, nachdem die Zentralbank über fast zwei Jahrzehnte zumeist substanzielle Gewinne eingefahren hatte.

Die EZB signalisierte, dass sie in den nächsten Jahren wahrscheinlich erneut Verluste in der Bilanz wird hinnehmen müssen. Nach dieser Durststrecke werde die Zentralbank wohl wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Ursache: Zinsanstieg

Das Bilanzloch 2023 ist hauptsächlich auf die rasanten und teils aggressiven Zinserhöhungen der EZB im vorigen Jahr zurückzuführen, mit denen sich die Notenbank gegen die hohe Inflation im Euroraum stemmte. Denn die Kosten für EZB-Verbindlichkeiten beruhen auf variablen Zinssätzen und zogen damit im Zuge der strafferen geldpolitischen Linie der Zentralbank deutlich an. Die Zinserträge aus den Vermögenswerten der EZB stiegen hingegen nicht im gleichen Umfang beziehungsweise nicht im gleichen Tempo, da diese Assets größtenteils festverzinslich sind und lange Laufzeiten aufweisen, wie die EZB erläuterte.

Die Europäische Zentralbank erstellt zwar Jahresabschlüsse und meldet Gewinne und Verluste wie Geschäftsbanken auch. Aber es gibt aus Sicht der EZB einen großen Unterschied: "Der EZB geht es nicht darum, Gewinne zu erzielen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, die Preise stabil zu halten. Jegliche Gewinne oder Verluste sind Nebenerscheinungen", heißt es.

Gesichertes Mandat

Angesichts der durch ihr Kapital gegebenen Finanzkraft sei die EZB weiter in der Lage, ihr primäres Mandat der Sicherung der Preiswertstabilität effizient zu erfüllen. Sie hatte im Juli 2022 im Zuge der Kurswende im Kampf gegen die hohe Inflation erstmals die Zinsen angehoben. Bis September 2023 setzte sie die Schlüsselsätze in einer raschen Abfolge von zehn Schritten um insgesamt 4,50 Prozentpunkte nach oben, bevor sie stillhielt. Der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser erhalten, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken, liegt inzwischen bei 4,00 Prozent. An den Finanzmärkten wird eine Zinswende nach unten bei weiter abflauender Inflation zur Jahresmitte hin erwartet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Steigende Ausschüttungen: Diese Dividendenaktien gelten als besonders robust
03.05.2026

Dividendenaktien mit jahrzehntelang steigenden Ausschüttungen gelten als stabiler Baustein für langfristige Anleger. Doch wie sinnvoll...

DWN
Politik
Politik AfD bei 28 Prozent - vor der Union: 76 Prozent mit Bundesregierung unzufrieden
03.05.2026

Bald ein Jahr ist Schwarz-Rot im Amt, doch innerhalb der Bevölkerung herrscht wenig Optimismus für die Zukunft der Koalition. Und was...

DWN
Finanzen
Finanzen Hin und Her macht Taschen leer: Wenn Emotionen den Markt treiben
03.05.2026

Die Börse zittert – nicht wegen Fakten, sondern wegen Stimmungen. Tweets, Schlagzeilen und kurzfristige Impulse treiben Kurse in...

DWN
Finanzen
Finanzen Kunst als alternative Geldanlage: Warum Einsteiger oft klein beginnen müssen
03.05.2026

Der Aufbau einer Sammlung wirkt für viele komplex und exklusiv, doch zunehmend rücken auch erschwingliche Objekte als alternative...

DWN
Finanzen
Finanzen V2G für E-Autos: Wie Fahrzeughalter am Strommarkt verdienen könnten
03.05.2026

E-Autos könnten mit V2G künftig stärker in das Stromnetz eingebunden werden und Besitzern neue Einnahmen ermöglichen. Welche Hürden...

DWN
Politik
Politik Energiepreise: EU erlaubt mehr Staatshilfen für Industrie und Landwirte
03.05.2026

Die Industrie ächzt unter hohen Energiepreisen, Landwirte sorgen sich mit Blick auf Düngemittel. Die EU-Staaten dürfen ihnen deshalb...

DWN
Panorama
Panorama Kultfahrzeuge aus der DDR: Warum Trabant, Wartburg und Simson weiterleben
03.05.2026

Einst ausgemustert, heute begehrt: Fahrzeuge aus der DDR gelten als Kultobjekte mit wachsender Fangemeinde. Doch hinter dem nostalgischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Stagflationsschock: EU warnt vor Finanzkrise durch milliardenschwere Energiepreisbremsen
03.05.2026

Die EU-Kommission warnt vor einer Finanzkrise infolge des Irankriegs. Grund sind die um 60 Prozent gestiegenen Energiepreise und drohende...