Immobilien

Gewerbeimmobilien: Enorme CO2-Einsparungen möglich durch Sanierungen

Gewerbliche Gebäude sind pro Quadratmeter energieintensiver als Wohngebäude. Die Steigerung der Energieeffizienz in diesem Segment durch Sanierungen wäre ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele in Europa und anderswo. Doch noch geschieht dies nicht in dem Umfang, der erforderlich ist - denn es gibt große Hindernisse für Firmen. Der Technologiekonzern Siemens schlägt Lösungen vor.
24.03.2024 10:10
Lesezeit: 2 min

Eine aktuelle Siemens-Studie hat die Menge an CO2 berechnet, die in den USA, China, Europa und Indien bis 2030 im Gewerbeimmobilien-Sektor durch energieeffiziente Lösungen eingespart werden könnte.

Studien-Autoren zitierten Experten, die davon ausgingen, dass eine umfassende Modernisierung den Energieverbrauch von Gewerbegebäuden – darunter Büros, Fabriken, Kliniken und Schulen – um bis zu 40 Prozent senken kann. Doch eines der Haupthindernisse ist der große Investitionsbedarf bei gewerblichen Immobilienbesitzern.

Das Papier von Siemens Financial Services (SFS) hat sich auf die CO2-Menge für die Länder und Regionen mit den weltweit höchsten Emissionen fokussiert: USA (71,35 MtCO2e), China (71,45), Europa (52,86) und Indien (14,91). Weil diese Länder für den Großteil des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind, entsprechen die geschätzten Mengen mehr als acht Prozent der jährlichen CO2-Emissionsreduktionsziele, die von dem „Weltklimarat“ (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) offiziell festgelegt wurden.

Finanzierung muss gesichert werden

Für die Modernisierung von Gewerbegebäuden muss die Finanzierung für Firmen gesichert sein, sagte SFS. „Den Gebäudebestand durch Renovierungsmaßnahmen CO2-neutral zu machen, gehört mithin zu den wichtigsten Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele. Jedoch behindern die Inflation, höhere Zinsen und Brennstoffkosten sowie Unterbrechungen in den Lieferketten die Umsetzung, “ kommentierte die Firma, die sich auf internationale Finanzlösungen spezialisiert.

Der Bedarf an servicebasierte Finanzierungsmodelle, die Immobilieneigentümer in die Lage versetzen, den Gewerbeimmobilienbestand auf Cashflow-freundliche Weise zu sanieren, sei hoch. Diese Finanzierungen würden Gewerbeimmobilien-Eigentümer helfen, die Betriebskosten ihrer Gebäude zu senken, ohne finanzielle Risiken eingehen zu müssen.

Klaus Meyer, Leiter des Commercial Finance-Geschäfts von Siemens Financial Services in Deutschland, sagte es käme angesichts der aktuellen Klimaziele darauf an, die Dekarbonisierung von Gebäuden zu unterstützen. „Deren Emissionen tragen schließlich schon heute erheblich zum weltweiten Treibhauseffekt bei und drohen, sich bis 2050 sogar noch zu verdoppeln,“ so Meyer.

Deutschland: Energetische Sanierung bei Wohnungsbestand rückläufig

In Deutschland ist der Gebäudesektor von entscheidender Bedeutung für die Klimawende: Rund 36 Prozent der Co2-Emissionen stammen aus dem Sektor und circa 40 Prozent der End-Energie wird im Sektor verbraucht.

Bis 2030 gegenüber 1990 sollen die Emissionen um mindestens 65 Prozent und bis 2040 gegenüber 1990 um mindestens 88 Prozent gesenkt werden. Auch gelten in einzelnen Sektoren bis 2030 zulässige Jahresemissionsmengen. Einem Papier des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (IW) zufolge hat Deutschland im letzten Jahrzehnt jedoch gerade 20 Prozent geschafft.

Die IW-Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 2022 etwa 67 Milliarden Euro für energetische Sanierung ausgegeben wurde – aufgeteilt auf die Bereiche Dämmung, neue Fenster und. Heizung. Für Heizung, aber auch für Dämmung, wurde insgesamt am meisten ausgegeben gegenüber 2011 – ein Plus von rund 40 Prozent. Doch real – mit der Inflation angelegt – war es ein Rückgang um die 13 Prozent. Dabei gab es den größten Anstieg noch bei den Heizungen (Heizungsausgaben sind um etwa 10 Prozent real gestiegen) aber in vielen anderen Bereichen gab es Rückschritte. Die IW-Autoren betonten, dass Innovationen jetzt sehr wichtig sei, um schnell bei der energetischen Gebäudesanierung in ganz Deutschland voranzukommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
11.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gerresheimer-Aktie im freien Fall: Jahresabschluss verschoben, SDAX-Ausschluss droht – was der Bilanzskandal für Anleger bedeutet
11.03.2026

Für die Gerresheimer-Aktie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Nach Bilanzfehlern und Untersuchungen der BaFin verzögert sich...

DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...

DWN
Politik
Politik Moskau bestätigt Kriegsziel nach Angriff auf Fabrik: Ukraine entwaffnen
11.03.2026

Nach einem ukrainischen Angriff mit mehreren Toten reagiert Moskau – und macht auch Großbritannien Vorwürfe. Kremlsprecher Dmitri...