Politik

Marktverzerrungen? Scholz fordert fairen Wettbewerb in China

Deutsche Firmen klagen seit Jahren über einen verzerrten Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Die Elektroauto-Industrie steht im Fokus. Nun hat sich der Bundeskanzler auf seinem dreitägigen China-Besuch eindeutig positioniert.
15.04.2024 12:28
Lesezeit: 2 min

Angesichts möglicher EU-Strafzölle gegen in China produzierte Elektroautos hat Bundeskanzler Olaf Scholz faire Wettbewerbsbedingungen in der Volksrepublik gefordert. „Wir möchten natürlich, dass unsere Unternehmen keine Beschränkungen haben, aber umgekehrt verhalten wir uns genauso, wie wir es hier fordern“, sagte Scholz während seiner dreitägigen China-Reise am Montag bei einer Diskussion mit Studenten in Shanghai.

Scholz: Preisdumping darf es nicht geben

Es dürfe kein Dumping und keine Überproduktion geben. Außerdem dürften Urheberrechte nicht beeinträchtigt werden. Es sei auch sehr wichtig, dass Unternehmen Produktionsstätten errichten dürften und dies nicht durch bürokratische Hürden erschwert werde, betonte der SPD-Politiker. Scholz erläuterte zudem, dass der Schutz von geistigem Eigentum eine „ganz, ganz wichtige Frage“ sei. „Das ist ein großes Thema, auch übrigens eine große Sorge deutscher Unternehmen, die hier nicht mehr tätig sind.“ Zudem pochte er auf mehr Rechtssicherheit.

Seit dem Herbst ermittelt Brüssel in einer Antisubventionsuntersuchung gegen in China produzierte E-Autos. Der Verdacht lautet auf Wettbewerbsverzerrung, weil staatliche Subventionen dem Vorwurf nach dafür sorgen, dass chinesische Marken ihre E-Autos in Europa zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten können als heimische Hersteller.

Chinas Handelsminister Wang Wentao bestritt diese Vorwürfe. Der Wettbewerbsvorteil chinesischer Elektroauto-Hersteller beruhe nicht auf staatlichen Subventionen, sondern technologischer Innovation und hocheffizienten Prozessen.

Gleiche Bedingungen für alle Autobauer

Scholz verwies darauf, dass es auch Vorbehalte gegeben habe, als japanische und koreanische Wagen auf den Markt der Bundesrepublik gekommen seien. „Es gab große Aufregung in den Zeitungen: Jetzt kommen die japanischen Autos und rollen alles auf - Quatsch“, sagte Scholz. Es gebe deutsche Autos in China, die mit vielen chinesischen Herstellern gemeinsam entwickelt und gebaut worden seien, und inzwischen gebe es logischerweise auch viele chinesische Autos in Deutschland und Europa.

In China klagen einige der rund 5000 deutschen Firmen über Nachteile gegenüber der chinesischen Konkurrenz, erschwerte Marktzugänge und rechtliche Unsicherheiten. Scholz trifft sich heute mit Vertretern von Unternehmen und der deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai, um darüber zu sprechen, welche Probleme die Firmen im Reich der Mitte haben. Der Bundeskanzler wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, der unter anderem die Vorstandschefs von BMW und Mercedes angehören.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Shows: Das Start-up Skydance will mit 1.000 Drohnen Europas Himmel erobern
30.10.2026

400 Drohnen über einem Megafestival, ein QR-Code am Himmel und bald eine Flotte mit 1.000 Fluggeräten: Das slowenische Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Verwirrung bei Rentenzahlung: Wer das November-Geld bekommt – und wem ein Zahlungsstopp droht
30.10.2026

An diesem Freitag werden die gesetzlichen Renten überwiesen. Doch die Zahlung betrifft je nach Rentenbeginn unterschiedliche Monate. Für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wenn Paris brennt, denkt man an Anlageratschläge, Straßen und Blut
30.10.2026

Kann ein brennendes Paris gute Nachrichten für Anleger bedeuten? Auf den ersten Blick klingt diese Frage zynisch. Doch an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung
30.10.2026

Mit dem erneuten Tankrabatt ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Doch eine Trendwende sehen Volkswirte nicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
30.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 49: Die Woche im Rückblick – KW 44
30.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis fällt zum Monatsende deutlich: Warum selbst ein Angebotsdefizit den Kurs nicht stützt
30.10.2026

Der Silberpreis steht zum Monatsende erneut unter Druck. Am Freitagmorgen rutschte der Kurs des Edelmetalls zeitweise nur rund 50,65...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum der Körper im Urlaub schlappmacht
30.10.2026

Der letzte Arbeitstag ist geschafft, der Urlaub beginnt – und plötzlich kommen Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Infekte. Warum der...