Finanzen

Zinswende: Wo gibt es noch Zinsen von über 4 Prozent?

Die Geschäftsbanken senken bereits seit Monaten die Tages- und Festgeldzinsen. Wo erhalten Sparer noch die höchsten Renditen für relativ sichere Zinsanlagen wie Tagesgeld, Staatsanleihen und Co.?
Autor
14.07.2024 20:13
Lesezeit: 3 min
Zinswende: Wo gibt es noch Zinsen von über 4 Prozent?
Die EZB begann im Juni mit Zinssenkungen, aber Geschäftsbanken senken Kontozinsen schon seit einem halben Jahr. (Foto: iStock.com, Alexander Marc Duering) Foto: Alexander Marc Duering

Die EZB hat zwar erst im Juni mit Zinssenkungen begonnen, aber die Geschäftsbanken senken bereits seit etwa einem halben Jahr die Kontozinsen. Laut einer Analyse von Barkow gingen die Tagesgeldzinsen von Januar bis April um 6 Basispunkte zurück (0,06 Prozentpunkte).

Die Zinsen für ein- bis zweijährige Festgelder fielen sogar um 51 Basispunkte (-0,51 Prozentpunkte). Die Geschäftsbanken senken somit die Zinsen „deutlich früher“ als in vergangenen Zinssenkungszyklen, stellen die Marktforscher von Barkow fest.

Sparer haben es inzwischen denn auch schwerer, hohe Zinsangebote zu finden. „Derzeit gibt es keine Investitionsangebote mit einem Zinssatz über 4 Prozent per annum, welche ein vergleichbares Ausfallrisiko haben als Tages- beziehungsweise Festgeldangebote aus Ländern mit einem Länderbonitätsrating von mindestens AA“, erklärt etwa Toni Merkel von Tagesgeldvergleich.net gegenüber DWN.

Laut dem Honorar-Finanzanlagenberater Kevin Kronauer von finsparent sind 4 Prozent Zinsen bloß noch bei riskanten Anlagen drin, etwa bei Hochzinsanleihen (auch junk bonds genannt) oder Einlagen bei Banken aus bonitätsschwachen Ländern. „Von einem Investment würde ich jedoch abraten“, erklärt der Heppenheimer.

Wie hoch rentieren relativ sichere Zinsanlagen?

DWN hat sich nach den höchsten Zinsangeboten bei relativ sicheren Anlagen umgeschaut. Das Ergebnis: Maximal 3,75 Prozent pro Jahr sind derzeit noch drin:

  • Das beste Tagesgeldangebot aus bonitätsstarken Ländern (AA-Rating oder höher) liegt laut Tagesgeldvergleich.net bei 3,75 Prozent.

  • Das höchste Festgeld wirft 3,56 Prozent Zinsen ab und läuft über 12 Monate. Mehr zu den Banken mit den höchsten Tages- und Festgeldzinsen weiter unten.

  • Deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 1,5 bis zehn Jahren werfen eine nominale Rendite von 2,1 bis 3 Prozent pro Jahr ab. Dabei sinkt die Rendite mit zunehmender Laufzeit. Etwa liegen Anleihen mit 1,5 Jahren Restlaufzeit bei einer Umlaufrendite von rund 3 Prozent (zum Beispiel ISIN DE000BU22031, DE0001102390) und mit 3 Jahren Restlaufzeit bei 2,7 Prozent (etwa DE0001135044).

  • Eine inflationsindexierte Bundesanleihe mit 1,8 Jahren Restlaufzeit bietet eine reale Rendite von 1,54 Prozent (DE0001030567). Eine Inflationsanleihe mit 5,8 Jahren Restlaufzeit rentiert inflationsbereinigt mit 0,64 Prozent (DE0001030559). On top kommt jeweils ein Inflationsausgleich.

  • Overnight-Geldmarkt-ETFs, die den Geldmarktreferenzzinssatz €STR (Euro Short-Term Rate) plus 8,5 Basispunkte abbilden, werfen circa 3,75 Prozent Zinsen ab (etwa ISIN LU0290358497).

  • Geldmarkt-ETFs mit Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von maximal 12 Monaten dürften etwas höher als 3 Prozent rentieren (etwa DE000A0Q4RZ9, DE000ETFL227, LU2641054551). Die Rendite kann sich allerdings laufend ändern. Etwa dürfte sie steigen, wenn die EZB die Zinsen senken sollte, und bei steigenden Marktzinsen sinken.

Wo gibt es die höchsten Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld?

Die besten Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld liegen zwischen 3 und 4 Prozent pro Jahr. Die höchsten Angebote machen laut Tagesgeldvergleich.net Banken aus Frankreich, Deutschland, Schweden und Liechtenstein. Beim Tagesgeld liegen folgende Banken vorne:

  • Consorsbank mit 3,75 Prozent pro Jahr (Frankreich, AA-Bonität)

  • Willbe Tagesgeld mit 3,55 Prozent pro Jahr (Liechtenstein, AAA-Bonität)

  • Trade Republic mit 3,75 Prozent pro Jahr für Guthaben im Depot (Deutschland, AAA-Bonität)

  • VW Bank mit 3,4 Prozent pro Jahr (Deutschland)

Scalable Capital bietet sogar 4 Prozent Zinsen, allerdings nur für die ersten vier Monate. Danach sinkt der Tagesgeldzins auf 2,6 Prozent pro Jahr. Zudem müssen Sparer eine sogenannte Prime+-Mitgliedschaft abschließen, die 4,99 Euro pro Monat kostet.

Beim Festgeld liegt laut Tagesgeldvergleich.net ein schwedischer Anbieter vorne:

  • Klarna Festgeld mit 3,56 Prozent pro Jahr über eine Laufzeit von 12 Monaten (Schweden, AAA-Rating)

  • Younited Credit Festgeld mit 3,32 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von 36 Monaten (Frankreich)

  • Aareal Festgeld mit 3,35 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von 60 Monaten (Deutschland)

Wie sicher sind Auslandskonten?

Verbraucherschützer raten allerdings von Konten, die unter eine ausländische Einlagensicherung fallen, ganz ab. Werner Bareis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärte gegenüber DWN, die Sicherheit einer ausländischen Einlagensicherung hänge auch von der Finanzkraft des Landes und dem politischen Willen ab.

Etwa würden die Schweiz, Liechtenstein und Frankreich durch einen großen Bankensektor im Vergleich zur Wirtschaftskraft (BIP) auffallen. In einer Bankenkrise könnte es diesen Länder schwieriger fallen, taumelnde Banken zu stützen. So erklärte etwa der liechtensteinische Regierungspräsident im Handelsblatt, das Land könne im Krisenfall seine Banken nicht alleine retten.

Bareis empfahl außerdem, die Ratings der Bank zu prüfen, etwa durch eine Google-Suche oder eine Anfrage beim Kundenservice der Bank. Generell sind in jedem EU-Staat 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank durch die nationalen Einlagensicherungssysteme gesichert.

Laut Kevin Kronauer sind ETFs, die deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von maximal 12 Monaten enthalten, das „sicherste Investment“. „Aber auch hier kann es zu leichten Kursschwankungen kommen“, fügt er an. Wer weniger Kursschwankung wünsche, könne auf Tages- und Festgelder bei Banken aus bonitätsstarken Ländern setzen oder auf synthetische Euro-Geldmarkt-ETFs (auch Overnight-ETFs genannt).

Sich auf Zinsjagd zu begeben sei hingegen nicht sinnvoll. Vor allem bei Tagesgeldern sei das in der Regel ein unnötiger Aufwand. „Ein Tagesgeldkonto ist gut für den Notgroschen geeignet“, erklärt Kronauer. Wer mehr Rendite wolle, solle lieber überlegen, den Anteil von risikoreichen Anlagen wie Aktien zu erhöhen.

Auch ein Umschichten innerhalb der Zinsanlagen, etwa von Tagesgeld zu Festgeld, sieht der Honorarberater kritisch - selbst wenn Anleger die Strategie beibehalten würden, etwa eine 60/40-Strategie aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Zinsanlagen. „Die allgemeine Marktmeinung ist aktuell, dass die Zinsen dieses Jahr noch weiter sinken werden, was ein Argument für eine Zinssicherungsstrategie sein kann“, erklärt Kronauer gegenüber DWN. „Allerdings kann die allgemeine Marktmeinung auch immer mal wieder daneben liegen (siehe Anfang des Jahres bezüglich der Zinssenkungen).“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Refurbed-Checkliste: 5 Qualitätsstandards, die herkömmliche gebrauchte iPhones nicht erfüllen

Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Qualität sind die Dinge, die für die meisten heutzutage beim Kauf von Smartphones im Mittelpunkt...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KMU unter Druck: Deutscher Mittelstand leidet unter Konkurrenz aus China
26.02.2026

Einst brachte China deutschen Unternehmen glänzende Geschäfte, heute wächst der Druck aus Fernost. Einen harten Wettbewerb mit China...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Chef des Weltwirtschaftsforums tritt zurück
26.02.2026

Der frühere norwegische Außenminister, Børge Brende, legt sein Amt als Präsident des WEF nieder. Was ist über seine Verbindungen zum...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Verlust 2025: Erneut keine Überweisung an die Bundesbank
26.02.2026

Die Zinspolitik der Euro-Währungshüter hinterlässt seit Jahren Spuren in der Bilanz der Europäischen Zentralbank. Über zehn Milliarden...

DWN
Politik
Politik EU-Klimazoll: CO2-Zoll soll auch für Waschmaschinen und andere Waren kommen
26.02.2026

Künftig sollen 180 Industrieprodukte, darunter auch Haushaltswaren, unter den EU-CO2-Zoll fallen. Was die Kommission damit erreichen will.

DWN
Finanzen
Finanzen Kupferpreis-Prognose: Was das Metall über die Industrie verrät – und was für Anleger jetzt wichtig wird
26.02.2026

Der Kupferpreis rückt angesichts globaler Infrastrukturprogramme, Energiewende und geopolitischer Verschiebungen zunehmend ins Zentrum der...

DWN
Politik
Politik Umfrage Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: SPD rückt an CDU ran
26.02.2026

Laut einer Umfrage zeichnet sich ein Trend ab: Die SPD hat aufgeholt. Noch führt die CDU, doch jetzt trennt die Parteien nur noch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffkrieg um Seltene Erden: China, Russland und Trumps Griff nach Grönland
26.02.2026

Rohstoffe sind längst mehr als Wirtschaftsgüter – sie werden zu politischen Druckmitteln. Ob Grönland, Taiwan oder die Ukraine:...

DWN
Technologie
Technologie Fusionsenergie: Stromfresser KI - Kernfusion als Rettung?
26.02.2026

Tech-Welt und Politik trafen sich in den vergangenen Tagen in Indien zum KI-Gipfel. Dabei ging es auch um die Frage, wie der wachsende...