Technologie

Ende des „Nebenkostenprivilegs“ am TV-Markt: Telekom legt zu

Der Wettbewerb am Fernsehmarkt war jahrzehntelang eingeschränkt, Platzhirsch Vodafone hatte es dank einer gesetzlichen Regelung leicht. Das ist vorbei – zur Freude der Telekom.
09.08.2024 08:00
Lesezeit: 2 min

Nach dem Ende des „Nebenkostenprivilegs“, bei dem Mieter für ihren TV-Anschluss über die Betriebskosten zahlen mussten und Kabelnetzbetreiber wie Vodafone dadurch einen großen Vorteil hatte, ist die Deutsche Telekom etwas im Aufwind.

Nach Abzug von Kündigungen seien bei Magenta TV im zweiten Quartal 114.000 Kunden hinzugekommen, teilte das Unternehmen in Bonn mit. Insgesamt sind es nun rund 4,5 Millionen. Damit hat sich das Wachstum beschleunigt, im Jahresauftakt-Quartal hatte es ein Netto-Plus von nur 73.000 gegeben. Bei der Fußball-Europameisterschaft und anderen Events investierte die Telekom massiv in Werbung, um das Geschäft anzukurbeln – vermutlich auch deswegen stieg die Nachfrage an. Aus Sicht von Firmenchef Tim Höttges hat die Marke Magenta TV im vergangenen Quartal „einen Boost“ bekommen.

Teure Werbekampagne trägt Früchte

Zu den TV-Kunden, die an einen Anschluss gebunden sind, kommen noch sogenannte OTT-Kunden, das Kürzel steht für „Over the Top“. Sie beziehen Magenta TV außerhalb ihres Internetvertrags und brauchen dafür keinen Receiver. Von solchen Verträgen habe man „einige Hunderttausend“ verkauft, sagt Finanzvorstand Christian Illek. Ein Teil davon ist aber nur kurzzeitig Kunde: Er hat Magenta TV wegen dessen umfangreichen Angebots zur Fußball-EM gebucht, den Vertrag aber schon wieder gekündigt oder will das noch tun.

Nebenkostenprivileg ist Geschichte

Seit dem 1. Juli dürfen Kosten für das Fernsehsignal nicht mehr über die Nebenkostenrechnung auf den Mieter umgelegt werden. Diese Möglichkeit hatte es jahrzehntelang gegeben, was etwa Platzhirsch Vodafone einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bescherte, auch „Nebenkostenprivileg“ genannt. Die Deutschlandtochter eines britischen Konzerns hatte rund 8,5 Millionen Kunden, die über diesen Weg für den TV-Anschluss zahlten - ob sie wollten oder nicht. Die Vermieter hatten entsprechende Sammelverträge abgeschlossen.

Inzwischen ist das nicht mehr möglich - die Kunden müssen selbst einen Vertrag mit dem TV-Anbieter haben oder freiwillig an einer neuen Form des Sammelvertrags teilnehmen. Seit Jahresbeginn hat Vodafone wegen dieser Gesetzesänderung rund 1,3 Millionen Kunden verloren, im Sommerquartal dürfte noch einmal ein erhebliches Minus hinzukommen.

Unterschiedliche Übertragungsarten

Es gibt verschiedene Wege, um fernsehen zu können. Das kann über Satelliten, Antennen, Kabel und das Internet geschehen. Im Internet gibt es zwar frei zugängliche Sender, etwa über die ARD-Mediathek. Private Sender sind in der Regel aber nicht gratis empfangbar, hierfür muss der Kunde zahlen. Internet-Anbieter wie Zattoo, waipu.tv und eben Magenta TV bieten Zugriff auch auf solche Sender, diese Anbieter sind nun auf Wachstumskurs.

Im Vergleich zu den starken Einbußen von Vodafone hält sich der Zugewinn der Telekom mit rund 187.000 Kunden seit Jahresbeginn in Grenzen. Darauf angesprochen, weist Finanzchef Christian Illek darauf hin, dass es auch Kunden gebe, die gar kein lineares TV mehr wollten. „Die sind aus dem Zwangsanschluss rausgegangen und wollen überhaupt keinen TV-Anschluss mehr.“ Wie viele das sind, sei unklar. „Aber insgesamt sind wir mit der TV-Entwicklung wunderbar zufrieden“, sagt der Telekom-Vorstand.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
09.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 46: Die Woche im Rückblick – KW 41
09.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...