Politik

Heil kündigt Nullrunde bei Bürgergeld 2025 an

Bürgergeld-Empfänger haben Anfang dieses Jahres wegen der starken Inflation eine kräftige Erhöhung bekommen. Nun ist die Teuerung gesunken. Das werden auch die Leistungsempfänger beim Einkauf merken, glaubt der Minister. Die Nullrunde passt aber auch als Reaktion auf den wachsenden Druck, das Bürgergeld abzuschaffen.
04.09.2024 12:05
Lesezeit: 1 min

Nach dem starken Anstieg in diesem Jahr soll es beim Bürgergeld 2025 eine Nullrunde geben. Das sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Bei hoher Inflation müssten auch die Regelsätze entsprechend angepasst werden. Nun sei die Teuerungsrate aber kräftig gesunken. Deshalb sei der Rechtsmechanismus so, dass es Anfang 2025 keine Erhöhung beim Bürgergeld geben werde. „Das ist auch richtig so“, sagte der Minister.

In Not geratenen Menschen müsse geholfen werden, betonte Heil. „Klar ist aber auch: Das ist das Existenzminimum, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Nachgeschärft werden soll auch bei den Sanktionen gegen Jobverweigerer. Es gebe Mitwirkungspflichten, sagte Heil. Solche habe es immer gegeben, die Jobcenter sagten aber, dass diese zu bürokratisch seien.

Es gehe nicht darum, alle unter den Generalverdacht der Faulheit zu stellen. Wenn jemand aber chronisch nicht zu Terminen komme, müsse es Einschränkungen geben. Er wolle auch ein Zeichen gegen Sozialmissbrauch stellen, sagte Heil. So müsse es für Schwarzarbeit trotz Leistungsbezug harte Sanktionen geben. Der Minister kündigte auch einen verbesserten Datenaustausch zwischen den Jobcentern und der Schwarzarbeitskontrolle des Zolls an.

Zwölf Prozent mehr Anfang 2024

Anfang 2024 waren die Beträge, die die Beziehenden von Grundsicherung erhalten, spürbar nach oben gegangenen – für Alleinstehende etwa um 61 auf 563 Euro im Monat. Insgesamt bekamen Bürgergeld-Empfängerinnen und -Empfänger zwölf Prozent mehr Geld vom Staat als 2023. Erwachsene, die mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben, kommen auf 506 Euro. Für Kinder und Jugendliche liegen die Sätze je nach Alter zwischen 357 und 471 Euro.

Die FDP hatte bereits grundlegende Reformen beim Bürgergeld gefordert. FDP-Fraktionschef Christian Dürr hatte gar „eine Anpassung nach unten“ ins Spiel gebracht. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sagte in der Folge, aus seiner Sicht sei dies rechtlich möglich. Die absehbare Nullrunde hatte das Sozialministerium von Heil bereits Ende Juli in Aussicht gestellt. „Wir rechnen im Moment damit, dass angesichts der jetzt rückläufigen Preissteigerungsraten wahrscheinlich nach jetziger Lage zum 1. Januar 2025 es auch sein kann, dass es keine Erhöhung geben wird“, hieß es damals.

Problematisch an Heils Argumentation ist, dass die Inflationsrate derzeit vor allem in den niedrigeren Energie- und Benzinpreisen begründet liegt. Da Bürgergeld-Empfänger aber eher kein Auto fahren, kommt ihnen das auch nicht zugute. Bei den Lebensmittelpreisen indessen kann diesen Sommer von Entspannung nicht die Rede sein. Heil reflektiert womöglich mit seiner Entscheidung mehr die wachsende Kritik am Bürgergeld und zahlt darauf ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Politik
Politik Entlastungsprämie: Warum viele bei der Prämie leer ausgehen
14.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele bei...

DWN
Politik
Politik Teuer und ineffizient: CDU-Generalsekretär Linnemann will Krankenkassen streichen
14.04.2026

CDU-Generalsekretär Linnemann fordert weniger Krankenkassen. Warum er weniger Kassen für ausreichend hält und welche Reformen er noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krankenstatistik im Unternehmen: Wie Sie Fehlzeiten auswerten – mit und ohne Software
14.04.2026

Fehlzeiten sind eine betriebswirtschaftliche Größe und keine bloße HR-Kennzahl. Wer Fehlzeiten korrekt definiert, strukturell auswertet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Aktie: BMW verkauft weniger Autos - Es geht wieder bergab
14.04.2026

China und das Geschäft mit Elektroautos haben BMW ausgebremst. Der Elektroabsatz ist um 20 Prozent eingebrochen. In Deutschland und bei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russisches LNG bleibt gefragt: Europa reagiert auf angespannte Märkte
14.04.2026

Europa greift verstärkt auf russisches LNG zurück, während geopolitische Spannungen die globalen Energiemärkte neu ordnen. Wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflationsschock: Steigende Lebenshaltungskosten schüren finanzielle Ängste
14.04.2026

Die Furcht vor der Inflation sitzt tief in Deutschland. Die größten Sorgen machen sich laut einer Umfrage der Allianz aber nicht...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Pleitewelle geht weiter: Firmenpleiten auch im Januar gestiegen
14.04.2026

Gastgewerbe, Bau und Verkehr trifft es besonders: Warum die Pleitewelle nicht abebbt und Experten für das laufende Quartal wenig Hoffnung...

DWN
Panorama
Panorama Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Was aktuell gilt
14.04.2026

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist gesetzlich geregelt, sorgt aber immer wieder für Unsicherheit. Besonders kompliziert wird es,...