Finanzen

Erneuter Goldpreis-Rekord: 2.600 Dollar nur noch eine Frage der Zeit

In unsicheren Zeiten wie aktuell ist Gold als „Safe-Haven“-Anlage sehr beliebt. Hinzu kommen sinkende Zinsen, die Investitionen in das gelbe Edelmetall attraktiver machen, und unzählige weitere Faktoren. Unterm Strich markierte der Goldpreis am heutigen Handelstag erneut ein Allzeithoch.
16.09.2024 17:04
Lesezeit: 3 min

Die Rekordjagd beim Goldpreis hat sich mit der Aussicht auf sinkende Zinsen in den USA fortgesetzt. Am Morgen stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Börse in London bis auf 2.589,64 US-Dollar und damit so hoch wie noch nie. Auch in Euro gerechnet erreichte die Notierung am Montag ein Rekordhoch bei 2.334,80 Euro je Unze. Der Goldpreis aktuell (Stand: 16 Uhr nachmittags) liegt bei 2580 Dollar.

Die Marke von 2.600 Dollar ist nun zum Greifen nahe. Im Terminhandel mit US-Futures (Dezember-Kontrakt) übertraf der Goldpreis schon Ende letzter Woche erstmals in der Geschichte diesen Schwellenwert.

Bereits in den vergangenen Handelstagen hatte es neue Goldpreis-Rekorde gegeben. Stärkster Preistreiber ist die Aussicht auf sinkende Zinsen. Nach klaren Hinweisen aus den Reihen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird am Mittwoch fest mit der ersten Leitzinssenkung seit der Inflationswelle gerechnet. Die US-Zentralbanker haben allerdings Ausmaß und Abfolge künftiger Zinsschritte offen gelassen. Man will dies zu gegebener Zeit basierend auf der Entwicklung der Konjunktur entscheiden.

Sinkende Zinsen, schwacher Dollar und geopolitische Krisen sind gut für Goldanleger

Da Gold selbst keine Zinsen abwirft, verstärkt die Aussicht auf fallende Zinsen für (Staats-)Anleihen die Nachfrage nach dem Edelmetall. Der Kauf oder das Halten von Gold verursacht Opportunitätskosten und diese sinken bei niedrigeren Zinsen, was das gelbe Edelmetall als Geldanlage attraktiver macht. Tiefere Marktzinsen zogen in der Vergangenheit meist steigende Goldpreise nach sich und umgekehrt.

Sollte die Fed bei den nächsten Sitzungen die Zinsen stärker als erwartet senken, könnte das dem Goldpreis noch mehr Schub verleihen. Auch der Ausgang der bevorstehenden US-Wahlen dürfte den Goldpreis beeinflussen. Beide Parteien sind zögerlich, was die eigentlich nötige Dämpfung der beunruhigenden Staatsausgaben-Dynamik angeht umd die Republikaner um Trump diskutieren massive Zollerhöhungen - vor allem gegenüber China. Beides sind Faktoren, die die Inflation anheizen und sich wohl ebenfalls positiv auf den Goldpreis auswirken würden.

Seit etwa einer Woche geht es mit dem Goldpreis zum Teil kräftig nach oben. In dieser Zeit hat das Edelmetall fast vier Prozent an Wert gewonnen. Mit der Aussicht auf sinkende Zinsen hat auch der US-Dollar zuletzt an Wert verloren, was dem Goldpreis zusätzlichen Auftrieb verleiht. Da Gold auf dem Weltmarkt in der Regel in Dollar gehandelt wird, macht eine Kursschwäche der amerikanischen Währung das Edelmetall in vielen Ländern günstiger, was die Nachfrage und damit den Preis

Ein weiterer Treiber für den Goldpreis ist die Sorge einer weiteren Zuspitzung der geopolitischen Lage durch den Gaza-Krieg im Nahen Osten und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Anleger vertrauen auf Gold als sicheren Hafen in Krisenzeiten.

ETF-Investoren kaufen weiter zu

Es waren in den letzten ein bis zwei Jahren hauptsächlich Institutionelle Anleger, die netto Gold verkauften und deshalb vom rasant zulegenden Goldpreis kaum profitierten. Vor einigen Wochen haben die Deutschen Wirtschaftsnachrichten Faktoren für neue Goldpreis-Rekorde analysiert und in diesem Kontext gemutmaßt, dass Gold-ETFs sehr bald größere Zuflüsse verzeichnen dürften. Dies hat sich bewahrheitet. Edelmetall-Investoren akkumulierten im Juli netto 3,7 Milliarden Dollar oder 48 Tonnen in Gold-ETFs, was der höchste Wert seit Beginn des Ukrainekriegs im März 2022 ist. Im Juni stand unterm Strich nur ein Plus von 1,4 Milliarden Dollar.

Für den Anstieg waren in erster Linie in den USA (26 Tonnen) und der EU (17 Tonnen) gelistete ETFs verantwortlich, wie aus Daten des Branchenverbandes World Gold Council hervorgeht. Auch in Asien wurde über moderate ETF-Zuflüsse berichtet, die aber größtenteils in den Vormonaten passierten, als Investoren relativ kontinuierlich zukauften. Im gesamten Jahresverlauf haben Gold-ETFs immer noch rund zwei Prozent an Goldbeständen verloren (minus 72 Tonnen), aber durch den starken Anstieg des Goldpreises wuchs das in solchen börsengehandelten und physisch besicherten Fonds verwaltete Vermögen um 15 Prozent.

Deutsche Anleger sind allerdings immer noch noch recht zurückhaltend mit ihren Goldinvestitionen, wie der Gold-Investor-Index (GII) des Handelshauses BullionVault zeigt. Es ist unklar, ob die traditionell goldaffinen Deutschen trotz oder wegen des Goldpreis-Rekord so zögerlich sind.

Zentralbanken akkumulieren Gold

Als weitere Gründe für den stetig steigenden Goldpreis ist der Kauf durch Zentralbanken zur Aufstockung der nationalen Reserven zu nennen. Währungshüter kauften im Juni netto 37 Tonnen zu. Im gesamten zweiten Quartal erwarben die weltweiten Zentralbanken rund 183 Tonnen des gelben Edelmetalls, was zwar deutlich niedriger als im ersten Quartal (300 Tonnen), aber sechs Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals lag. Dies entspricht knapp 15 Prozent der gesamten Goldnachfrage in diesem Zeitraum von 1258 Tonnen.

Auch wenn die chinesische Notenbank sich in jüngster Zeit zurückhält, so kaufen andere fleißig zu. Und längst nicht alle Kaufaktivitäten laufen offiziell ab. Laut einer Analyse des Edelmetall-Dienstleisters Money Metals hat etwa die saudische Zentralbank seit Anfang 2022 heimlich 160 Tonnen Gold aus der Schweiz importiert.

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Jakob Schmidt

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Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

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