Politik

CDU-Parteitag: Heizungsgesetz, Turbo-Einwanderung und Bürokratie-Abbau - das sieht Merz' 15-Punkte-Plan vor

Auf dem CDU-Parteitag will die Union zum Wahlkampf einen 15-Punkte-Plan beschließen. Das "Sofortprogramm" sieht neben einer strikteren Migrationspolitik auch Maßnahmen zur Wirtschaft und inneren Sicherheit vor. CDU-Spitzenpolitiker loben das Papier, Kritik kommt von der SPD. Wir geben einen Überblick, was die Union plant.
03.02.2025 11:13
Aktualisiert: 03.02.2025 11:13
Lesezeit: 3 min
CDU-Parteitag: Heizungsgesetz, Turbo-Einwanderung und Bürokratie-Abbau - das sieht Merz' 15-Punkte-Plan vor
Friedrich Merz (l), Kanzlerkandidat der CDU und Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, beim 37. Bundesparteitag der CDU (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl will die CDU am Montag auf einem Parteitag ein "Sofortprogramm" mit den Migrationsplänen von Parteichef und Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz beschließen. Das Papier enthält ein 15-Punkte-Programm - darunter den Fünf-Punkte-Plan von Merz, der Zurückweisungen an den Grenzen und dauerhafte Grenzkontrollen vorsieht.

Darüber hinaus will die Union mit einer Reihe von Gesetzen die weiter schrumpfende Wirtschaft ankurbeln und die innere Sicherheit fördern. Zudem will die CDU Entscheidungen der gescheiterten Ampel-Regierung wie das Heizungs- und das Cannabis-Gesetz zurücknehmen. Mit Spannung wird erwartet, ob es auf dem Parteitag zu offener Kritik an Merz' Kurs durch die 1.001 Delegierten kommt.

Rückendeckung für Merz aus der CDU-Spitze

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und andere CDU-Spitzenpolitiker stärkten Merz den Rücken. Rhein sieht in der aktuellen Debatte sogar einen Vorteil für die Union: „Die Bürgerinnen und Bürger und die Wählerinnen und Wähler wissen jetzt, wer wo steht, wer für welche Position steht." Sehr klar geworden sei auch: "Mit Rot und Grün gibt's keine Kehrtwende bei der Migrationspolitik."

CSU-Chef Markus Söder sieht die Union durch die jüngsten Abstimmungen zur Migrationspolitik gestärkt. Seit Jahren glaubten die Menschen nicht mehr, dass gegen illegale Migration etwas unternommen wird. "Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr Ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen."

CDU-Parteitag von Protesten begleitet - Kritik kommt von der SPD

Bereits am Wochenende gingen bundesweit Zehntausende auf die Straße, um gegen eine Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD zu demonstrieren. Die größte Kundgebung fand am Sonntag in Berlin statt. Unter dem Motto „Aufstand der Anständigen – Wir sind die Brandmauer!“ zogen nach Angaben der Polizei etwa 160.000 Menschen durch die Stadt, während die Veranstalter sogar von 250.000 Teilnehmern sprachen.

Publizist Michel Friedman, der nach der umstrittenen Abstimmung im Bundestag aus der CDU ausgetreten war, stellte auf der Demonstration jedoch klar: „Die CDU ist eine demokratische Partei.“ Gleichzeitig kritisierte er die Unionsführung scharf: „Der Fehler bleibt unentschuldbar.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sieht hingegen ein „Merz-Problem“. Er kritisierte, dass sich die CDU mit ihrer vermeintlichen „Öffnung zur AfD“ selbst geschwächt habe: „Merz hat es seiner Partei extrem schwer gemacht, nach der Wahl Koalitionspartner zu finden. Er hat sein Wort gebrochen.“

CDU-Sofortprogramm: Schwerpunkte auf Wirtschaft und Sicherheit

Das 15-Punkte-Programm der CDU fasst zentrale Punkte ihres Wahlprogramms zusammen. Die Partei will vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stärken und die innere Sicherheit verbessern. Zu den wirtschaftspolitischen Maßnahmen gehören:

  • Senkung der Stromsteuer und Netzentgelte zur Entlastung von Unternehmen und Verbrauchern.
  • Weniger Bürokratie, u. a. durch den Abbau von Betriebsbeauftragten und die Abschaffung der Bonpflicht.
  • Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit.
  • Steuerfreie Weiterarbeit für Rentner bis zu 2.000 Euro pro Monat.
  • Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent.
  • Wiederherstellung der Agrardieselrückvergütung für Landwirte.
  • Abschaffung des Heizungsgesetzes der Ampel-Regierung.
  • Halbierung der Zahl der Regierungsbeauftragten.

Im Bereich der inneren Sicherheit plant die CDU unter anderem:

  • Speicherung von IP-Adressen zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs von Kindern.
  • Elektronische Fußfesseln für Täter häuslicher Gewalt.
  • Umsetzung des Fünf-Punkte-Plans von Merz zur Begrenzung illegaler Migration.
  • Einführung des „Zustrombegrenzungsgesetzes“.
  • Rücknahme der „Express-Einbürgerung“ der Ampel-Koalition.
  • Abschaffung des Cannabis-Gesetzes.

Merz schließt Zusammenarbeit mit der AfD erneut aus

Merz sagte beim Hallenrundgang, die nächste Regierung müsse Entscheidungen in der Wirtschafts- und Migrationspolitik treffen. "Dafür stehe ich persönlich ein. Genauso wie sehr klar ist und ohne jeden Zweifel klar bleibt: Wir werden mit der AfD nicht zusammenarbeiten", ergänzte er. "Wir haben mit der nie zusammengearbeitet, wir werden mit der nicht zusammen arbeiten. Und da braucht sich niemand Sorge zu machen, dass dies stattfindet."

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Rechtliche Stolperfallen bei Unternehmensgründung und Vertragsgestaltung - Was Entscheidungsträger wissen sollten

Die Gründung eines Unternehmens ist ein entscheidender Schritt für Unternehmerinnen und Unternehmer - eine Phase, die sowohl Chancen als...

DWN
Technologie
Technologie Lego Smart-Brick: Technologischer Meilenstein verändert den Spielwarenmarkt
08.01.2026

Lego befindet sich in einer Phase außergewöhnlicher Marktdynamik und strategischer Neuorientierung. Reicht technologische Innovation aus,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Erholt sich die deutsche Industrie?
08.01.2026

Die deutschen Industrieunternehmen überraschen im November mit einem kräftigen Auftragsschub. Besonders Metallerzeugnisse und der...

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie: Logistikzentrum Erfurt schließt, 2.700 Jobs betroffen
08.01.2026

Der Berliner Modekonzern Zalando zieht die Reißleine und schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. 2.700 Beschäftigte verlieren ihren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Abfindung verhandeln: Wie Sie das Optimale aus Ihrem Jobverlust herausholen
08.01.2026

Die deutsche Wirtschaft streicht Stellen. Um Jobs abzubauen, bieten Unternehmen Mitarbeitern oft hohe Abfindungen an, um die...

DWN
Politik
Politik Venezuelas Ölreserven: Warum Trumps Zugriff die Weltordnung erschüttern könnte
08.01.2026

Donald Trump beansprucht Venezuelas Ölreserven und erhebt damit einen Machtanspruch, der weit über Lateinamerika hinausreicht. Hinter der...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld adé – Kabinett beschließt neue Grundsicherung
08.01.2026

Union und SPD haben sich auf das Ende des Bürgergeldes und eine neue Grundsicherungs-Reform geeinigt. Doch die Gesetzesänderung ist...

DWN
Politik
Politik Private Städte im Vormarsch: Tech-Elite baut Siedlungen außerhalb des Staates
08.01.2026

Tech-Unternehmer und Investoren entwickeln weltweit neue Städte und Sonderzonen mit eigenen Regeln. Geht es um effizientere Strukturen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie hebt ab: Was hinter dem Aufwärtstrend des DAX-Werts steckt und welche Rolle Venezuela spielt
08.01.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist am Donnerstag kräftig nach oben geklettert. Der DAX-Wert setzt damit seine Aufwärtsrally seit Beginn des neuen...