Unternehmen

Der stille Schaden: Was bei Entlassungen oft vergessen wird

Was macht eine faire Kündigung aus? Ein Personalprofi mit 30 Jahren Erfahrung erklärt, wie Fehler im Entlassungsprozess Menschen langfristig beschädigen können.
06.08.2025 13:08
Lesezeit: 1 min
Der stille Schaden: Was bei Entlassungen oft vergessen wird
Wenn Worte Karrieren beenden: Entlassungen gehören zum Management – doch der Ton und der Umgang entscheiden über die Folgen. (Foto:dpa) Foto: Patrick Pleul

Eine Kündigung beginnt nicht mit dem Gespräch

Wer jemals eine Kündigung aussprechen musste, weiß: Es geht um weit mehr als Formalien. Es geht um Menschen, um Würde – und um Folgen, die Jahre später noch spürbar sein können. Davon berichtet Niels Gregers Hansen, langjähriger Personalchef in der dänischen Finanzbranche, der in über 30 Jahren unzählige Entlassungen begleitet hat – und dabei auch eigene Fehler einräumt.

In einem Interview mit Børsen schildert Hansen, was eine gelungene Kündigung ausmacht – und warum gute Prozesse oft viel früher beginnen, als man denkt. Seine Lehren stammen aus mehr als drei Jahrzehnten im Personalmanagement von Unibank, Nordea und Nykredit, zuletzt als Head of HR Operations. Entlassungen sind einschneidende Ereignisse – für beide Seiten. Doch die Verantwortung für den Prozess liegt beim Unternehmen. Hansen betont: „Die Erfahrung des Mitarbeiters mit dem Prozess zählt. Nicht, ob er die Entscheidung akzeptiert.“ Eine gute Kündigung beginne lange vor dem Tag X. Führungskräfte müssten regelmäßig und offen Rückmeldung geben – und frühzeitig signalisieren, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Hansen vergleicht das mit einer Beziehung: „Kommt die Trennung aus heiterem Himmel, ist der Schock am größten. Gibt es vorher ehrliche Gespräche, wird sie anders verarbeitet.“

Vor dem Kündigungsgespräch selbst brauche es einen klaren Plan: Was wird gesagt, wie wird es begründet, was passiert unmittelbar danach? Bleibt der Mitarbeiter vorerst im Unternehmen – oder geht er direkt? Denn: „In diesem Moment ist der Mensch in höchster Alarmbereitschaft.“

Ehrlichkeit, Haltung – und Nachwirkungen

Im Gespräch selbst müsse die Führungskraft Verantwortung übernehmen. Ausflüchte wie „Die Geschäftsleitung hat entschieden“ seien kontraproduktiv. Wichtig sei auch: zuhören, Geduld zeigen, emotionale Reaktionen aushalten.

Hansen erinnert sich an eine eigene Fehlentscheidung: Jahre nach einer Kündigung traf er die betroffene Mitarbeiterin zufällig wieder – und wurde von ihr konfrontiert. Die Begegnung zeigte ihm, wie tief der Prozess nachwirken kann, wenn er schlecht geführt wird. „Man darf nicht unterschätzen, was man bei einem Menschen auslöst“, so Hansen. Entlassungen hinterlassen Spuren – doch ob sie verheilen können, hängt wesentlich vom Umgang des Unternehmens ab.

Bedeutung für Deutschland

Auch in Deutschland wird das Thema Trennungsmanagement immer relevanter – nicht nur wegen wachsender Kündigungswellen im Tech- und Industriesektor. Die Zeiten rein juristisch formulierter Personalprozesse sind vorbei. Unternehmen, die sozial, transparent und empathisch kündigen, stärken nicht nur ihre Reputation, sondern auch ihre Zukunftsfähigkeit: Gute Trennungen sind Teil einer nachhaltigen Unternehmenskultur. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels entscheidet der Umgang mit ausscheidenden Mitarbeitern darüber, wie ein Unternehmen langfristig wahrgenommen wird – intern wie extern.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa-Krise vertieft sich: JPMorgan warnt vor dramatischen Folgen für Amerika
13.12.2025

Die Warnungen von JPMorgan Chef Jamie Dimon treffen Europa in einer Phase wachsender politischer Unsicherheit. Seine Kritik an der...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Textilrecycling: Wie eine schwedische Gründerin die Branche unter Druck setzt
12.12.2025

Ein junges schwedisches Unternehmen behauptet, die nachhaltigste Lösung für das Textilrecycling gefunden zu haben. Die Methode nutzt CO2,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Shein, Temu & Co. betroffen: EU erhöht Kosten für Billigpakete aus Drittstaaten
12.12.2025

Um die Flut günstiger Online-Pakete aus Ländern wie China einzudämmen, beschließt die EU eine neue Importabgabe. Ab Juli 2026 sollen...

DWN
Politik
Politik Regierung reagiert auf Cyberangriffe: Russlands Botschafter einbestellt
12.12.2025

Nach einer Reihe hybrider Angriffe, darunter Falschnachrichten, manipulierte Videos und eine Hacker-Attacke, hat die Bundesregierung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Flix bestellt 65 neue Fernzüge: Ausbau ab 2028 geplant
12.12.2025

Flix will das Fernverkehrsangebot deutlich ausbauen: Das Unternehmen hat beim spanischen Hersteller Talgo bis zu 65 neue Züge geordert....

DWN
Politik
Politik Regierung startet Onlineportal für Bürgerfeedback
12.12.2025

Die Bundesregierung will Bürger und Unternehmen stärker in die Verwaltungsarbeit einbeziehen. Über das neue Portal „Einfach machen“...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU setzt auf Kreislaufwirtschaft: Mehr Rohstoffe aus Schrottautos
12.12.2025

Die EU will die Wiederverwertung von Fahrzeugen deutlich verbessern. Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedsstaaten...

DWN
Immobilien
Immobilien Hausbrände verhüten: Wie Sie sich vor Feuer schützen
12.12.2025

Jährlich gibt es in Deutschland um die 200.000 Haus- und Wohnungsbrände. Eine verheerende Zahl, insbesondere wenn man bedenkt, dass die...