Wirtschaft

Apothekennetz schrumpft - Branche verlangt Reform

In Deutschland schließen immer mehr Apotheken: Allein im ersten Halbjahr sank die Zahl der Standorte um 238 auf 16.803. Damit hat in den vergangenen zehn Jahren rund jede sechste Apotheke aufgegeben. Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Thomas Preis, warnt vor einem anhaltenden Apothekensterben – und fordert rasche finanzielle Anpassungen, um die Versorgung zu sichern.
15.09.2025 15:08
Lesezeit: 2 min

„Das Apothekensterben wird weitergehen, es sei denn, es kommt jetzt sehr schnell eine Anpassung des Honorars und eine Dynamisierung - dann wird dieses Apothekensterben gestoppt werden können“, so Thomas Preis. Mit Dynamisierung ist gemeint, dass Apotheken steigende Kosten weiterreichen und so mehr Geld bekommen können. Nach Darstellung von Preis geht es beim Rückgang der Apothekenzahlen nicht nur um ländliche Regionen, sondern auch um Städte. „Das ist nicht nur die Landapotheke - es gibt leider immer mehr Stadtteile in großen Städten, wo es keine Apotheke gibt.“ Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren, 2024 fiel sie der Abda zufolge auf den niedrigsten Stand seit 1978.

Zu den Gründen zählen Kostendruck und Probleme bei der Nachfolgesuche, wenn Inhaber oder Inhaberinnen von Apotheken in den Ruhestand gehen. Mangels Verdienstmöglichkeiten ziehe es qualifizierte Menschen in die Industrie oder Krankenhausapotheken, beklagt die Abda.

Alarmierend findet Abda-Chef Preis auch die Tatsache, dass im ersten Halbjahr 240 Haupt- und Einzelapotheken zugemacht haben und dieser Zahl nur 23 Neueröffnungen gegenüberstehen. Auch die Zahl der Filialen ist rückläufig.

Online-Apotheken: „Brauchen keine Panikmache“

Unter Druck geraten stationäre Apotheke auch durch Online-Apotheken wie DocMorris und Shop Apotheke. Diese Konkurrenten, die auf Bestellungen im Internet setzen und vor Ort nicht präsent sind mit Standorten, sehen die Entwicklung weniger dramatisch. Der Rückgang der Vor-Ort-Apotheken gefährde nicht die Versorgung, da die Schließungen überproportional Gebiete mit hoher Apothekerdichte betreffe, heißt es in einem Papier des europäischen Verbandes der Online-Apotheken EAEP. Man brauche keine „Panikmache“.

Koalition aus Union und SPD setzt positives Signal

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag Stabilisierungsmaßnahmen für die Branche vereinbart, zu denen auch Verbesserungen bei der Vergütung gehören. Das ist ein Grund, warum sich die Sorgenfalten unter den Apothekern etwas glätten. In einer repräsentativen Online-Befragung von 500 Apothekeninhabern gaben zwar rund 42 Prozent an, dass sie in den nächsten zwei bis drei Jahren eine etwas oder deutlich schlechtere wirtschaftliche Entwicklung an ihrem Standort erwarten. Bei der gleichen Befragung 2023 und 2024 waren es aber je etwa 63 Prozent gewesen.

Rund 31 Prozent beantworteten die Frage in der diesjährigen Umfrage mit deutlich oder etwas besser, ein Jahr zuvor waren es 18 Prozent. Der Rest geht von einer unveränderten wirtschaftlichen Lage aus. Die Koalition aus Union und SPD habe in ihrem Koalitionsvertrag ein positives Signal gesetzt, sagte Preis, nun müsse sie aber auch liefern. „Die Stimmung kann ganz schnell wieder kippen.“

Bei dem am Dienstag startenden Deutschen Apothekertag in Düsseldorf wird Gesundheitsministerin Nina Warken erwartet. Die Inhaber von Apotheken hoffen darauf, dass die CDU-Politikerin das künftige Vorgehen der Bundesregierung konkretisiert.

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