Immobilien

Immobilien: Deutsche wohnen immer größer – trotz Wohnungsmangel

Der Wohnungsmangel gerade in begehrten Städten ist groß - ebenso wie die Klagen über steigende Immobilienpreise. Zugleich sind die Wohnungen im Schnitt größer geworden. Sind die Deutschen in Sachen Wohnraum zu verwöhnt?
24.09.2025 08:26
Lesezeit: 3 min
Immobilien: Deutsche wohnen immer größer – trotz Wohnungsmangel
Verena Hubertz (SPD), Bundesbauministerin, hat einen Wohnungsbau-Turbo angekündigt: „Die Bagger müssen wieder rollen und wir müssen bauen, bauen, bauen.“ (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Wohnungen werden größer – trotz angespannter Lage in Städten

Trotz aller Debatten um Wohnungsmangel und steigende Mieten: Im Schnitt sind die Wohnungen in Deutschland in den vergangenen Jahren größer geworden. Ende 2024 betrug die durchschnittliche Fläche je Wohnung 94 Quadratmeter, die Wohnfläche pro Kopf lag im Mittel bei 49,2 Quadratmetern. Das ist deutlich mehr als zehn Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt.

Seit 2014 sei die durchschnittliche Wohnung im Mittel um 2,5 Quadratmeter gewachsen, die Wohnfläche je Einwohnerin und Einwohner stieg um 2,7 Quadratmeter. Fachleute sehen dahinter zentrale gesellschaftliche Trends wie die Überalterung der Gesellschaft und den Trend zu mehr Single-Wohnungen.

Viele ältere Menschen in großen Eigenheimen

Den Trend zu rechnerisch immer mehr Wohnfläche pro Einwohner gibt es schon seit Jahrzehnten. Noch 1991 standen den Menschen nach früheren Angaben im Schnitt knapp 35 Quadratmetern pro Kopf zur Verfügung. Grund für den Aufwärtstrend seien der gesellschaftliche Wandel, mehr Wohlstand und gestiegen Ansprüche, hieß es.

Ein Grund für den jüngsten Flächenzuwachs ist, dass die Gesamtfläche aller Wohnungen in Deutschland im Zuge des stetigen Neubaus zwischen 2014 und 2024 um gut neun Prozent zulegte. Der Bestand wuchs aber nur um gut sechs Prozent auf 2,5 Millionen Wohnungen. „Die Wohnungen in Deutschland wurden somit im Durchschnitt größer“, schrieben die Statistiker.

Aus Sicht von Max Herbst, Gründer der Frankfurter FMH-Finanzberatung, steckt hinter den Zahlen einerseits die Überalterung der Gesellschaft. „Viele ältere Leute haben vor 30 oder 40 Jahren Häuser gebaut und leben nun allein auf 140 Quadratmetern. Eigentlich müssten die Leute im Alter in kleinere Wohnungen umziehen, aber kaum jemand will sein soziales Umfeld verlassen.“

Trend: Mehr Single-Wohnungen

Dazu komme der Trend zu mehr Single-Wohnungen. „Zu zweit kann man auf 60 oder 70 Quadratmeter wunderbar leben“, sagt Herbst. „Alleine sagen die Menschen, dass unter 40 Quadratmeter nichts mehr geht.“

Wegen der guten Jobperspektiven zieht es viele junge, gut ausgebildete Menschen in die Großstädte. „In manchen Metropolen wie Hamburg haben wir schon über 50 Prozent Single-Haushalte“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Kann man aus den Zahlen schließen, dass die Deutschen in Sachen Wohnraum verwöhnt sind? Voigtländer meint: „Über die vergangenen 20 Jahren ist die Wohnfläche bei Neubauten sicher gestiegen“. In den letzten fünf Jahren gehe der Trend aber wieder zu kleineren Einheiten wegen der hohen Baukosten und gestiegenen Zinsen.

Wohnungsmangel und steigende Mieten

Insbesondere in den Städten ist die Nachfrage nach Wohnraum groß, was die Mieten stetig nach oben treibt. Auch wenn der Neubau wegen gestiegener Zinsen und teurer Baumaterialien schwächelt: Die Zahl der Wohnungen ist 2024 spürbar gestiegen. Ende 2024 gab es in Deutschland rund 43,8 Millionen Wohnungen - 0,5 Prozent oder 238.500 mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte davon (23,5 Millionen) entfiel auf Mehrfamilienhäuser. Rechnerisch bewohnten knapp zwei Menschen eine Wohnung.

In Deutschland fehlen nach Schätzung von Experten Hunderttausende Wohnungen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezifferte den Wohnungsmangel im Mai auf „500.000 und mehr“. Das Ifo-Institut erwartet, dass dieses Jahr nur 205.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Das wären rund ein Fünftel weniger als 2024.

Nachdem schon die Ampel-Regierung am eigenen Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr gescheitert war, will auch die neue Bundesregierung den Wohnungsbau ankurbeln. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat einen „Wohnungsbau-Turbo“ angekündigt. Sie will unter anderem Genehmigungsverfahren beschleunigen, Steueranreize verbessern und die Ausweisung von mehr Bauland ermöglichen. Das Mantra von Hubertz: „Die Bagger müssen wieder rollen und wir müssen bauen, bauen, bauen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Mut zur kreativen Zerstörung": Matthias Bianchi vom Deutschen Mittelstands-Bund im DWN-Interview
18.03.2026

Der deutsche Mittelstand steht unter immensem Druck – Bürokratie, Energiepreise und Fachkräftemangel belasten die Unternehmen massiv....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsflaute: Wenn Panzer Autos ersetzen - Rüstungsindustrie soll Rettungsanker und Chance sein
18.03.2026

Die Absatzschwäche deutscher Autohersteller und Zulieferer trifft auf eine boomende Rüstungsindustrie: Deutschland ist inzwischen...

DWN
Technologie
Technologie KI am Arbeitsplatz: Deutschland holt deutlich auf
18.03.2026

China top, USA flop: Während KI in Deutschland Fahrt aufnimmt, sinkt in den USA die Nutzung. Was steckt hinter der neuen Skepsis und wo...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie unter Kostendruck: Stellenabbau in Deutschland nimmt zu
18.03.2026

Die deutsche Automobilindustrie steht unter wachsendem Druck, da Produktion und Investitionen zunehmend nach Osteuropa abwandern. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Möbelriese Hammer-Baumärkte im Insolvenzverfahren: Räumungsverkauf beginnt
18.03.2026

Nach dem Insolvenzverfahren verschwinden rund die Hälfte aller Hammer-Märkte in Deutschland. Während der Insolvenzverwalter nach einem...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus bleibt blockiert: Durchfahrten nur noch selektiv möglich
18.03.2026

Die Straße von Hormus gerät im Iran-Krieg zunehmend unter politische Kontrolle und verändert die Abläufe im globalen Handel. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Privatökonomie verbessern: Warum viele Haushalte jeden Monat Geld verschenken
18.03.2026

Haben Sie Ihre Finanzen im Griff? Oft verstecken sich unnötige Kosten, ungenutzte Chancen und falsche Entscheidungen direkt im Alltag. Wer...

DWN
Politik
Politik Potsdamer Treffen: Niederlage für „Correctiv“ vor Gericht
18.03.2026

Im Streit über die Berichterstattung der Rechercheplattform „Correctiv“ über das sogenannte Potsdamer Treffen hat das Landgericht...