Technologie

Messenger-Dienste schlagen Alarm: EU-Chatkontrolle bedroht Privatsphäre

WhatsApp, Signal und andere Messenger warnen vor den Folgen der geplanten EU-Chatkontrolle. Die Anbieter sehen die Privatsphäre von Millionen Nutzern in Gefahr – während WhatsApp im Gegensatz zu Signal noch keinen Rückzug erwägt.
06.10.2025 15:18
Lesezeit: 2 min

Der Messenger WhatsApp, der in Deutschland von etwa drei Vierteln der Bevölkerung genutzt wird, spricht sich klar gegen die Einführung einer Chatkontrolle in der EU aus. „Trotz gegenteiliger Behauptungen untergräbt der neueste Vorschlag der Ratspräsidentschaft der EU nach wie vor die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und gefährdet die Privatsphäre, Freiheit und digitale Sicherheit aller“, sagte eine Sprecherin des Facebook-Konzerns Meta, zu dem auch WhatsApp gehört, dem Portal Netzpolitik.org.

Kritik - aber bisher keine Rückzug-Drohung

„Wir setzen uns weiterhin für stärkere Sicherheit ein und sind der Überzeugung, dass Regierungen weltweit dies ebenfalls tun sollten“, sagte die Meta-Sprecherin. In der vergangenen Woche hatte die Chefin des Messengers Signal, Meredith Whittaker, angekündigt, dass man in letzter Konsequenz den europäischen Markt verlassen würde, wenn durch eine geplante EU-Verordnung keine private, verschlüsselte Kommunikation mehr möglich sei. Die Meta-Sprecherin ließ hingegen offen, wie WhatsApp auf eine mögliche Einführung einer Chatkontrolle reagieren würde.

Beim Streit um die Chatkontrolle geht es um eine geplante Verordnung der EU, die sich gegen die Verbreitung von Darstellungen von Kindesmissbrauch richten soll. Das Regelwerk sieht vor, dass private Nachrichten und Fotos von Messengerdiensten wie WhatsApp, Signal, Telegram oder Threema auf strafbare Inhalte durchleuchtet werden können, bevor sie verschlüsselt und versendet werden. Dabei soll vor allem kontrolliert werden, ob es sich um eine Darstellung von Kindesmissbrauch handeln könnte.

Signal-Chefin Whittaker hatte in einem Gespräch die EU-Pläne als Versuch bewertet, eine Hintertür in die Messenger einzubauen. „Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung garantiert die Privatsphäre von Millionen und Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt, oft auch in lebensbedrohlichen Situationen.“ Deshalb lehne Signal die Chatkontrolle ab.

Auch Threema gegen Chatkontrolle

Auch der Messenger Threema aus der Schweiz, der in Deutschland zahlreiche Nutzer hat, stellt sich gegen den Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft. „Wir sind nach wie vor entschieden gegen Massenüberwachung in jeder Form“, sagte Pressesprecher Philipp Rieger gegenüber Netzpolitik.org.

Die Europäische Union berät seit drei Jahren über die entsprechenden Regeln. Mehrere Ratspräsidentschaften scheiterten bereits beim Versuch, einen Kompromiss zu finden, dem genügend Mitgliedsstaaten zustimmen.

Findet sich eine Mehrheit für den Vorschlag, bräuchte es dann noch eine Einigung mit dem Europäischen Parlament. Das sieht eine mögliche Chatkontrolle aber quer durch alle politischen Lager äußert kritisch und wollte den ursprünglichen Vorschlag damals entschärfen.

Neuer Vorschlag könnte nächste Woche zur Abstimmung stehen

Der neue Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft wird im Laufe der Woche von den EU-Staaten auf der Ebene der Botschafter beraten. Zeichnet sich dort eine Einigung ab, könnten die zuständigen Minister der Länder darüber Anfang nächste Woche abstimmen. Doch viele Staaten, darunter auch Deutschland, haben sich bis jetzt nicht klar positioniert. Besonders die Stimmen bevölkerungsreicher Länder fallen aber schwer ins Gewicht und sind somit entscheidend.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleiherenditen setzen Aktien weiterhin unter Druck
02.10.2026

Zinsängste und Arbeitsmarktdaten bewegen die Börsen – was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Raffinerien stoppen Exporte: Was passiert mit den Dieselpreisen in Europa?
02.10.2026

Der weltweite Dieselmarkt steht bereits massiv unter Druck. Nun drosseln chinesische Raffinerien ihre Exporte und konzentrieren sich auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor
02.10.2026

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Scandit stoppt Diebstahl an der Selbstbedienungskasse
02.10.2026

Selbstbedienungskassen sparen Personal, öffnen Händlern aber eine teure Schwachstelle: Kunden scannen Waren falsch oder gar nicht. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: VDMA verlangt Importverbote für Risikoprodukte aus China
02.10.2026

Deutschlands Maschinenbauer warnen vor Wettbewerbsnachteilen durch Produkte, die europäische Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen....

DWN
Technologie
Technologie „Völliger Mist“: So fällt die Kritik an Europas Microsoft-Teams-Alternative aus
02.10.2026

Element Pro soll die Kommunikation sicherstellen, falls Microsoft Teams ausfällt. Die Europäische Kommission betreibt die Lösung auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KNDS zwischen Börse und Panzern: Investoren warten, Waffenaufträge wachsen
02.10.2026

Der Börsengang ist vorerst verschoben, die Auftragsbücher dagegen füllen sich weiter. Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bonuszahlungen: Wenn Boni aus dem Ruder laufen
02.10.2026

Bonusprogramme waren früher oft spontane Belohnungen, heute sind sie ein professionelles Steuerungsinstrument für Vorstände und...