Politik

US-Militärpräsenz in Europa: Warum Trumps Umbau nicht das Ende bedeutet

Droht Europa der Verlust seines wichtigsten militärischen Schutzschilds? Während Donald Trump die weltweite Präsenz der US-Armee neu ordnet, wächst in Osteuropa die Sorge um die eigene Sicherheit. Doch Litauen und seine Nachbarn glauben, dass Amerika bleibt – und dass der Streit über Truppenstärken nur der Beginn einer neuen sicherheitspolitischen Realität ist.
31.10.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
US-Militärpräsenz in Europa: Warum Trumps Umbau nicht das Ende bedeutet
Während Trump die US-Armee weltweit umbaut, wächst in Europa die Nervosität. (Foto: dpa/AP | Mark Schiefelbein) Foto: Mark Schiefelbein

Strategische Neuausrichtung der USA – Europa bleibt im Blickfeld

In den politischen Zirkeln Europas wird seit Monaten über eine mögliche Reduzierung der amerikanischen Truppenpräsenz auf dem Kontinent gesprochen. Litauische Politiker und Sicherheitsexperten sehen die Lage dennoch optimistisch. Selbst im ungünstigsten Fall rechnen sie lediglich mit einer Verringerung der in Litauen und anderen Staaten stationierten Truppen – nicht mit einem vollständigen Abzug. Nach Einschätzung der befragten Sicherheitsexperten ist die militärische Präsenz in Europa auch für die Vereinigten Staaten selbst von strategischer Bedeutung. Zudem wachse die Unzufriedenheit von US-Präsident Donald Trump über die russische Politik unter Wladimir Putin, was Hoffnung auf eine dauerhafte Stationierung wecke. „Wir hören von den Amerikanern keine Aussagen über einen Abzug – im Gegenteil, einige Generäle versichern, dass sie hierbleiben“, sagt Egidijus Papečkys, Experte für Sicherheit und internationale Beziehungen. Gleichzeitig sei klar, dass die US-Armee sich im Umbau befinde und Washington seine globale Präsenz überprüfe. „Diese Überprüfung erfolgt aus globaler Perspektive – nicht speziell mit Blick auf Litauen oder die baltischen Staaten“, erklärt Giedrimas Jeglinskas, Mitglied des litauischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung. Das könne zu einer Umstrukturierung und Verkleinerung der Landstreitkräfte führen, ohne dass daraus ein direkter Rückzug aus Osteuropa resultiere.

Neue US-Verteidigungsstrategie und Finanzfragen

Nach Angaben des litauischen Außenministeriums arbeitet Washington derzeit an zentralen strategischen Dokumenten: der Nationalen Sicherheitsstrategie und der Nationalen Verteidigungsstrategie. Beide sollen die künftigen Prioritäten und Bedrohungen der Vereinigten Staaten festlegen. Aufgrund hierarchischer Verzögerungen im Pentagon sei die Fertigstellung jedoch ins Stocken geraten, so Jeglinskas. Erst wenn diese Grundlagen stehen, könne die sogenannte „Posture Review“ – die weltweite Standortanalyse – abgeschlossen werden. Darüber hinaus hängt vieles vom US-Haushalt für das kommende Jahr ab. Im Mittelpunkt steht dabei die Zukunft der Baltic Security Initiative, die seit 2020 die Verteidigungsfähigkeiten Estlands, Lettlands und Litauens stärkt. Obwohl der US-Kongress im vergangenen Jahr 228 Millionen Dollar genehmigt hatte, sehen die Haushaltspläne des Weißen Hauses für das nächste Jahr keine zusätzlichen Mittel vor. Nach Angaben der „Financial Times“ wird das Programm derzeit neu bewertet.

Remigijus Motuzas, Vorsitzender des litauischen Außenpolitischen Ausschusses, betont: „Der Pentagon signalisiert, dass eine weitere Finanzierung ungewiss ist. Endgültige Entscheidungen erwarten wir Ende Oktober oder Anfang November.“ Litauen erhalte aus diesem Programm jährlich rund sechzig Millionen Euro für den Kauf amerikanischer Ausrüstung (Wechselkurs 1 USD = 0,92 EUR, Stand: Oktober 2025, Quelle: ECB). Auch wenn das US-Repräsentantenhaus im September für eine Stärkung der Initiative votierte, ist die Entscheidung noch offen. Die frühere Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė verweist darauf, dass Washington zunehmend verlange, Europa müsse „für seine eigene Sicherheit selbst bezahlen“. Gleichwohl bleibe für Litauen entscheidend, ob die USA ihre Truppen dauerhaft in Europa stationieren. „Die finanzielle Unterstützung ist wichtig, aber die physische Präsenz der Soldaten hat eine deutlich größere Bedeutung“, so Motuzas.

Europäische Verantwortung und Signalwirkung für Deutschland

Viele Beobachter sehen in der Debatte auch ein politisches Druckmittel: Die USA wollten damit die europäischen NATO-Partner zu höheren Verteidigungsausgaben bewegen. „Washington kritisiert regelmäßig, dass einige Staaten noch immer weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Diese Diskussionen sind Teil normaler Bündnispolitik“, sagt Papečkys. Trotz der globalen Neuausrichtung bleibe Russland eine konstante Bedrohung, und mehrere europäische Politiker – etwa Finnlands Präsident Alexander Stubb – pflegten enge Gesprächskanäle zu Donald Trump. Der litauische Militärexperte Aurimas Navys sieht darin ein positives Zeichen: „Ich bin optimistisch. Es gibt keine Anzeichen für einen Abzug, vielmehr höre ich schärfere Töne gegenüber Moskau.“ Litauen investiert derweil massiv in die Verbesserung der Rahmenbedingungen für US-Truppen – in neue Infrastruktur, modernisierte Trainingsgelände und verbesserte Unterkünfte. Das Außenministerium betont, die USA seien „zentrale Partner bei der Modernisierung der litauischen Streitkräfte“. Für Deutschland ist die Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Sollte Washington seine militärische Präsenz in Europa reduzieren, würde Berlin innerhalb der NATO stärker in die Pflicht genommen, sicherheitspolitische Führungsverantwortung zu übernehmen – etwa durch die geplante Stationierung einer deutschen Brigade in Litauen. Ein vollständiger Rückzug der USA gilt jedoch als unwahrscheinlich.

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