Wirtschaft

Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines großen Rückversicherers zeigen, warum manche Jahre glimpflicher verlaufen und weshalb der Klimawandel dennoch langfristig Risiken verschärft – steht das Schlimmste noch bevor für Wirtschaft und Versicherer?
13.01.2026 14:37
Lesezeit: 2 min
Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
Der Markt Reichertshofen im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen während eines Hochwassers (Foto: dpa).

Klimawandel: Warum Naturkatastrophen immer teurer werden

Höhere Temperaturen sorgen zunehmend für extreme Wetterereignisse – Gewitter, Starkregen oder Trockenheit. Fachleute des Rückversicherers Munich Re analysieren die Folgen.

Die weltweit steigenden Temperaturen vergrößern nach Einschätzung des Rückversicherers Munich Re die Schäden durch Naturkatastrophen. Im vergangenen Jahr verursachten Naturereignisse nach Berechnungen des DAX-Konzerns globale Gesamtschäden von 224 Milliarden Dollar. Das lag zwar unter dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 266 Mrd., doch werteten die Experten des Unternehmens dies lediglich als glücklichen Zufall. So blieben die USA von einem verheerenden Wirbelsturm verschont, obwohl sich im Nordatlantik zahlreiche Hurrikane bildeten.

Stattdessen betonen die Geowissenschaftler der Munich Re einen anderen Aspekt: Die durch "Sekundärgefahren" ausgelösten Schäden nehmen kontinuierlich zu, 2025 war mit 166 Milliarden Dollar in dieser Kategorie das bislang teuerste Jahr. "Dazu zählen Überschwemmungen, Schwergewitter und Waldbrände, Ereignisse, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftreten", sagte Chef-Klimawissenschaftler Tobias Grimm.

"Diese Art von Risiken waren 2025 die maßgeblichen Schadentreiber." Dazu trage der Klimawandel bei. "Er verstärkt nachgewiesenermaßen extreme Wetterereignisse." 2025 habe die Welt in vielen Regionen Glück gehabt, "dass keine größeren Ereignisse gewütet haben". Der Konzern erfasst die weltweiten Katastrophenschäden seit den 1970er Jahren, da diese Daten für die Berechnung von Risiken und Versicherungsbeiträgen relevant sind.

"Der Planet hat Fieber"

Die teuerste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres waren die Waldbrände in Los Angeles mit Gesamtschäden von 53 Milliarden Dollar, davon 40 Milliarden versichert. "Noch nie hat ein Waldbrand mehr gekostet", sagte Grimm. "Der Planet hat Fieber. Und ein wärmerer Planet begünstigt zerstörerisches Wetter."

Dass ein einzelner Waldbrand 40 Milliarden Dollar an versicherten Schäden verursachen kann, galt noch vor wenigen Jahren als undenkbar. "2023, 2024 und 2025 waren die wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen." Der Klimawandel wirkt damit als zentraler Verstärker für Naturkatastrophen.

Ungewöhnlich milde Hurrikansaison

In den vergangenen Jahrzehnten waren es häufig Wirbelstürme, die die größten Zerstörungen verursachten. Doch 2025 stellte in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar, insbesondere blieb die US-Ostküste verschont. "Die Hurrikan-Saison 2025 war bemerkenswert: Es gab 13 benannte Stürme, darunter drei der höchsten Kategorie fünf", sagte Grimm. "Doch kein Hurrikan hat die USA direkt getroffen."

Tropische Wirbelstürme – je nach Region Hurrikan, Taifun oder Zyklon genannt – entstehen, wenn die Oberflächentemperaturen der Meere etwa 27 Grad Celsius erreichen. "2025 waren die Meerwassertemperaturen nach wie vor überdurchschnittlich hoch, wenn auch etwas niedriger als 2024", sagte Grimm. Auch hier spielt der Klimawandel eine entscheidende Rolle.

Nicht wetterbedingt sind Erdbeben: Nach den Waldbränden von Los Angeles folgte auf Rang zwei der teuersten Katastrophen des vergangenen Jahres das Erdbeben in Myanmar mit einer Magnitude von 7,7. Es forderte 4.500 Menschenleben und zerstörte Sachwerte von rund 12 Milliarden Dollar.

Europa kommt relativ glimpflich davon – noch

Nach Weltregionen aufgeschlüsselt traf es – wie üblich – Nordamerika einschließlich der Karibik und Mittelamerikas mit volkswirtschaftlichen Gesamtschäden von 133 Milliarden Dollar am stärksten. Es folgten Asien und der Pazifikraum mit 73 Milliarden Dollar. Europa kam vergleichsweise glimpflich davon, die Munich Re bezifferte die Gesamtschäden auf 11 Milliarden Dollar. Die teuersten Ereignisse waren eine ausgeprägte Kältewelle in der Türkei mit Schäden von zwei Milliarden Dollar sowie Hagelstürme in Frankreich, Österreich und Deutschland, die Werte von 1,2 Milliarden Dollar vernichteten.

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