Wirtschaft

Trumps Drohung gegen Grönland: Dieses Unternehmen könnte Europa als Trumpf ausspielen

Während der Handelsstreit mit den USA eskaliert, sucht Europa nach wirksamen Hebeln gegen Washington. Zölle sind das eine – doch ein scheinbar unscheinbarer Konzern könnte die entscheidende Rolle spielen. Übersieht die EU ausgerechnet ihre stärkste Waffe?
19.01.2026 12:53
Aktualisiert: 19.01.2026 12:53
Lesezeit: 1 min
Trumps Drohung gegen Grönland: Dieses Unternehmen könnte Europa als Trumpf ausspielen
Die US-Techindustrie braucht EUV-Maschinen zur Chipproduktion aus Europa – das macht ein Unternehmen besonders mächtig. (Foto: iStockphoto.com/kynny) Foto: kynny

Das „unbekannte“ Unternehmen ist Europas stärkstes Ass

Der Handelskonflikt eskaliert – und Europa erwägt Vergeltungszölle auf US-Waren im Umfang von umgerechnet rund 93 Milliarden Euro. Doch die EU hat noch ein anderes Ass im Ärmel: Die US-Techindustrie ist in einem entscheidenden Punkt von einem einzigen niederländischen Unternehmen abhängig – und ein Exportstopp hätte enorme Auswirkungen.

Europas stärkstes Druckmittel gegenüber der Trump-Administration ist „das wichtigste Unternehmen, von dem Sie noch nie gehört haben“, wie der niederländische Tech-Konzern oft genannt wird. Viele kennen inzwischen Chipfertiger wie TSMC aus Taiwan, Samsung aus Südkorea oder Intel aus den USA. TSMC produziert einen Großteil der stark nachgefragten Nvidia-Chips, die im Zentrum des aktuellen KI-Booms stehen. Weniger bekannt ist dagegen, dass die gesamte Halbleiterindustrie in zentralen Produktionsschritten von ASML abhängig ist – mit Hauptsitz in den Niederlanden.

Ist die US-Techindustrie abhängig von ASML?

ASML ist der weltweit wichtigste Lieferant von Anlagen zur Herstellung modernster Halbleiter und verfügt faktisch über eine Monopolstellung in der hochpräzisen Lithografie-Technologie. Vereinfacht gesagt entwickelt ASML Lithografie-Maschinen, die auf Nanometer-Ebene Strukturen auf Silizium-Wafer „schreiben“. Aus diesen Mustern entstehen Transistoren – die Grundbausteine moderner Chips. Ohne Lithografie-Anlagen gibt es keine fortschrittlichen Halbleiter für die Rechenzentren, die heute KI-Plattformen antreiben.

ASML ist zudem der einzige Anbieter weltweit, der Maschinen für die sogenannte Extrem-Ultraviolett-Lithografie (EUV) baut. Diese Technologie brauchte über 20 Jahre Entwicklungszeit, und das Unternehmen investierte dafür zweistellige Milliardenbeträge in Forschung und Entwicklung – weshalb kein Wettbewerber auch nur annähernd aufschließen konnte. Eine Maschine kostet bis zu 200 Millionen US-Dollar, und ASML verkauft jährlich rund 500 bis 600 Anlagen.

Ein niederländisches Unternehmen als Trumpf im Kampf gegen die mächtige US-Wirtschaft?

Die Niederlande, die USA und die EU stufen ASML als strategische Infrastruktur ein, und der Export der modernsten Anlagen nach China ist stark eingeschränkt. Im eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und Europa wurde nun bekannt, dass europäische Spitzenpolitiker weitreichende Gegenzölle gegen US-Produkte prüfen – im Umfang von rund 93 Milliarden Euro. Im Frühjahr stellte die EU eine Liste mit 7.000 Produkten zusammen; derzeit wird diskutiert, diese Maßnahmen zu aktivieren – anstelle der sogenannten „Handelsbazooka“ der Union.

Auf dieser Liste fehlen allerdings ASMLs Maschinen: Lithografie-Anlagen mit der Exportkennziffer 84862000 tauchen nicht auf – sie fehlen zwischen Handwerkzeugen (84678900) und Staubsaugern (85081100). Europas stärkstes Druckmittel hat die EU damit offenbar nicht einmal berücksichtigt. Bleibt zu hoffen, dass Vertreter einzelner Mitgliedstaaten das beim nächsten Treffen zur Sprache bringen.

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