Finanzen

Tesla-Aktie im Fokus: Roboter von Elon Musk verschlingen Millionen Tonnen Kupfer

Tesla wird an der Börse nicht für heutige Verkaufszahlen bezahlt, sondern für eine Zukunft aus Robotaxis und humanoiden Robotern. Doch je näher die Serienfertigung rückt, desto deutlicher werden die Risiken: Wird ausgerechnet ein Rohstoff zum Flaschenhals?
25.01.2026 17:17
Lesezeit: 3 min

Tesla-Aktie im Fokus: Droht ein Kupfer-Engpass für Tesla-Roboter Optimus?

Die Bewertung von Tesla steht auf zwei Säulen: autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern. Analysten von S&P Global sehen bei der Produktion der Letzteren jedoch einen Engpass. Wirkt sich das auch auf die Tesla-Aktie aus?

Obwohl das US-Unternehmen seit längerer Zeit enttäuschende Absatzzahlen bei Elektroautos verzeichnet, setzen Investoren weiterhin große Hoffnungen in den von Elon Musk geführten Konzern, schreibt das slowenische DWN-Partnerportal Finance. Diese Erwartungen spiegeln sich in der ambitionierten Bewertung wider: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die Prognosen 2026 liegt bei über 200. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV der Unternehmen der sogenannten „Magnificent Seven“ (zu denen Tesla gehört) beträgt 31,5, beim breiten S&P-500-Index sind es 23,1 – wie Bloomberg-Daten zeigen.

Autonome Fahrzeuge und Roboter treiben Bewertung der Tesla-Aktie

Die Fantasie der Investoren beflügeln jedoch nicht das Model S oder der Cybertruck, sondern autonome Fahrzeuge (sogenannte Robotaxis) sowie humanoide Roboter. Autonome Taxis fahren bereits durch die Straßen von Austin, der Hauptstadt von Texas. Die Optimus-Roboter hingegen werden bislang vor allem auf Konferenzen präsentiert – die Serienfertigung soll erst in einigen Jahren beginnen. Laut Elon Musk könnten Optimus-Roboter künftig rund 80 Prozent des Unternehmenswertes ausmachen. Der Robotikmarkt soll stark wachsen: Bis 2035 könnte er ein Volumen von 200 Milliarden US-Dollar erreichen, schätzen Analysten von Barclays. Für 2050 prognostizieren Experten von Morgan Stanley sogar 5 Billionen US-Dollar.

Doch die Verbreitung humanoider Roboter könnte durch mehrere Faktoren gebremst werden: durch hohe Stückkosten von geschätzten 150.000 bis 200.000 US-Dollar pro Roboter – und durch einen möglichen Kupfermangel, warnen Analysten von S&P Global. Tesla plant bis 2030 eine Produktionskapazität von 1 Million Robotern pro Jahr, in späteren Jahren soll die Fertigung sogar in Milliardenstückzahlen gemessen werden. Dabei könnte ein einzelner Roboter laut dem Bericht zwischen 4 und 8 Kilogramm Kupfer benötigen.

Kupfermangel? China ist das größere Problem

Ein Defizit von 10 Millionen Tonnen – damit rechnen Analysten von S&P Global im Jahr 2040, wenn die Nachfrage auf 42 Millionen Tonnen steigt. Das wäre rund 50 Prozent mehr als heute. Den Berechnungen zufolge könnten Kupferproduzenten künftig nur etwa drei Viertel des globalen Bedarfs decken. Die Analysten nennen vier zentrale Nachfragetreiber: klassische Konsumgüter (Haushaltsgeräte, Computer etc.), erneuerbare Energien (unter anderem Elektroautos, Solar- und Windparks sowie Energiespeicher), Künstliche Intelligenz (Bau von Rechenzentren) und Rüstung. Humanoide Roboter könnten nach ihrer Einschätzung zu einer fünften großen Nachfragequelle für das „rote Metall“ werden.

„Kupfer spielt eine Schlüsselrolle bei der Herstellung humanoider Roboter – dank seiner hervorragenden elektrischen und thermischen Leitfähigkeit, die für ein effizientes Energiemanagement entscheidend ist“, heißt es im S&P-Global-Report „Copper in the Age of AI“.

Die Analyse unterschiedlicher Entwicklungspfade bis 2040 verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderung. Ein konservatives Szenario der Bank of America (250 Millionen produzierte Roboter bis 2040) würde einen zusätzlichen Bedarf von 400.000 Tonnen Kupfer pro Jahr erzeugen. Die Citi-Variante (500 Millionen Maschinen) würde ihn auf 800.000 Tonnen erhöhen. Eine Welt mit einer Milliarde Robotern würde laut Berechnungen bereits 1,6 Millionen Tonnen Kupfer jährlich erfordern. Im extremsten Szenario mit 10 Milliarden Robotern würde die Nachfrage auf über 16 Millionen Tonnen steigen – das entspräche rund 60 Prozent der heutigen Weltjahresproduktion.

Rohstoff-Engpass lösbar, China nicht: Warum Tesla doppelt unter Druck gerät

Diese Vision teilt Jakub Szkopek, Analyst bei First Securities, jedoch nur bedingt. Er betont: In Rohstoffmärkten führt Knappheit typischerweise dazu, dass Alternativen gesucht werden. „Bei höheren Preisen kommt es zu Innovation. Rekordpreise für Silber zwingen beispielsweise Hersteller von Photovoltaikmodulen – die größten Verbraucher weltweit – dazu, andere Lösungen zu entwickeln“, sagt Szkopek. Ähnlich argumentiert Piotr Kuczyński, Analyst bei Xelion.

„Die S&P-Schätzungen sind etwas überzogen – 8 Kilogramm Kupfer pro Roboter sind sehr viel. Außerdem basiert das auf dem heutigen Wissensstand, und niemand kann sicher vorhersagen, was in zehn Jahren passiert. Schon jetzt ließe sich über eine Substitution von Kupfer nachdenken, etwa durch Glasfasertechnik. Die größere Bedrohung für Tesla sehe ich eher durch chinesische Unternehmen“, so Kuczyński.

Laut einem Bericht von Counterpoint Research entfielen 2025 mehr als vier von fünf weltweiten Installationen humanoider Roboter auf China. Dies sei vor allem durch Unternehmen wie AgiBot und Unitree Robotics erreicht worden, deren Anteil an den globalen Installationen bei 56,4 Prozent liege. Und Tesla? Nur 4,7 Prozent. „Die Bewertung der Tesla-Aktie ist deutlich überzogen und basiert zum großen Teil auf den großen Versprechen von Elon Musk“, meint Kuczyński.

Teslas Robotertraum braucht Rohstoffe – und Realitätssinn

Teslas Börsenstory basiert weniger auf aktuellen E-Auto-Verkäufen als auf einer Vision: Robotaxis und humanoide Roboter sollen den Konzern in eine neue Liga heben. Doch je größer die Pläne, desto sichtbarer werden die Grenzen der Realwirtschaft. Kupfer könnte zum Engpass werden – mit steigenden Preisen, geopolitischen Risiken und einem Wettlauf um Lieferketten. Gleichzeitig zeigt China bereits, wie schnell Skalierung möglich ist. Für Tesla bedeutet das: Der technologische Vorsprung allein reicht nicht. Entscheidend sind Produktionsfähigkeit, Kostenkontrolle und der Zugriff auf kritische Rohstoffe.

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