Lithium-Abbau im Erzgebirge: Zwei Vorhaben, zahlreiche Hürden
Der heimische Lithium-Abbau und die Rohstoffgewinnung insgesamt gewinnen in Deutschland deutlich an Bedeutung. Aus keinem anderen EU-Staat gingen in diesem Januar mehr Anträge auf den Status eines kritischen Rohstoffprojekts bei der EU-Kommission ein, erklärte Matthias Koehler, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, auf der Sächsischen Rohstoffkonferenz in Freiberg. Ein solcher Status verspricht laut EU-Verordnung eine bevorzugte Behandlung und beschleunigte Genehmigungsverfahren für den Lithiumabbau.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) hob hervor, Rohstoffe seien "Grundlage für unseren Wohlstand" und für die Zukunft des Industrie- und Autolands Sachsen zentral. Seit rund zehn Jahren existieren Pläne, Lithium-Abbau aus Gestein unter dem Erzgebirge beidseitig der sächsischen Landesgrenze zu realisieren. Während der Lithium-Abbau in Tschechien mit politischer Unterstützung und Staatsmitteln rechnen kann, ringt die sächsische Seite weiter um ein klares Signal aus Brüssel.
Was plant Tschechien in Cínovec – und wie weit ist das Projekt?
In Cínovec (deutsch: Zinnwald) plant das Unternehmen Geomet, jährlich rund 3,2 Millionen Tonnen Erz zu fördern und daraus 37.000 Tonnen Lithiumkarbonat zu gewinnen – ausreichend für Batterien von bis zu 1,3 Millionen E-Autos, wie eine Machbarkeitsstudie zeigt. Unmittelbar könnten laut Angaben 2.000 Arbeitsplätze entstehen. Es gebe keine "technischen Hindernisse" für Bau und Betrieb der Anlage, heißt es aus dem Unternehmen zum Lithiumabbau.
Nun sollen die Anteilseigner über Umsetzung und Finanzierung entscheiden. Das Projekt steht bereits seit dem vergangenen Jahr auf der EU-Liste strategischer Rohstoffprojekte. Die frühere tschechische Regierung hatte Subventionen von 8,8 Milliarden Kronen (rund 361 Millionen Euro) zugesagt. Zusätzlich wurden knapp 33 Millionen Euro an EU-Fördermitteln bewilligt.
Bevor der Lithium-Abbau beginnen kann, ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung beim Umweltministerium erforderlich. Umweltschützer und Bürgerinitiativen warnen im Zusammenhang mit dem Unesco-Welterbe Montanregion Erzgebirge vor Auswirkungen auf Natur, Wasserhaushalt und Tourismus.
Wo steht das Lithiumprojekt in Zinnwald – und warum stockt es?
Zinnwald Lithium blieb im vergangenen Jahr – anders als das tschechische Vorhaben – der Status eines EU-Projekts für kritische Rohstoffe verwehrt. Zwar gab es mehrfach hochrangige politische Besuche. Eine finanzielle Unterstützung wie für den Lithium-Abbau in Tschechien existiert für das sächsische Projekt bislang jedoch nicht.
Jährlich könnten laut Unternehmen etwa 1,5 Millionen Tonnen Lithium-Erz gefördert werden. Vor allem die geplanten Standorte einer Aufbereitungsanlage sowie einer Abraumhalde sorgen bei Bürgerinitiativen für Widerstand gegen den Lithiumabbau.
Mitte Januar bewarb sich Zinnwald Lithium erneut um den Status eines kritischen EU-Rohstoffprojekts, sagte Geschäftsführer Marko Uhlig. Für Investoren sei dieser Status "ein wichtiges Signal" – ohne erkennbare Fortschritte würden Geldgeber "irgendwann skeptisch".
Uhlig wünscht sich auch in Sachsen eine finanzielle Beteiligung des Staates. Der Freistaat könne dadurch "sehr starke Einflussmöglichkeiten" erhalten. Der Bund unterstützt kritische Rohstoffgewinnung seit 2024 über den Rohstofffonds der Förderbank KfW. Dieses Instrument setze jedoch "am völlig falschen Ansatzpunkt" an, kritisierte Uhlig. Voraussetzung seien eine fertige Machbarkeitsstudie und Lieferverträge – zu diesem Zeitpunkt sei zusätzliches Kapital oft überflüssig.
Lithium-Abbau: Was sagt die EU-Kommission?
Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte, dass alle Projekte die notwendigen Kriterien erfüllen müssen. Dazu zählen neben einem relevanten Beitrag zur Versorgungssicherheit, technischer Umsetzbarkeit und nachhaltiger Rohstoffgewinnung auch Umwelt- und Sozialstandards sowie "grenzüberschreitende Vorteile".
Grundsätzlich sei es "theoretisch" möglich, dass zwei getrennte Projekte im selben geologischen Lagerstättenkomplex – wie Cínovec und Zinnwald – parallel den Strategiestatus erhalten. Zu konkreten Anträgen äußert sich Brüssel jedoch nicht. Für die Prüfung der Mitte Januar eingegangenen Bewerbungen habe die Kommission 90 bis 180 Tage Zeit.
Würde der EU-Status die Genehmigung in Sachsen zum Lithium-Abbau beschleunigen?
Für das sächsische Oberbergamt wäre ein als kritisches EU-Projekt eingestufter Lithium-Abbau formal "erstmal gar nicht" anders zu behandeln als andere Bergwerke, erläuterte Präsident Bernhard Cramer. Umwelt- und Sicherheitsstandards dürften nicht aufgeweicht werden. "Bergbau, der nicht nach unseren Wertesystemen genehmigungsfähig ist, darf ich nicht einfach durchpeitschen", sagte Sachsens oberster Bergmann.
Praktisch sieht Cramer jedoch politischen Druck: Ein kritisches Rohstoffprojekt wäre "hochpolitisch, hoch öffentlich wirksam", sodass sich der Freistaat kaum leisten könne, dass die eigene Behörde bremst. Man würde eine Art "Taskforce" aus erfahrenen Fachleuten bilden, andere Verfahren zurückstellen und den Anspruch verfolgen, solche Lithium-Abbau-Projekte fristgerecht abzuarbeiten.
Geht das Bergbau-Revival weiter oder drohen Konflikte?
Sachsen reklamiert bei Erkundungsprojekten zu neuen Erzvorkommen eine "europäische Spitzenposition" und verzeichnet laut Cramer seit 2006 insgesamt 88 Bewilligungen für neuen Erzbergbau, derzeit laufen rund 33 Projekte. Ein Beispiel ist Tellerhäuser am Fichtelberg: Die Firma Saxore plant ein vollständig untertägiges Zinnbergwerk ohne sichtbare Halden oder Aufbereitung. Geschäftsführer Matthias Faust spricht von der "ersten Stealth Mine der Welt", die "keine bleibenden Spuren" an der Oberfläche hinterlassen soll. Dennoch gibt es auch hier Vorbehalte von Bürgerinitiativen und betroffenen Kommunen.
Zugleich ist das Erzgebirge Unesco-Weltkulturerbe und von zahlreichen Altstollen durchzogen. Das mache neue Projekte der Rohstoffgewinnung technisch und finanziell anspruchsvoll, so Faust. Oberbergamts-Präsident Cramer beobachtet in der Bevölkerung keine einfache Pro- oder Contra-Haltung, sondern "eine differenziertere" Debatte zwischen bergmännischer Tradition, Umweltschutz und Tourismus. Ob der Lithium-Abbau letztlich realisiert wird, dürfte nicht allein von Rohstoffpreisen abhängen.

