SAP-Kurseinbruch macht DAX aktuell erheblich zu schaffen
Massive Verluste der schwergewichtigen SAP-Aktie haben den DAX-Kurs am Donnerstag auf deutlich tieferes Terrain gezogen. Der Softwarekonzern hatte mit seinen Quartalszahlen und dem Ausblick enttäuscht. Als weitere Belastungsfaktoren erwähnten Marktstrategen wieder zunehmende geopolitische Spannungen, erhebliche Preisanstiege bei Energieträgern und den zunehmend starken Euro zum US-Dollar.
Der DAX-Kurs notierte am frühen Nachmittag über ein Prozent im Minus bei zeitweise weniger als 24.560 Punkten, wovon rund zwei Drittel allein auf die SAP-Verluste zurückgehen. Der MDAX der mittelgroßen Börsenwerte sank um 0,1 Prozent auf 31.612 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es hingegen um rund 0,4 Prozent nach oben. Damit zeigt sich, wie stark der DAX-Kurs von Einzelwerten beeinflusst werden kann.
Fed-Entscheidung sorgt beim DAX-Kurs für keine Entlastung
"Insbesondere der Iran-Konflikt schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger und belastet die Risikobereitschaft. Zusätzlich sorgt die unklare Gemengelage rund um den Konflikt um Grönland für Verunsicherung. Solange belastbare Signale zur geopolitischen Entwicklung ausbleiben, dürfte die Vorsicht an den Aktienmärkten anhalten", kommentierte Marktexperte Timo Emden von Emden Research. Auch der DAX aktuell bleibt damit unter Druck.
Die US-Notenbanksitzung vom Vorabend ließ die Anleger hingegen kalt, da die Fed den Leitzins erwartungsgemäß unverändert gelassen hatte. Im Blick steht hier weiterhin die Unabhängigkeit der Fed, die sich der Angriffe von US-Präsident Donald Trump erwehren muss. Für den DAX-Kurs ergibt sich daraus jedoch zunächst keine unmittelbare Entlastung.
SAP-Aktie enttäuscht trotz Wachstumsplänen und Aktienrückkäufen
Europas größter Softwarehersteller SAP kann seine Anleger mit einer angepeilten Beschleunigung des Umsatzwachstums nicht über die Enttäuschung um die aktuelle Lage hinwegtrösten. Ende 2025 konnten die Walldorfer nicht so viele Verträge im Wachstumsfeld mit Cloudsoftware abschließen wie erhofft. 2026 dürfte das Wachstum des Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Investoren bei Laune zu halten, steckt das Unternehmen die kommenden zwei Jahre bis zu 10 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe.
Das SAP-Papier rutschte im Handelsverlauf auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren ab und verlor zuletzt 15,5 Prozent. Einen größeren Tagesverlust gab es zuletzt im Oktober 2020, als der Software-Entwickler wegen der Corona-Pandemie die Geschäftsziele drastisch zusammenstreichen musste. Seit dem Rekordhoch vor knapp einem Jahr summiert sich das Kursminus damit auf mehr als 40 Prozent. Für den DAX-Kurs aktuell ist dies ein erheblicher Belastungsfaktor.
Deutsche Bank erreicht Rekordniveau, doch der DAX-Kurs reagiert kaum
Die Deutsche Bank verzeichnete 2025 ein Vorsteuerergebnis von 9,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Damit erreichte das Geldhaus nicht nur sein Renditeziel, sondern übertraf auch die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Die Anteilseigner können sich nun auf eine Dividende von einem Euro freuen, rund anderthalbmal so viel wie im Vorjahr. Zudem stellte das Institut weitere Aktienrückkäufe in Aussicht. Der DAX-Kurs reagierte darauf jedoch kaum positiv.
Getrübt wird der Geschäftserfolg aber durch die erneuten Ermittlungen gegen Verantwortliche und Mitarbeiter der Bank wegen des Verdachts der Geldwäsche, die am Tag vor der Bilanzvorlage bekannt wurden. Die Aktie büßte 2,1 Prozent ein, nachdem sie am Mittwoch bereits um rund 2 Prozent gefallen war. Damit blieb auch der DAX aktuell schwächer.
Die Deutsche-Bank-Tochter DWS (ISIN: DE000DWS1007) übertraf 2025 ihre Ziele und legte die Latte für die kommenden Jahre höher. Zudem sollen die Aktionäre im Jahr 2027 eine Sonderdividende erhalten. Die DWS-Anteilsscheine erklommen ein Rekordhoch bei 63,20 Euro und verteuerten sich als MDax-Spitzenreiter zuletzt um 9,2 Prozent. Solche Bewegungen wirken sich indirekt auch auf den DAX-Kurs aus.
Solides Wachstum bei Nemetschek, doch Gewinne bröckeln
Der Softwarehersteller Nemetschek steigerte 2025 den Erlös um knapp ein Fünftel und knackte damit erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro. Umsatz und Profitabilität lagen den Angaben zufolge im Rahmen der Prognose des Unternehmens sowie der Analystenschätzungen. Nach deutlichen Anfangsgewinnen bröckelten die Nemetschek-Titel aber merklich ab und notierten zuletzt 1,7 Prozent im Minus.
Die Aktien von Siemens (ISIN: DE0007236101) gewannen 3,3 Prozent und nähern sich damit ihrem Rekordhoch von Mitte Januar. Marktbeobachter verwiesen als Begründung auf den starken Auftragseingang des Konkurrenten ABB (ISIN: CH0012221716), der positive Rückschlüsse auf die Orderlage des deutschen Technologiekonzerns zulasse. Dennoch bleibt der DAX-Kurs aktuell insgesamt belastet. Die Titel von Flatexdegiro (ISIN: DE000FTG1111) setzten ihren jüngsten Rekordkurs mit einem weiteren Höchststand bei 41,60 Euro fort und notierten zuletzt 2,3 Prozent im Plus. Mit einem Plus von mehr als 12 Prozent in dem noch jungen Jahr 2026 gehören die Papiere des Online-Brokers zu den attraktivsten Werten im MDax. Für den DAX-Kurs sind solche Entwicklungen ein wichtiger Stimmungsindikator.
DAX-Kurs bleibt anfällig
Der DAX-Kurs zeigt, wie stark einzelne Schwergewichte den Gesamtmarkt prägen können. Der massive SAP-Einbruch belastete den Index erheblich und machte deutlich, dass Anleger derzeit besonders sensibel auf enttäuschende Unternehmenszahlen reagieren. Gleichzeitig verstärken geopolitische Unsicherheiten und Währungseinflüsse die Nervosität. Zwar liefern Institute wie die Deutsche Bank oder Werte wie Siemens positive Impulse, doch reicht dies nicht aus, um den Index nachhaltig zu stabilisieren. Der DAX bleibt damit in einem fragilen Umfeld, in dem Vorsicht und genaue Beobachtung entscheidend sind.

