Wirtschaft

Deutschlands Autoindustrie: E-Auto-Produktion erreicht historischen Höchststand

Die deutsche Automobilindustrie steigert die Produktion elektrischer Fahrzeuge deutlich, während Gesamtmarkt und Export schwach bleiben. Wie tragfähig ist dieses Wachstum der Elektromobilität für Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen?
09.02.2026 06:00
Lesezeit: 3 min

Rekordjahr für die deutsche Automobilproduktion

Die deutsche Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr einen historischen Meilenstein erreicht. Der Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge an der Gesamtproduktion stieg auf ein bislang nicht erreichtes Niveau, während das Produktionsvolumen insgesamt weiterhin hinter früheren Höchstständen zurückblieb.

Im Jahr 2025 machten Elektroautos und Plug-in-Hybride erstmals 40 Prozent der inländischen Fahrzeugproduktion aus. Insgesamt wurden 1,67 Millionen elektrische Pkw in Deutschland gefertigt. Das entspricht einem Zuwachs von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotz dieser Entwicklung blieb die Gesamtleistung der Branche gedämpft. Produktion, Absatz und Export erreichten weiterhin nicht die Größenordnungen der Vorkrisenjahre. Die strukturelle Erholung verläuft damit deutlich langsamer als der technologische Umbau.

Mit der gestiegenen Produktion elektrischer Fahrzeuge festigte Deutschland erneut seine Position als zweitgrößter Hersteller weltweit. Nur China produzierte mehr, während die USA hinter Deutschland zurückblieben.

Plug-in-Hybride treiben das Produktionswachstum

Den stärksten Zuwachs verzeichneten Plug-in-Hybride. Ihre Produktion stieg um 54 Prozent auf 450.000 Fahrzeuge. Damit entwickelten sie sich zum dynamischsten Segment innerhalb der elektrifizierten Antriebe. Dennoch stellen batterieelektrische Fahrzeuge weiterhin den größten Teil der elektrischen Produktion.

Ihre Fertigung erhöhte sich um 15 Prozent auf 1,22 Millionen Fahrzeuge. Sie bleiben damit das tragende Element der deutschen E-Mobilitätsstrategie. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Tesla-Fabrik nahe Berlin. Ihre jährliche Produktionskapazität liegt bei 250.000 Fahrzeugen. Wie viele Fahrzeuge dort im vergangenen Jahr tatsächlich hergestellt wurden, hat der Konzern bislang nicht offengelegt.

Für das Jahr 2026 rechnet der Branchenverband VDA mit einer Fortsetzung des Wachstumstrends. Allerdings dürfte sich das Tempo verlangsamen. Die Produktion elektrischer Pkw soll auf 1,76 Millionen Fahrzeuge steigen.

Verhaltener Jahresauftakt bei Produktion und Export

Zu Beginn des Jahres 2026 zeigte sich der Gesamtmarkt deutlich schwächer. Im Januar wurden in Deutschland 305.900 Pkw produziert. Das entspricht einem Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zwar fiel im Januar ein Arbeitstag weg, dennoch bleibt die Produktionsleistung deutlich unter früheren Vergleichswerten. Gegenüber dem Jahr 2019 liegt sie weiterhin um 18 Prozent niedriger.

Auch der Export entwickelte sich rückläufig. Mit 225.300 ausgeführten Fahrzeugen lag das Volumen im Januar acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Im längerfristigen Vergleich beträgt der Abstand zum Vorkrisenniveau weiterhin 22 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass die internationale Nachfrage bislang nicht im gleichen Maße anzieht wie die inländische Produktion elektrischer Fahrzeuge.

Nachfrageentwicklung signalisiert Unsicherheit

Die Auftragseingänge lieferten ein gemischtes Bild. Inländische Bestellungen stiegen im Januar um vier Prozent. Demgegenüber gingen die Aufträge aus dem Ausland um sieben Prozent zurück. Insgesamt wurden damit fünf Prozent weniger neue Bestellungen verzeichnet als ein Jahr zuvor. Die Entwicklung spiegelt die anhaltende Unsicherheit auf wichtigen Exportmärkten wider.

Insbesondere geopolitische Spannungen, konjunkturelle Risiken und protektionistische Tendenzen belasten die internationale Nachfrage. Für die exportorientierte deutsche Automobilindustrie bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll. Die Auftragslage deutet darauf hin, dass eine nachhaltige Markterholung noch nicht gesichert ist.

Absatzmarkt Deutschland bleibt unter Druck

Der deutsche Pkw-Markt zeigte sich zum Jahresbeginn ebenfalls schwach. Im Januar 2026 wurden 194.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zu Januar 2019 fällt der Rückgang noch deutlicher aus. Die Neuzulassungen lagen um 27 Prozent niedriger als vor der Pandemie. Der private Konsum bleibt damit zurückhaltend.

Deutlich besser entwickelte sich der Markt für Elektrofahrzeuge. Die Zahl der Neuzulassungen stieg um 23 Prozent auf 64.500 Fahrzeuge. Damit war bereits jeder dritte neu zugelassene Pkw elektrisch. Von den elektrischen Neuzulassungen entfielen 42.700 auf batterieelektrische Fahrzeuge und 21.800 auf Plug-in-Hybride. Der strukturelle Wandel im Antriebsmix setzt sich damit auch auf der Nachfrageseite fort.

Industrie warnt vor politischen Engpässen

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie VDA, Hildegard Müller, sieht in den Produktionszahlen einen klaren Beleg für die strategische Ausrichtung der Branche. Die deutsche Industrie setze konsequent auf klimaneutrale Mobilität. Zugleich machte Müller deutlich, dass der langfristige Erfolg nicht allein von industriellen Investitionen abhänge. Entscheidend seien verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Genannt wurden ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur, leistungsfähigere Stromnetze und wettbewerbsfähige Strompreise. Auch der gesicherte Zugang zu strategischen Rohstoffen spiele eine zentrale Rolle. Ohne international konkurrenzfähige Standortbedingungen drohten Investitionen und Wertschöpfung zunehmend ins Ausland abzuwandern.

Strukturelle Weichenstellungen für den Standort Deutschland

Für Deutschland zeigen die aktuellen Zahlen ein ambivalentes Bild. Die Elektromobilität entwickelt sich zum tragenden Pfeiler der industriellen Transformation, während die gesamtwirtschaftliche Dynamik der Branche gedämpft bleibt.

Der Umbau der Automobilindustrie schreitet technologisch voran, wird jedoch von konjunkturellen Risiken, geopolitischen Spannungen und infrastrukturellen Engpässen begleitet. Für den Industriestandort Deutschland wird entscheidend sein, ob Politik, Energieversorgung und Infrastruktur mit der Geschwindigkeit des Wandels Schritt halten können.

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