Unternehmensporträt

Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet

Drei Stunden täglich verbringen Ärzte im Schnitt mit Bürokratie. Zeit, die für die Versorgung der Patienten fehlt. Die KI-gestützte Software Elea soll medizinisches Personal entlasten, indem sie zuhört, dokumentiert und Befunde erstellt. Neben Hamburg hat das Start-up bereits einen zweiten Standort im Silicon Valley. 
27.03.2026 16:45
Lesezeit: 2 min
Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet
Das Gründerteam von Elea: Dr. Christoph Schröder, Dr. Sebastian Casu, Stephan Frank, Tobias Lygren (von links, Foto: Privat).

Start-up Elea: KI entlastet Ärzte im Krankenhaus-Alltag

Überbelastung, Unterbesetzung, Erschöpfung – es reichen wenige Wörter, um den Alltag in Krankenhäusern zu beschreiben. Durchschnittlich 6,2 Überstunden pro Woche leisten angestellte Ärztinnen und Ärzte laut der Gewerkschaft Marburger Bund in Deutschland. Ein Grund: Der hohe Aufwand an Bürokratie. Drei Stunden pro Tag verbringen Ärztinnen und Ärzte mit Verwaltungstätigkeiten wie Datenerfassung und Dokumentation. Zeit, die fehlt – für Patienten, für die Qualität der klinischen Versorgung, für die eigene Regenerierung.

Als Arzt mit langjähriger Erfahrung im klinischen Management weiß Dr. Sebastian Casu um die Zustände in Krankenhäusern: „Über viele Jahre habe ich erlebt, wie viel Zeit im klinischen Alltag für Dokumentation, IT-Systeme und organisatorische Abläufe verloren geht.“ Gemeinsam mit seinen Partnern Dr. Christian Schröder, Tobias Lygren und Stephan Frank entwickelt Sebastian Casu die KI-gestützte Software Elea für das Gesundheitswesen. Ziel ist die Entlastung in der Bürokratie. „So bleibt mehr Zeit für medizinische Entscheidungen und die Menschen, um die es in der medizinischen Versorgung wirklich geht.“

Die KI hört auf Knopfdruck zu

Erreichen will Elea Health das mit Hilfe künstlicher Intelligenz. „Die tief integrierte KI hört auf Knopfdruck zu“, so Dr. Sebastian Casu. „Dabei wandelt sie nicht nur Sprache in Text, sondern versteht auch die Inhalte und ist dadurch in der Lage, bei alltäglichen Prozessen zu unterstützen und die wichtige Dokumentation zu beschleunigen.“

Dr. Sebastian Casu erklärt den Einsatz von Elea am Beispiel der Pathologie: „Dort durchlaufen Gewebeproben viele klar definierte Schritte.“ Vom Eingang der Probe im Labor bis zum Befund unterm Mikroskop – jeder Schritt muss korrekt ausgeführt, überwacht und dokumentiert werden. „Die Software kennt die Arbeitsschritte, unterstützt die einzelnen Abläufe, verknüpft Informationen aus der gesprochenen Sprache, aus Geräten und aus anderen Systemen.“ Die relevanten Informationen fügt Elea zu einem Befund zusammen. Die fachliche Kontrolle bleibe jedoch vollständig beim medizinischen Personal und bei den Ärztinnen und Ärzten, betont Dr. Casu.

Langsame Entscheidungsprozesse bremsen Elea aus

Derzeit ist Elea in mehreren Pathologie-Instituten in Deutschland und den USA im Einsatz, ein Notaufnahme-Informationssystem befindet sich am Ende der Pilotphase. Während die technische Implementierung der Software funktioniere, sieht Dr. Sebastian Casu die Herausforderung in den organisatorischen Rahmenbedingungen von Kliniken: „Themen wie Interoperabilität, Prozessharmonisierung und die Etablierung einheitlicher Standards – gerne auch über Institutsgrenzen hinweg – sind häufig strategische Fragen, die innerhalb der jeweiligen Organisationen oder auch der medizinischen Fachverbände entschieden werden müssen.“ Dass diese Entscheidungsprozesse Zeit benötigen, hat Dr. Sebastian Casu nicht überrascht. Spürbar sei jedoch das Ausmaß der teilweise langsamen Entscheidungsprozesse. „Hier sehen wir großes Potenzial, durch klare Priorisierung und entschlossenes Vorgehen gemeinsam schneller voranzukommen“, so der Gründer.

Deutschland kann bei KI im Gesundheitswesen eine Führungsrolle einnehmen

Neben Hamburg hat das Start-up einen weiteren Standort im Silicon Valley. „Unsere Arbeit in den USA eröffnet uns vor allem einen besonderen Blick auf Innovation, Geschwindigkeit und Zusammenarbeit“, berichtet Dr. Sebastian Casu. Neue Ideen würden früh geteilt, offen diskutiert und konsequent umgesetzt. Seine Erfahrungen mit Deutschland als Standort für ein Start-up bezeichnet er als „ambivalent“: „Auf der einen Seite erleben wir fachliche Kompetenz, eine ausgeprägte Sensibilität für Qualität, Datenschutz und Regulierung sowie großes Interesse an sinnvollen KI-Anwendungen, gerade im Gesundheitswesen.“ Gleichzeitig bremse Zurückhaltung die Entscheidungsprozesse: „KI wird intensiv diskutiert, gleichzeitig fehlt es vielerorts noch an klaren Entscheidungen und an der Bereitschaft, neue Lösungen frühzeitig in die Praxis zu bringen“, so Dr. Sebastian Casu. Er sieht darin mehr eine Chance als ein Hindernis: „Wenn es gelingt, technologische Innovation mit medizinischer Verantwortung und regulatorischen Klarheit zu verbinden, kann auch Deutschland eine führende Rolle bei vertrauenswürdiger KI im Gesundheitswesen einnehmen.“

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Cristina Prinz

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Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

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