Politik

Russland im Schatten der Iran-Krise: Gerät Moskaus Macht ins Wanken?

Die strategische Partnerschaft zwischen Russland und dem Iran steht angesichts wachsender Spannungen mit den USA unter Druck. Welche Folgen hätte ein Umbruch in Teheran für Moskaus geopolitische Position im Nahen Osten?
27.02.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Russland im Schatten der Iran-Krise: Gerät Moskaus Macht ins Wanken?
Ein möglicher Umbruch im Iran könnte das strategische Kräfteverhältnis zwischen Russland und den USA im Nahen Osten nachhaltig verschieben (Foto: dpa) Foto: Mikhail Metzel

Russland fürchtet Machtverlust durch Iran-Krise

Russlands Führung blickt mit wachsender Nervosität auf die Entwicklungen im Iran. Sollte Washington militärisch gegen Teheran vorgehen, könnte der Kreml einen seiner wichtigsten strategischen Partner verlieren, was Putins geopolitisches Konzept empfindlich erschüttern würde.

Seit Beginn des Ukrainekriegs ist Russlands außenpolitischer Spielraum deutlich eingeschränkt. Zugleich musste Moskau beobachten, wie frühere Verbündete an Einfluss verloren oder gestürzt wurden. Die Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro in den USA wird in diesem Zusammenhang als weiterer Beleg für die begrenzte Schutzfähigkeit Russlands gewertet.

„Putin hat bereits Syrien verloren und zuletzt auch Venezuela“, sagt Olli Ruohomaki vom Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten. Der CEPA-Analyst Alexander Kolyandr verweist darauf, dass Maduro bei Militärparaden regelmäßig russische Luftabwehrsysteme präsentierte, diese jedoch während einer von Donald Trump veranlassten Operation wirkungslos blieben.

Besonders heikel war aus Moskauer Sicht die Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Öltankers durch die USA. Auch die mit russischer Unterstützung aufgebaute Cyberabwehr Venezuelas konnte nicht verhindern, dass US-Angriffe Teile der Hauptstadt Caracas zeitweise vom Stromnetz trennten.

Erosion russischer Machtprojektion im Nahen Osten

Parallel dazu hat Russlands Einfluss im Nahen Osten spürbar gelitten. Israel ging in den vergangenen Jahren gezielt gegen das Netzwerk iranischer Stellvertreter vor und tötete Führungsfiguren von Hamas und Hisbollah. Damit wurde eine regionale Struktur geschwächt, auf die auch Moskau setzte.

Im Juni 2025 zerstörten israelische und amerikanische Kampfflugzeuge große Teile der iranischen Luftverteidigung und beschädigten Anlagen zur Urananreicherung. Sollte das Regime in Teheran weiter destabilisiert werden oder sogar zusammenbrechen, träfe dies Russland an einem neuralgischen Punkt seiner Außenpolitik.

Iran ist für Moskau weit mehr als ein Handelspartner. Entscheidend ist die sicherheits- und rüstungspolitische Kooperation, die in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert wurde. Beide Staaten unterstützten sich zudem gegenseitig bei der Umgehung westlicher Sanktionen.

Teheran lieferte Russland Drohnen vom Typ Shahed, die im Ukrainekrieg eingesetzt wurden und später auch in russischer Produktion entstanden. Im Gegenzug erhielt Iran militärische Technologie, Geheimdienstinformationen sowie Unterstützung für sein Raumfahrt- und Raketenprogramm. Ob moderne Kampfjets vom Typ Su 35 oder Luftabwehrsysteme S 400 tatsächlich geliefert wurden, ist bislang nicht eindeutig belegt.

Iran als strategischer Baustein der Kreml-Doktrin

Für den Kreml besitzt die Partnerschaft mit Teheran eine übergeordnete strategische Bedeutung. Max Hess von Enmetena Advisory betont, Moskau sehe im möglichen Verlust Irans eine deutlich größere Gefahr für seine regionale Stellung als im Fall Syriens oder Venezuelas, da Iran selbst eine eigenständige Regionalmacht sei.

Anna Borschtschewskaja vom Washington Institute verweist darauf, dass der Kreml eine internationale Ordnung anstrebt, in der Großmächte in ihren Einflusszonen weitgehend unbehelligt agieren. Das iranische Regime teile diese Sichtweise und fungiere daher als wichtiger Bestandteil dieser strategischen Konzeption.

Gleichzeitig sind die Beziehungen nicht frei von Spannungen. Zwar unterzeichneten beide Staaten eine strategische Partnerschaft mit langfristiger Perspektive, doch formelle Verteidigungsverpflichtungen existieren nicht. Russland lehnt zudem eine nukleare Bewaffnung Irans offiziell ab, wie während des zwölftägigen Krieges zwischen Iran und Israel deutlich wurde.

Ein Regimewechsel in Teheran gilt daher als problematischstes Szenario aus Sicht Moskaus. Zwar dürfte auch eine neue Führung regionale Interessen verfolgen, doch eine klare Westorientierung Irans würde Russlands Position im Nahen Osten substanziell schwächen.

Außenpolitische Schwächen und ökonomische Risiken

Im Fall eines Machtwechsels würde Moskau voraussichtlich versuchen, rasch Kontakte zur neuen Führung zu knüpfen. Ziel wäre es, den eigenen Einfluss zu bewahren und nicht vollständig aus dem Nahen Osten verdrängt zu werden.

Ein Zusammenbruch des iranischen Regimes hätte zudem wirtschaftliche Folgen. Sollten internationale Sanktionen gelockert werden und Iran seine Ölexporte deutlich ausweiten, könnte dies den globalen Energiemarkt verändern und Russlands Einnahmen unter zusätzlichen Druck setzen.

Olli Ruohomaki weist darauf hin, dass Russland Iran im Ernstfall kaum mehr als politisches Asyl anbieten könne, ähnlich wie einst Baschar al-Assad. Die Partnerschaft sei im Kern transaktional und biete keine belastbare Sicherheitsgarantie.

Zugleich befindet sich die russische Außenpolitik in einer strukturellen Schieflage. Entscheidungen werden weitgehend in einem engen Kreis um Präsident Putin getroffen, während institutionelle Strukturen an Einfluss verloren haben. Dies sichert zwar Kontrolle, reduziert jedoch die Fähigkeit zur strategischen Anpassung.

Trumps Kurs als geopolitischer Faktor

Ob Russland auch im Iran an Einfluss einbüßt, hängt maßgeblich von der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump ab. Militärische Optionen reichen von gezielten Schlägen gegen die Führung um Ali Chamenei über Angriffe auf die Revolutionsgarden bis hin zu Attacken auf Raketenbasen.

Nach Einschätzung von „The Economist“ könnten begrenzte Luftangriffe weder einen Regimewechsel erzwingen noch substanzielle Zugeständnisse im Atomstreit sichern. Ein umfassender Militäreinsatz würde hingegen das Risiko eines langwierigen Konflikts im Nahen Osten mit schwer kalkulierbaren Folgen erhöhen.

Wahrscheinlicher erscheint ein Szenario, in dem Washington den Druck auf Teheran so weit steigert, dass die Führung zu Verhandlungen bereit ist. Unabhängig vom konkreten Vorgehen ist bereits absehbar, dass jede strategische Verschiebung in Iran auch die Machtbalance zwischen Washington und Moskau verändern würde.

Für Deutschland und Europa hat diese Entwicklung erhebliche Bedeutung. Eine Ausweitung iranischer Ölexporte könnte die globalen Energiemärkte neu ordnen und damit indirekt Russlands Finanzierungsspielräume im Ukrainekrieg beeinflussen. Zugleich würde eine weitere Schwächung Moskaus die geopolitischen Spannungen verschärfen und neue Unsicherheiten für Wirtschaft und Sicherheitspolitik in Europa mit sich bringen.

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