Unternehmensporträt

Bulthaup: Brauchen wir noch Küchen im Zeitalter künstlicher Intelligenz?

Der Name Bulthaup steht seit Jahrzehnten für Luxus-Küchen aus Deutschland. In Zeiten der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz sieht Inhaber Marc Eckert die Küche als Antwort auf ein menschliches Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit.
20.03.2026 16:45
Aktualisiert: 18.06.2026 08:30
Lesezeit: 3 min
Bulthaup: Brauchen wir noch Küchen im Zeitalter künstlicher Intelligenz?
Bulthaup-Küchen stehen für handwerkliche Qualität made in Germany (Foto: Bulthaup GmbH & Co KG, Bodenkirchen (Deutschland)).

Bulthaup: Wie ein bayerischer Küchenbauer mit Premiumqualität weltweit Erfolg hat

Wenn Marc Eckert redet, ist jedes Wort bewusst und sorgfältig gewählt. Er spricht von Schweiß, Herzblut und Tränen, die in jedem seiner Produkte stecken. Von Materialtiefe, die sichtbar und spürbar ist. In jedem Wort manifestiert sich seine Überzeugung: „Ehrliche und aufrichtige Qualität setzen sich immer durch“, ist sich Marc Eckert sicher. „Und diese Qualität fließt bei Bulthaup in alles ein – in jedes Wort einer Werbeanzeige, in jedes Detail eines Produkts.“

Seit über sieben Jahrzehnten steht der Name Bulthaup für Ingenieurskunst und Design im Premium-Segment bei der Produktion von Küchen. Im bayerischen Aich bei Landshut fertigen rund 500 Mitarbeiter 3.500 Küchen pro Jahr. Jede einzelne ist maßgeschneidert und individuell auf den Kunden abgestimmt – in 53 Ländern weltweit. Auch nach 20 Jahren sollen die High-End-Küchen mit derselben Präzision wie am ersten Tag funktionieren. Das hat seinen Preis: Etwa 25.000 Euro kostet ein Einstiegsmodell. Das Unternehmen macht damit einen jährlichen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.

Die Küche als Antwort auf ein Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle

Die Geschichte der Küche war schon immer ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen. Nach Jahrzehnten des Vorbildes der Frankfurter Küche aus den 1920er Jahren als separater Raum durchbrach Bulthaup Mitte der 80er Jahre das „Diktat der Einbauküche“: Die Zubereitungsinsel wurde zum zentralen Element, die Küche wandelte sich weg von der Arbeitszeile hin zum Lebensraum. „Was sich jedoch nie verändert hat, ist die Sehnsucht der Menschen nach Geborgenheit, nach einem Ort, an dem sie zusammensitzen und die Gemeinschaft pflegen“, so der Geschäftsführer.

Für Marc Eckert erfüllt die von Bulthaup in den 80er Jahren entwickelte Küchenwerkbank, an der die Urelemente des Kochens Feuer und Wasser vereint sind, mehr denn je das Bedürfnis nach Arbeit mit den Händen. „Wir alle spüren im Zeitalter der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz den Kontrollverlust des Menschen,“ so Marc Eckert. „Die Entschleunigung in der Küche ist eine Antwort auf ein tiefsitzendes Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit, Ruhe und Geborgenheit.“

„Jede Generation muss das Unternehmen neu denken und neu aufbauen“

Sowohl Instinkt als auch Schicksal haben Marc Eckert nach eigenen Worten den Weg ins Familienunternehmen geebnet. Nach dem Jurastudium hatte er zunächst als Rechtsanwalt gearbeitet, bis er 2010 die Nachfolge seines Großvaters Martin Bulthaup und Onkels Gerd Bulthaup antrat. „Ich hatte mir eine Unabhängigkeit aufgebaut und den Schritt ins Familienunternehmen nie geplant“, so Marc Eckert. Als sich die Frage nach der Unternehmensnachfolge gestellt hat, zögerte er keinen Augenblick. „Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass jedes Hinfallen und Wieder-Aufstehen die nötige Reife und Resilienz für diese Aufgabe in mir haben wachsen lassen“, sagt er heute rückblickend.

Als Geschäftsführer eines Familienunternehmens vergleicht sich Marc Eckert mit dem Gründer eines Start-ups: „Jede Generation muss das Unternehmen neu denken und neu aufbauen.“ Was ein Unternehmen gestern erfolgreich gemacht habe, müsse noch lange nicht in der Zukunft funktionieren. „Der Erfolg von heute ist der Misserfolg von morgen“, so der Unternehmer. Die größte Herausforderung des Unternehmers sei es, das Unternehmen von sich selbst unabhängig zu machen. „Die Verantwortung besteht darin, nicht an sich, sondern an die Enkel zu denken.“ Das bezeichnet Marc Eckert als Enkelfähigkeit. „Man muss Strukturen schaffen, damit sich das Unternehmen weiterentwickeln kann – losgelöst von der Person an der Spitze“, erklärt der Unternehmer.

Wie sieht die Küche in einer Zukunft mit KI aus?

Kaum ein anderes Thema treibt Marc Eckert derzeit mehr um wie künstliche Intelligenz. „Auch im Sinne der KI muss ich Küche neu denken“, erklärt er. „Wie werden wir leben, wenn Roboter die Hausarbeit erledigen? Werden wir Küchen überhaupt noch benötigen?“ Aber auch im Hinblick auf das Unternehmen selbst denkt Marc Eckert an einen kompletten Neuaufbau von Bulthaup im Zeitalter der KI. Ihn beschäftigt vor allem die Frage, inwieweit sich künstliche Intelligenz mit Handwerk und Mensch verbinden lässt. Denn Marc Eckert glaubt an das Handwerk in Deutschland: „Entscheidend ist, dass wir auf industrielles Handwerk und menschliche Fähigkeiten gleichermaßen setzen. Qualität entsteht durch das menschliche Auge und die Hand. Damit hat das Handwerk eine Zukunft.“ Dennoch muss seine Rolle im Zeitalter der KI neu gedacht werden. Dies sei eine spannende Herausforderung.

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Cristina Prinz

                                                                    ***

Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

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